Argentinien – Zu Besuch in Buenos Aires

Nach über 10 Jahren bin ich zum zweiten mal in Buenos Aires, gespannt was ich wiedererkenne und was sich verändert hat. Ich besuche hier Pablo und Estefania die ich aus México kenne, denn sie hatten vor 4 Jahren mit Emma und mir ihr Kind im Hogar bekommen. Gaspar, ihr Sohn, behauptet er kennt mich noch und natürlich erinnert er sich an alles!
Die Freunde wohnen in einem Vorort, eine über einstündige Reise mit Bus, U-Bahn und Zug von Zentrum entfernt.
Plötzlich wieder in einer Großstadt… Ich merke, dass mich das gar nicht besonders begeistert und bin ganz zufrieden, dass Estefania und Pablo so weit draußen wohnen. Hier gibt es kleine Häuser und viel grün. Allerdings wurden in den letzten 5 Jahren auch „schicke“ geschlossene Beton-Wohnparks und zwei moderne Einkaufszentren gebaut. Notgedrungen muss ich diese Zone aufsuchen da sich hier die einzigen Geldautomaten befinden. Die sind aber alle leer. Nach mehreren vergeblichen Versuchen komme ich endlich zu meinen Pesos. Mehr als 120 Euro kann man nicht abheben, dafür wollen sie 6 Euro Gebühren. Der Einkauf im kleinen Supermarkt ist teurer als bei REWE. Stefanie erzählt mir, dass die Preise beständig und langsam steigen, die Inflation ist in vollem Gange. Ein Beispiel: für eine Fahrkarte die vor zwei Jahren noch 2 1/2 Pesos kostete muss man jetzt 12 Pesos zahlen. Vor allen steigen aber auch die Preise der Grundnahrungsmittel. „Aber wie kommt ihr dann klar?“ „Naja, wir kaufen weniger zu essen…“
Pablo und Estefania waren viele Jahre in ganz Lateinamerika unterwegs und arbeiten als Artisten. Ihre Akrobatik ist eingebettet in kleine Theaterstücke die sie selbst schreiben und als Clowns aufführen, hauptsächlich auf der Straße, auf Märkten und Festivals, manchmal haben sie Engagements in kleinen Theatern oder auf Festen. Sie leben sehr einfach.

Ich habe auch mit mehreren Leuten auf der Straße gesprochen; fliegenden Händlern, Kellnern die Touristen vor den Restaurants ansprechen, der Oma die Matetee verkauft und einem täuschend echt aussehenden Maradona Double der mit Trikot und Fußball versucht, Touristen ein Foto mit ihm für 100 Peso (4 Euro) zu verkaufen. Alle sind am Limit und bestätigen, dass die Lebenssituation sich beständig verschlechtert! Andererseits hat man wenn man durch Buenos Aires spaziert den Eindruck, dass es jede Menge Leute gibt, die sehr viel Geld ausgeben – denn alles ist teuer.

2 Tage war ich auf Besuch bei der Freundin eines Freundes, die ich in Berlin schon kennengelernt hatte. Sie hat schon lange eine sehr schöne Eigentumswohnung in Boedo, grade dort wo ich vor 10 Jahren wohnte. Der Kaufpreis von damals hat sich seitdem vervielfacht. Sie meinte, das Leben in Buenos Aires ist teurer als in Berlin. Das ist auch mein Eindruck.

Obwohl ich es nicht tiefschürfend untersuchen will; ich bin sicher, BA erfüllt mit Sicherheit alle Aspekte einer wahren Metropole.
Massen an Menschen, elegant und leger gekleidete. Der vorherrschende Stil ist ein gewollt schlampiger Schick, cool eben. Mit meinen abgeschnittenen alten Jeans muss ich mir jedoch keinen Kopf machen, denn es gibt genug abgerissene Leute. Hier kann jeder in seinem Kostüm herumlaufen, ähnlich wie in Berlin. Mit Frohlocken habe ich bemerkt, dass die Plateauschuhe wieder „in“ sind. Hahaha, ich hab die Lieblingssandalen seit 15 Jahren und war ständig völlig daneben, jetzt werde ich also ungewollt hochmodisches Schuhwerk tragen wenn ich wieder in Berlin bin. Ich gehe mal von aus, dass die „Mode“ weltweit ist, so wie Coca Cola oder Starbrucks.

Die Vielfalt an Lebensformen der Argentinier in Buenos Aires ist, glaube ich, größer als unter den Deutschen in Berlin, so wie sicherlich in all den lateinamerikanischen Ländern die Spanne zwischen arm und reich viel weiter ist. Für mich macht auch dies den Begriff „Metropole“ aus. Berlin erscheint mir gerade, abgesehen mal von der „popligen“ Einwohnerzahl, eine Kulturinsel auf der mehr oder weniger alle (Deutschen! – Hartz 4 hin oder her) auf der gleichen Welle schwimmen.

Buenos Aires hat knapp 15 Millionen Einwohner, damit ist es immer noch erheblich kleiner als Mexiko City mit 25 Millionen. Der Verkehr ist enorm und der Grundlärmpegel erheblich. An hässlichen Plattenbauhochhäusern kleben kleine Häuschen mit schöner oft etwas abgeblätterter Stuckfassade. Es gibt viele Bäume. Ich hatte die Stadt ziemlich hässlich in Erinnerung, hat sich in den letzten 10 Jahren so viel verändert? Mag sein mein Blick ist ein anderer, nachdem ich doch nun schon einige lateinamerikanische Städte kennengelernt habe 😉 Es gefällt mir hier ziemlich gut! Die Orientierung ist sehr einfach, es gibt überall Straßenschilder! Die sehen neu aus. Das U-Bahn-Netz ist noch nicht größer geworden, längere Distanzen muss man oft mit dem Bus zurücklegen, das dauert dann ewig. Die Straßen sind kilometerlang, die Hausnummern gehen in die tausende. Ich glaube die längste Straße ist etwa 50 Kilometer lang. Es ist natürlich sehr vorteilhaft, dass ich spanisch spreche und fragen kann um die Haltepunkte und den richtigen Bus herauszufinden, denn es gibt diverse Linien und keine Fahrpläne, in den Vororten oft auch keine gekennzeichneten Haltestellen.

Überall gibt es kleine Cafés und Konditoreien mit richtig leckerem Gebäck. Argentinisches Steak habe ich noch nicht gegessen, aber dafür viele Empanadas!! Aufs Gewicht muss man hier wohl aufpassen …

Mir gefällt es sehr, in Buenos Aires auf Besuch zu sein. Dennoch; leben möchte ich hier nicht…


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