Mein neues Zuhause, meine Arbeit, eine Kommunion und eine Demo!

Seit ein paar Tagen wohne ich unten in der Stadt. Einerseits schade, denn ich habe mich bei Gerdi und Oscar richtig zu Hause gefühlt und in Familie, außerdem ist es so ein schöner Ort, dort im Wald auf dem Berg…nur eben etwas weit weg.

Ich teile das Haus mit einer Schweizerin, einer Mexicanerin, einem Franzosen, einem Deutschen und einem Hund. Da wir auf einem kleinen Berg wohnen, direkt unterhalb der Kirche der Nationalheiligen, Guadalupe, kann ich von meinem Fenster, bzw. vom Dach aus über die anderen Häuser hinweg auch die Berge sehen J, das ist sehr schön!

Im Hogar ist wieder eine Frau neu eingezogen, sie hat schon nächste Woche Entbindungstermin.

Außerdem kommt immer ein junges Paar aus der Stadt zu den Vorsorgen und Kursen, Estefania und Pablo – sie Kanadierin und er Argentinier – die seit ein paar Jahren als Clowns durch Süd- und Mittelamerika unterwegs sind und seit ein paar Wochen jetzt in San Cris leben, am 26.9. war ihr Entbindungstermin ausgerechnet.

In letzter Zeit ist es immer wieder vorgekommen, dass auch Frauen aus der Stadt oder hier lebende Ausländerinnen im Hogar gebären wollen, die nicht in einer derartigen Notlage sind, wie die eigentliche Zielgruppe des Hogar. Sie kommen, weil sie keinen Kaiserschnitt bekommen wollen, aber nicht das Geld haben, um in eines der beiden privaten Geburtshäuser zu gehen, die es hier gibt. Es wurde beschlossen, dass dies Notlage genug ist, auch diesen Frauen zu helfen, sie bezahlen, was sie können, im Falle der Clowns ist es so, dass sie auf einem öffentlichen Fest aufgetreten sind, das das Hogar veranstaltet hat.

Ich finde es schön, dass sich so auch Frauen kennenlernen, die sonst kaum miteinander in einen persönlichen Kontakt treten würden, auch, dass es so immer wieder mal vorkommt, dass Väter präsent sind finde ich sehr schön!

Cande, von deren Geburt ich Euch berichtet habe, ist mittlerweile mit ihrer kleinen Tochter in ein Dorf zu einer Tante gezogen. Die Kleine hat schon gut zugenommen, das Stillen klappt super und Cande ist ganz stolz.

Wenn die Frauen wieder aus dem Hogar austreten, gibt es immer eine „cierra“, eine Abschiedsrunde.  Jede Einzelne bedankt sich für die gemeinsam verbrachte Zeit, sagt, was sie besonders wahrgenommen oder geschätzt hat und gibt  ihr etwas Ideelles mit auf den Weg.

Das ist sehr intensiv und berührend für alle, nicht nur ich war den Tränen nahe und Cande weinte. Es war ein schönes Weinen, sie sagte, wie glücklich sie jetzt mit ihrem Baby ist und wie dankbar.

Am Anfang ihrer Schwangerschaft kam sie ins Hogar, weil sie wusste, dass sie Adoptionen vermitteln, sie war völlig traumatisiert. Durch die Hilfe die sie im Hogar erhalten hat, konnte sie sich Schritt für Schritt dem Kind annähern und schließlich in Liebe zuwenden. Das war schon während der Geburt deutlich zu spüren.

Ich bin so beeindruckt von dieser noch so jungen Mutter, ich habe keine Zweifel, dass sie ihren Weg gehen wird!

Am vergangenen Wochenende war ich zur Kommunion von Valentin, dem 13jährigen Sohn von Dona Mercedes, der indigenen Nachbarin und Hausangestellten von Gerdi und Oscar mit eingeladen. Es war interessant, die Messe zu erleben, die unter freiem Himmel bei knallender Höhensonne stattfand, denn die Kirche war viel zu klein für die etwa 50 Kinder, die die Kommunion erhielten und ausschauten, als wollten sie Hochzeit halten, vor allem die Mädchen! Die Predigt war für meine Begriffe sehr stark mit dem erhobenen Zeigefinger gehalten, aber Gerdi meinte, das war noch harmlos.

Nachmittags begann die Party zuhaus, die zahlreichen Tanten und Onkel mit ihren Kindern waren anwesend, auch die beiden Großmütter (die Großväter waren der Familie schon lange „abhanden gekommen“…) Es war interessant die Geschichten der alten Frauen zu hören, die bereitwillig über ihre Leben und Leiden berichteten.

Natürlich gab es jede Menge zu essen und als Krönung der Party die unverzichtbare gigantische unglaublich süße Cremetorte, in die Valentin traditionsgemäß reinbeißen musste, natürlich wird dabei dann immer noch etwas nachgeholfen….

Gestern, am 2. Oktober, gab es hier in San Cristóbal eine grosse Demonstration auf der Lehrer, Eltern, Schüler und Studenten gemeinsam gegen die Privatisierung des Gesundheitswesens und gegen die Bildungsreform der Regierung Pena Nieto protestierten. Die offiziellen Angaben waren 200 -300 Leute, aber in Wirklichkeit sind es ein paar Tausend gewesen.

Ich entdeckte in der Menge Gerdi und ihre Tochter und ging dann mit. So kam es, dass ich heute mein Bild in der Zeitung fand….

Die Demo erinnerte mich an die der 80ger und 90ger bei uns…

Was die genauen Inhalte der Reform sind kann ich leider nicht erklären, es geht einerseits drum eine angemessene Bezahlung und auch einen Rentenanspruch einzufordern, andererseits auch sind die Bedingungen unter denen Lehrer v.a. auf dem Land arbeiten sehr schlecht, es werden wohl z.B. die Schulbücher nicht mehr bezahlt und arme Leute können es sich oft nicht leisten diese zu kaufen, aber so ganz genau weiß ich im Einzelnen auch nicht, was es alles noch für Schwierigkeiten gibt.

Andererseits gibt es auch Punkte in der Reform, die in der Bevölkerung begrüßt werden, z.B. dass Lehrerstellen zukünftig nicht mehr von Vater auf den Sohn vererbt werden können(! ) und dass Lehrer zukünftig irgendeine Prüfung ablegen müssen (?)

Die Lehrer streiken hier schon seit ca einem Monat immer wieder tageweise, d.h. der Unterricht findet oft nicht statt, Lehrer blockieren die Straßen, so dass niemand aus den Städten heraus und hereinkommt, besetzen die Mautstellen und kassieren 2/3 der normalen Gebühren, die sie dann verwenden, um die Kosten für die Fahrt zur Demo nach Mexico City zu bezahlen. Diese Praktiken stoßen bei der Bevölkerung nicht immer auf Verständnis, denn sie behindern natürlich das Alltagsleben. Auch wird bemängelt, dass die Leidtragenden die Schüler sind, die jetzt schon seit Wochen nur eingeschränkten Unterricht haben.

Ich grüße Euch herzlich!

Eure Christiane

 

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