4 Wochen in Nicaragua

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Meinen Urlaub von Mitte Dezember bis Mitte Januar habe ich in Nicaragua verbracht, ich war neugierig, Emmas Heimat kennenzulernen – und gespannt, wie das gegenwärtige Resultat der Sandinistischen Befreiungsbewegung auf mich wirken würde…

Es gibt Busunternehmen, die von Mexico aus über die Panamericana  bis nach Panama fahren, mit einem solchen Bus bin ich gereist, über Guatemala, El Salvador und Honduras bis nach Estelí in Nicaragua. Insgesamt dauerte die Fahrt (etwa 1500 km) 2 ganze Tage, mit 2 Übernachtungen unterwegs. Die Hinfahrt war ganz schön strapaziös, da ich einen Platz über dem Motor hatte (Füße immer auf der Kochplatte sozusagen und von oben kühler Wind der Klimaanlage…), aber es hat mir trotzdem sehr gefallen, die ganze Centralamerikanische Landschaft zu durchqueren, wie verrückt, einfach so durch diese Länder zu fahren – und wie immer fühlte es sich doch trotzdem gleichzeitig so ganz normal an, dass ich jetzt hier bin… Ich beneidete fast ein bisschen Miguelo, einen Freund von Emma und mir, der mit seinen Mitte 30 das erste Mal aus Mexico raus kam und die ganze Zeit spürbar überwältigt war… Miguelo, ein Puppenspieler der die letzten 5 Jahre in San Cristóbal lebte, hatte beschlossen, dass es Zeit ist zu neuen Ufern aufzubrechen. Darüber hatten wir uns unterhalten als wir uns in San Cris kennengelernt hatten, Emma hatte ihm vorgeschlagen nach Nicaragua zu gehen… und nun saßen wir beide im Bus, ich mit meinem vergleichsweise kleinem Reiserucksack und Miguelo mit seiner sämtlichen Habe, samt einer großen Kiste, in der seine Marionetten verstaut waren und die an jeder Grenze Anlass zur gründlichen Durchsuchung bot…

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Miguelos erster Auftritt: von der Partei angeordnetes Kinderfest

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Kurz vor Weihnachten kamen wir an und blieben etwa 2 Wochen im Haus von Emmas Eltern. Von dort aus machten wir einige schöne Wanderungen mit Emmas Schulfreunden und Ausflüge mit ihren Eltern. Angelika und Hubertus leben seit über 20 Jahren in Nicaragua und sie führen ein „offenes Haus“, sprich; es wohnen dort immer einige Leute mit: im Moment Liones, ein Schulfreund von Emma, Fabian, ein 13jähriger Junge, dessen Mutter sich nach Spanien begeben hat um dort als Putzfrau zu arbeiten und ihre 3 Kinder bei der Oma gelassen hat, die mit der Erziehung überfordert war und 2 Medizinstudentinnen. Nun auch noch wir – und da Emma da war kamen und gingen auch ihre Schulfreunde ein und aus – und noch einige andere Leute, denn Hubertus gibt Nachhilfe in Mathe… Es war also immer was los!

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Lustig war, dass ich seit Jahren nicht mehr so viel deutsche Küche gegessen habe wie in diesen 2 Wochen, angefangen vom Brot, mit dem Hubertus den örtlichen Markt beliefert bis hin zum selbstgemachten Sauerkohl und Sauerbraten!!

Dennoch stellte ich fest, dass in Nicaragua die Küche anders ist als in Mexico, sie essen z.B. auch nicht scharf. Auch hier werden frijoles (schwarze Bohnen) gegessen, jedoch immer als „gallo pinto“ („Bunter Hahn“), d.h. gemischt mit Reis – und wenn vorhanden wird auch noch Gemüse drunter gemischt. Tortillas gibt es auch, aber sie sind dicker. Und sehr lecker sind porpusas, das sind eine Art (z.B. mit frijoles oder Käse) gefüllte Tortillas, hmmm! Es gibt auch Nacatamales – das sind sozusagen Riesentamales (in Bananenblättern gedämpfte Polenta, Gemüse und Fleisch). Jedenfalls nach diesen 2 Wochen hatte ich mindestens 3 kg zugelegt…

Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass ich große Schwierigkeiten hatte das Nica-Spanisch zu verstehen, wenn mehrere Leute da waren kam ich kaum mit. Natürlich gibt es viele andere Worte, aber das Hauptproblem ist die Aussprache und dass sie so schnell reden… Es tröstete mich ein wenig, dass selbst Miguelo mir sagte, dass er öfter nicht richtig versteht!

In der ersten Januarwoche fuhr ich mit Emma und Miguelo los, zunächst nach Granada, einer schönen Stadt am Nicaraguasee (der so groß ist, dass man das andere Ufer nicht sieht und in dem es sogar Haie gibt!). Miguelo hatte Glück, denn er konnte dort gleich in ein internationales Festival für Straßenkünstler einsteigen und jede Menge Kontakte knüpfen  – und er ist heute noch in Granada. Emma und ich reisten weiter nach Ometepe, eine Insel im Nicaraguasee, die 2 Vulkane hat! Dort machten wir uns ein paar schöne Tage, Emma fuhr wieder nach Haus und ich reiste alleine weiter, in eine andere Stadt, besuchte einen Kratersee und 2 Vulkane… und schon war es Zeit nach Estelí zurückzukehren, meine Sachen zu packen und wieder nach Mexico zu fahren – ich war gerade richtig auf den Geschmack gekommen und wäre sehr gern noch weitergefahren…

Als ich wieder in San Cristóbal ankam, merkte ich, dass ich mich trotzdem freute, wieder zu Haus zu sein – ein neues Gefühl; normalerweise schätze ich es nicht, aus dem Urlaub zurückzukehren…

Alle fragten mich: „Wie ist Nicaragua?“ Auf jeden Fall ganz anders als Mexico! Ich fühlte mich oft tatsächlich erinnert an die DDR! Die Plakate, dann auch ein paar Gespräche mit Leuten auf meiner Reise, da gab es den überzeugten Sandinisten („wir sind auf dem richtigen Weg! – naja, es gibt immer ein paar Nörgler, denen sollte man gar nicht zuhören“), den frustrierten Kleinunternehmer („sie haben mir mein Land weggenommen! Und guck sie dir doch an, die Schlangen vor den Läden…“) und ein alter Mann sagte „früher war es besser“ – „aber Somoza war doch ein Diktator, der hat doch haufenweise Leute umgebracht!“ gab ich zu bedenken… der Alte winkte ab „aber es war alles viel besser organisiert als jetzt, alles funktionierte besser!“ …

Sogar viele Touristen in den Hostels erinnerten mich irgendwie an alte Zeiten – nur dass ich heute auf der anderen Seite stehe: in Nicaragua ist alles etwa halb so teuer wie in Mexico oder Costa Rica, das heißt für Ausländer natürlich ziemlich billig! Ich traf viele AusländerInnen, die sich so großkotzig benahmen, wie ich es in Mexico so nicht erlebe. Und ich hatte das Gefühl, viele Nicas sehn uns (die Ausländer) mit denselben Augen an, wie früher viele Ossis die Wessis… eine Mischung aus Verachtung, Ablehnung, Neid und Sehnsucht.

Absurd und erstmal verwirrend fand ich, dass Nicaragua zwar eine eigene Währung hat (Corduba), jedoch die Preise meist in US Dollar ausgezeichnet sind und auch überall so bezahlt werden kann, bei „richtigen“ (großen) Geschäftsaktionen sogar muss!

(In El Salvador übrigens gibt es seit 8 Jahren nicht mal mehr eine eigene Währung, sie haben nur noch US Dollar!)

Es kam mir wirklich vieles bekannt vor, so vieles erinnerte mich an die Vergangenheit, dass ich es nicht geschafft habe, mich von meinen Erinnerungen so weit zu distanzieren, wie es nötig gewesen wäre, um einen Eindruck von NICARAGUA zu bekommen, es war eher ein Flashback. Schade. Andererseits auch interessant und gut zu realisieren, wie tief die Vergangenheit in mir sitzt, wie schnell unangenehme Gefühle wiederkehren und den Blick für die Realität verstellen.

Aber; Nicaragua ist ein schönes Land, in dem ich herzlich von Emmas Familie und ihren Freunden aufgenommen wurde! Ich hoffe dahin zurückzukehren um mehr vom Land kennenzulernen! Und nun genießt solange Ihr Lust habt die Fotos!

SAM_4316 SAM_4339 SAM_4314 SAM_4306 SAM_4285SAM_4332 SAM_4369 SAM_4483 SAM_4438 SAM_4393 SAM_4388 SAM_5412 SAM_5409 SAM_5408 SAM_5369 SAM_5356 SAM_5353 SAM_5342 SAM_5279 SAM_5217 SAM_5215 SAM_5188 SAM_5187 SAM_5127 SAM_5116 SAM_5114 SAM_5112 SAM_5041 SAM_5030 SAM_5012 SAM_4957 SAM_4929 SAM_4918 SAM_4869 SAM_4819 SAM_4781 SAM_4779 SAM_4767 SAM_4765 SAM_4743 SAM_4706 SAM_4633 SAM_4590 SAM_4560 SAM_4550 SAM_4528 SAM_4520 SAM_4485 SAM_5153 SAM_5149 SAM_5146 SAM_5136 SAM_5158 SAM_5174 SAM_5169

 

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