Rückkehr nach Zitim

Gleich einen Tag nach meiner Ankunft in San Cristóbal fuhr ich auf mein Dorf. Alles war wie immer – und doch hat sich soviel verändert! Die Kinder sind groß geworden, Leo ist jetzt ein Jugendlicher, Juana hat mit ihren 11 Jahren schon richtig gut Autofahren gelernt und der inzwischen 4jährige Enano hatte, trotzdem er mich solange nicht gesehen hat, keinerlei Berührungsängste. Er spricht 3 Sprachen und wendet sie auch alle aktiv an. Seltsamerweise redet er seine Mutter auf spanisch an, obwohl innerhalb der Familie Tzotzil gesprochen wird.

Die Pflanzen sind gewachsen und mein Häuschen wird von der ehemals kleinen Zypresse schon überragt… Hühner, Enten und Truthühner laufen auf dem Hof herum, das rote Kätzchen ist erwachsen geworden und hat einen getigerten Kameraden bekommen. Ich vermisse die Hunde, alle drei sind auf unterschiedliche Weise zu Tode gekommen, jetzt gibt es drei neue Hunde, deren Namen ich mir noch nicht merken kann.

Die augenscheinlichste Veränderung auf dem Hof ist natürlich das neue, fast fertiggestellte Klinikgebäude. Es fehlen noch die Fensterscheiben im unteren Geschoss und die Elektrik, sowie das Bad muss ausgebaut werden. Das Haus ist bei weitem das schönste in der Umgebung und besitzt, genau wie die Wohnhäuser und das Küchenhaus viele liebevoll gestaltete Details. Man sieht hier wurde mit Herzblut gearbeitet.

Wie ehemals saßen wir in der Küche, die Gespräche drehten sich um die aktuellen Themen des Alltags, die Geburt die Luisa letzte Woche begleitet hatte und die zwei bevorstehenden Hochzeiten am kommenden Wochenende.

Die ganze Nacht prasselte der Regen aufs Wellblechdach, ein ohrenbetäubendes aber dennoch beruhigendes Geräusch. Ich war wieder zu Haus. Meine Entscheidung jetzt in der Stadt zu leben und nur noch auf Besuch zu kommen machte mich traurig. Aber dann dachte ich wieder an die rauchige Küche und an meine geschädigten Lungen. Trotzdem nicht mehr mit offenem Feuer sondern im gemauerten Herd gekocht wird ist die Wand am Herd schon schwarz vom Ruß. Luisa sagte, seitdem sie von meiner Lungenkrankheit wissen fällt ihr der Rauch viel mehr auf als früher. Die häufigen Atemwegserkrankungen von Juana besorgen sie. Auch Andrés denkt über die Ursache des Hüstelns nach, das er seit Monaten nicht mehr los wird. Nein, ich möchte meinen Lungen das nicht mehr zumuten und der Gedanke an all die Menschen die hier ihr Leben lang den Rauch des offenen Feuers einatmen bedrückt mich. Seitdem ich hier lebte hat Lagerfeuer für mich jeglichen Reiz verloren, ich meide es ebenso wie Räucherstäbchen die ich ehemals so geliebt habe.

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