Basilika de Guadalupe – Heidenspektakel der Gläubigen

Eine besondere Attraktion am Neujahrstag war der Besuch der Basilika de Guadalupe. Wir kamen genau zur Neujahrsmesse in dieser meistbesuchten Pilgerstätte der Welt (!!!) an. Auf dem großen Platz vor der Basilika tanzten verschiede Gruppen Atzteken mit riesigem Federschmuck zu Trommelrhytmen gegeneinander an. In der 10.000 Menschen fassenden vollgestopften Basilika wälzten sich die Massen mit gezückter Kamera auf einer Rolltreppe vorbei am Bildnis der berühmten Jungfrau, während Lautsprecher die Messe in die Menge plärrten. Schilder weisen darauf hin, dass es verboten ist Dronen in der Basilika fliegen zu lassen.

Babys wurden im Kinderwagen und Menschen im Rollstuhl den Hügel Tepeyac hinaufgekarrt, auf dem der Legende nach Juan Diego der Jungfrau begegnete. Alte quälten sich keuchend mit Krückstock hoch, während die Höhensonne vom strahlend blauen Himmel auf die Köpfe brannte. Dazwischen bestreiten Souvenirverkäufer mit Bauchladen ihren Lebensunterhalt. Jungfrauenstatuen, Kruzifixe und religiöse Symbole werden an jeder Ecke feilgeboten, ebenso wie Eis, Snacks und Luftballons. Kurz gesagt, es war der Teufel los. Und wir mitten drin in diesem grandiosen farbenfrohen Spektakel.

Ich hatte früher mal die Vorstellung, dass Glaube etwas mit Stille, innerer Einkehr und Reflektion zu tun hätte. Diese Idee ist vermutlich kulturbedingt. Schon in Afrika, aber mehr noch hier in Mexiko habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese Aspekte überhaupt keine Rolle spielen müssen um tief gläubig zu sein, was auch immer dies bedeuten möge. Mir scheint, viele glauben gewohnheitsmäßig; man lebt eben mit dem Glauben. So selbstverständlich wie man täglich arbeitet, isst, schläft, irgendwann heiratet und Kinder macht glaubt man auch, ohne all dies zu hinterfragen und sich zu fragen: ist dies das Leben was ICH für lebenswert halte?

An jedem Treppenabsatz ließen sich Familien aus allen möglichen mexikanischen Bundesstaaten mit der Jungfrau und Juan Diego ablichten, viele von ihnen indigene Leute, erkennbar an den Trachten. Ich weiß, dass es der innigste Wunsch für viele indigene Menschen ist, einmal an diesen Ort zu gelangen. Für wie viele war dies vielleicht die erste und einzige Reise und der Höhepunkt ihres Lebens?…

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s