Guatemala – Reisen mit dem „Chickenbus“



Anders als in Mexiko sind in Guatemala moderne Reisebusse nicht oft zu sehen. Dafür verkehren alte US-amerikanische Schulbusse, „Chickenbus“ genannt. (Man sitzt eng wie die Hühner auf der Stange.)
Jeder einzelne ist anders bunt bemalt und die Motoren müssen irgendwie frisiert sein, so wie sie durch die Gegend rasen! Es gibt kaum ein Fahrzeug, das dem Ehrgeiz eines Chickenbusfahrers über längere Zeit Geschwindigkeitsmäßig standhält, geschweige denn einen Chickenbus überholt!
Die Fahrt ist ein Erlebnis das mich begeistert – vorausgesetzt dass die Reisezeit nicht viel länger als etwa 3 – 4 Stunden beträgt! Warum? Wenn der Bus (eigentlich immer) voll besetzt ist – voll besetzt heißt im Fall, dass knapp doppelt so viele Passagiere mitfahren wie es Plätze gibt – ist die Fahrt recht anstrengend.

Da es sich um Schulbusse handelt, sind die Abstände zwischen den Sitzreihen für die Beinlänge von Kindern berechnet, was für durchschnittlich große Guatemalteken ausreicht, jedoch nicht für meine Beine… Wenn ich also einen Platz ergattere, bin ich sozusagen quadratisch von vorn, hinten und den Seiten (Sitznachbarn) eingequetscht, mit den Knien Richtung Ohren. Wenn im häufigen Fall von „Topes“ (extra angelegte Bodenwellen um Raser zu bezwingen) der Fahrer scharf bremst um einen Achsenbruch zu vermeiden, ist das sehr unangenehm. So eingekeilt kann ich meinen Allerwertesten nicht mehr erheben und Steiß und Wirbelsäule werden jedes mal erheblich gestaucht. Für scharfe Kurven jedoch – und in der guatemaltekischen Berglandschaft besteht die Straße praktisch nur aus Kurven – ist so ein Sitzplatz ideal, denn man ist durch die Nachbarn gut gesichert. Für Po und Knie wiederum besser ist ein etwa 10 cm breites Eckchen der Sitzbank am Gang: die Knie stoßen allenfalls immer nur in den Steiß der Person vor einem und man kann bei jedem Tope den Hintern anheben. Allerdings ist enorme Armkraft und überhaupt Körperspannung nötig um zu vermeiden, dass die Nachbarn einen in Kurven durch die Fliehkraft von dem winzigen Eckchen Sitzbank drängen.
So eine Fahrt ist also keinesfalls ein passives Durch-die-Gegend-schaukeln-lassen, sondern im Gegenteil ein gutes Training für sämtliche Muskelgruppen. Mir ist aufgefallen, dass mir durch diese aktive Mit-Fahrweise nicht übel wird wie sonst kurvenreichen Strecken!
Für Unterhaltung sorgen die zahlreichen Stopps. Gepäck wird in rasender Geschwindigkeit aufs bzw. vom Dach geladen, während sich die Leute durch den Bus drängeln, um ein- oder auszusteigen.
Ich hatte zum Glück auf der längsten Fahrt eine strategisch günstige Position in der letzten Reihe, wo sich hinten noch eine Ladeklappe befindet, durch die ich am Ende gemütlich aussteigen konnte. Der Preis für diesen Luxus war während der ganzen Fahrt ohrenbetäubend laute Musik, da die Lautsprecher über der letzten Sitzbank befestigt sind; an den Rhythmen möchte sich ja schließlich auch noch vorn der Fahrer erfreuen. Erstaunlicherweise scheint in Guatemala gerade genau die Musik „in“ zu sein, die wir in den 80gern gehört haben!! U2, Scorpions, Tracy Chapman… Ein passendes Retro wenn man mit einem Schulfreund aus Jugendzeiten unterwegs ist…

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