Chicharrón und Tamales!

26.9.2017

Am Freitag schlachten wir unser Schwein!“ verkündete eine Nachbarin. Wir meldeten an, zwei „montónes“ (Haufen) Schweinefleisch zu kaufen. Gegen 9 Uhr morgens wanderten Leo und ich den Berg hinauf zum Gehöft der Nachbarn. Dort waren die Männer dabei das Schwein zu zerlegen. Ich zählte 20 Haufen Fleisch ausgebreitet auf einer großen Platte die mit Bananenblättern bedeckt war. Rund herum waren die Frauen und Mädchen damit beschäftigt, mit Stöcken die Hunde in Schach zu halten, die versuchten ein Stück Fleisch zu rauben. Alle potenziellen Käufer waren bereits versammelt. Da es Nachbarn sind sollte man denken, dass sie die Wartezeit mit einem Schwätzchen herumbringen würden, aber das war nicht der Fall. Niemand redete miteinander, ganz genauso wie die Leute, die Samstags vor der Bäckerei Siebert in in meiner Straße in Berlin schweigend Schlange stehen. Dennoch kommt mir das hier seltsamer vor, weil sich alle von Kindesbeinen kennen.

Selbst wenn es innerhalb der Familie lebhaft zugeht, ist die indigene Gesellschaft ist nach außen hin sehr still und ernst. Nachdem Leo und ich den Weg hierher munter geschwatzt hatten, stand auch er jetzt reglos mit unbewegter Miene. Ich habe das schon oft erlebt, vom Erwachsenen bis zum lebhaftesten Kind verstummen die Leute und bewegen sich und ihre Mine nicht mehr als nötig ist. Niemals vorher habe ich Menschen erlebt, die eine so würdevolle Ausstrahlung besitzen.

Nach und nach wurde das gesamte Schwein vom Fleisch über sämtliche Knochen und Organe in genau abgewogene gleiche Stücke zerlegt, allein die Klauen blieben übrig. Die Fleischer verstanden ihr Handwerk, alles ging unter Beobachtung der Anwesenden ruhig vonstatten, nur die Hunde wurden ab und zu angeschrien. Schließlich wurde jedes montón für 100 Peso (das sind 5,00 Euro) verkauft und wir zogen mit unserem Zehntel Schwein für 10,00 Euro von dannen!

Ich kann kaum fassen, dass ein gesamtes Schwein lediglich 100,00 Euro einbringt! Die ganze Arbeit über so lange Zeit bis es herangewachsen ist! Diese Schweine bekommen Mais und Küchenabfälle und werden draußen angepflockt um zu weiden. (Sagt man das so bei Schweinen?…)

Wir aßen also 2 Tage Schweinefleisch in verschiedenen Varianten.

Eine besondere Delikatesse für Mexikaner ist „Chicharrón“: ausgelassene Schweineschwarte, die wenn sie frisch aus der Pfanne kommt knusprig ist und ganz gut schmeckt, mal abgesehen davon, dass sie vor Fett trieft… Man isst sie aber auch kalt, es gibt sie sogar im Supermarkt in Tüten, sie schmecken dann etwa so widerlich wie alte Erdnussflips.

Was mir entschieden besser gefällt sind Tamales: Maispasteten mit verschiedenster pikanter oder auch süßer Füllung, die eingewickelt in Mais- oder Bananenblätter über Wasserdampf gedünstet werden, etwa so wie Serviettenknödel. In unserem Fall bestand die Füllung aus Schweinefleisch und Chili-Tomatensoße, extrem lecker!!

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