Vorweihnachtsstimmung in San Cristóbal

Noch vor kurzem konnte ich fast nicht realisieren, dass es Winter ist und wir in einem Monat schon Weihnachten haben, für mich fühlte es sich noch immer wie Sommer an!

Mitte letzter Woche kam mit einer dichten Wolkendecke über Nacht die Kälte! Bei ca 6 – 10 Grad ohne Heizung stellt sich sehr schnell ein winterliches Gefühl ein! Mittlerweile scheint seit zwei Tagen wieder die Sonne und obwohl die Luft kalt ist, ist es tagsüber sehr angenehm und in windstillen Ecken kann man in Sommerkleidung noch schwitzen! Sobald die Sonne untergeht oder es sich bewölkt, ist es sofort wieder kalt.  

In Mexico ist es nicht üblich Advent zu feiern, aber auch hier setzte vor ein paar Tagen der Vorweihnachtsrummel ein: In den Geschäften glitzern künstliche Weihnachtsbäume aller Größen und Farben, bunt flackernde Lichterketten und jede Menge kitschige Weihnachtsdekoration ziert Tankstellen, Apotheken, Restaurants, und Wohnhäuser. Einige Restaurants bieten Glühwein an, den ich schon mehrmals genossen habe um mich zu erwärmen.

Heute, am ersten Advent haben wir bei meiner deutschen Freundin Gerdi diverse Sorten Weihnachtsplätzchen gebacken und dabei das Weihnachtsoriatorium gehört! Eine Kollegin aus dem Hogar war mit ihrem Freund auch dabei, für sie war es das erste Mal, denn diese Tradition gibt es hier nicht.

Es gibt auch keine Weihnachtsmärkte – aber jetzt begann die 3 wöchige Fiesta zu Ehren der Jungfrau Guadalupe, der Nationalheiligen von Mexico und überhaupt einer der wichtigsten Heiligen von ganz Lateinamerika! Da ich ja direkt unterhalb ihrer Kirche wohne, brennt hier sozusagen die Luft. Es gibt einen kleinen Rummel und kilometerlang überall Fressbuden, Losbuden, …  jede Menge Musik und leider auch stundenlanges Geböller, denn hier ist es ja üblich, dass alle Feste mit Luftschüssen begleitet werden! Gestern, am Samstag wachte ich davon um 7 Uhr auf, es war ein Höllenlärm und eine Stunde lang fielen ständig die Raketenreste vom Himmel, aufs Dach, die Terrasse und in den Garten, so dass ich mich gar nicht aus dem Haus traute. „Unglaublich, wie viel Geld hier in die Luft geschossen wird!“ dachte ich. Aber als ich später die Raketen fand, sah ich, dass es keine gekauften waren, sondern selbst gebaute, ein langer Stock und oben die Zündschnur und ein kleiner Behälter für das Pulver, vermutlich also nicht so teuer. Als ich aus dem Haus kam, traute ich meinen Augen kaum, denn über Nacht war zu Ehren der Guadalupe die ganze Straße mit Fähnchen in den Nationalfarben geschmückt worden und es wurden gerade überall die Buden aufgebaut. Carolina, die schon 8 Jahre hier wohnt kündigte mir an, dass wir in den kommenden 3 Wochen vermutlich wenig Schlaf bekommen werden, denn das Geböller wird stetig anhalten. Ich stelle mir das in Berlin vor… Hier regt sich kein Mensch über Lärm auf. Auch an ganz normalen Tagen dröhnt zum Beispiel aus der Apotheke laute Musik bis in die Nacht, denn es gibt wohl keine Ladenschlusszeit, das Haus daneben, in dem gegrillte Hähnchen verkauft werden beschallt ebenfalls die ganze Straße.

Heute fragte ich die Frauen im Hogar, wie hier Weihnachten gefeiert wird. Die Indigenas in den Dörfern feiern gar nicht, war die Antwort. In den Kirchen jedoch gibt es eine Messe. Aber Weihnachtsmänner, Christkinder und Geschenke sind nicht üblich.

In der Stadt ist es anders, das merkt man auch in den Geschäften und an der Werbung – alles ist auf Weihnachtsgeschenke ausgerichtet. Es gibt künstliche Weihnachtsbäume (mehr weiße als grüne übrigens, obwohl es hier niemals Schnee gibt) und sie sind auch schon in vielen Häusern aufgebaut. Das übliche Weihnachtsessen ist Pute.

Als ich erwähnte, dass in Deutschland Geböller überhaupt nicht üblich ist, schloss Mary Perez daraus, dass also Weihnachten nicht gefeiert wird. Ich erzählte ein bisschen über das deutsche Weihnachtsfest – eigentlich eher darüber, wie ich es als Kind erlebt habe… Dabei wurde mir wieder bewusst, wie wir anderen Bilder und Klischees vermitteln… Gibt es das (noch); ein „deutsches Weihnachten“?… Was ist heutzutage überhaupt „typisch Deutsch“??? Ich weiß es selbst gar nicht zu sagen!

Oft werde ich gefragt, was die Deutschen essen. Tja, ich finde das schwierig zu beantworten, denn mittlerweile koche zumindest ich Essen aus allen möglichen Ländern und mir fällt immer nur Schwarzbrot als typisches Essen der Deutschen ein!

Was haben Mexicaner (die noch nicht in Deutschland waren) für ein Bild von Deutschen und Deutschland?: Es ist kalt. Deutsche sind blond. Deutsche sind groß. Deutsche sind „frio“ (kalt, im Sinne von nicht herzlich, abweisend) Sehr häufige Frage: Wie viel kostet der Flug? -à logische Schlussfolgerung: Deutsche sind reich. Deutschland ist technisch sehr hoch entwickelt. Oft: In Deutschland spricht man englisch. Deutsche trinken viel Bier. Hitler ist der bekannteste Deutsche. Die Deutschen haben den zweiten Weltkrieg angefangen und die Juden in Konzentrationslagern umgebracht. Darüber werden auch ab und zu Witze gemacht oder Bemerkungen, die einen in Deutschland sofort als zur rechten Szene zugehörig markieren würden.

Trotz dem meinem Gefühl nach eher negativen Bild von Deutschen äußern viele den Wunsch nach Deutschland zu wollen. Aber vielleicht würden sie ebenso gern in irgendein anderes Land reisen wenn sie das Geld hätten. Das kann ich nicht einschätzen.

Ich selbst werde interessanterweise, trotzdem ich äußerlich voll dem Klischee entspreche (groß, blond) nicht als Deutsche erkannt, sondern man hält mich meines Aussehens wegen entweder für eine Gringa (US Amerikanerin) oder (aufgrund meines angeblich französischen Akzentes) für eine Französin!

Ich sende Euch viele Grüße aus dem „winterlichen“ San Cristóbal!  

Eure ChristianeBildBild

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