Anonyme Künstlerinnen erschaffen textile Wunder

Es gibt in San Cristóbal einige Museen, in denen traditionelle Trachten der Chiapanekischen „Pueblos originarios“ ausgestellt sind. Mein absolutes Lieblingsmuseum – nicht nur hier sondern überhaupt – ist das „Museo de los Altos“ in San Cristóbal. Neulich war ich zum sechsten Mal dort und mit Sicherheit werde ich noch öfter gehen! In diesem Museum gibt es neben der Stadt- und Landesgeschichte nämlich eine große Ausstellung antiker Trachten nicht nur der hiesigen, sondern auch der im benachbarten Guatemala lebenden indigenen Ethnien. Ich bin fasziniert von diesen handgewebten und reich bestickten wunderschönen Kleidungsstücken. Umso mehr als ich schon öfter Gelegenheit hatte, die Arbeit der Weberinnen zu beobachten. Alle diese Frauen sind Künstlerinnen und bis heute werden sie als Person fast niemals wahrgenommen und gewürdigt. Abgesehen davon dass sie nicht angemessen bezahlt werden.

Zum Verständnis der Bedeutung der traditionellen Web- und Stickarbeiten zitiere ich frei übersetzt aus „YO´TAN K´OP – Corazón de la palabra“, einem Buch über die Traditionen und Vorstellungswelten der Tseltales:

Die Frau sitzt (mit ausgestreckten Beinen auf der Erde) und befestigt den Webrahmen an ihrer Taille. Ihre Hände bewegen sich flink und kreieren Formen und Farben die sich über Generationen hinweg in einer Art Sprache übermittelt die sie mit den antiken Traditionen verbindet. (Es wird gesagt, der Weberin wird das Design in Träumen übermittelt). Dieser Dialog ist Teil einer kollektiven Erinnerung von der die Weberin geleitet wird, während sie alte Designs mit ihren eigenen kreativen Ideen kombiniert. Die Frauen sind die Medien über die sich die Weisheit der alten Quellen vermittelt. Die Formen die sie in die Stoffe weben sind die Abstraktion einer einzigartigen Vision der Welt. Uraltes Wissen summiert mit der künstlerischen Intuition jeder einzelnen Weberin.“

Aber der „Don“, die Gottesgabe, fällt nie vom Himmel…

Früher hat man die Hände der Frauen, die sich beim Weben lernen ungeschickt anstellten, bis zu den Ellbogen in einen Ameisenhaufen gesteckt, damit sie beweglicher werden und sie schneller lernen.“

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