Michoacan/Isla Janitzio – José Morelos auf dem Müllberg

In der Hochebene Michoacans auf ca. 2010 Metern liegt der Pátzcuaro-See. In der Gegend um den See leben die Purépecha-Indigenas.

Im See liegen 4 kleine Inseln die bewohnt sind. Der Besuch der größten Insel, Janitzio, hat mich ziemlich schockiert. Die einst vermutlich schöne Insel verkommt durch die verheerenden Auswirkungen des Plastikzeitalters zur Müllkippe. Definitiv hat die Insel auch ein Abwasserproblem. Schon beim Anlanden stinkt es nach Kloake.

Die Bootsfahrt hatte sich gut angelassen, gleich beim Losfahren konnte ich im offenbar schlammigen Wasser mehrere riesige weiße Pelikane und überdimensionale weiße und graue Reiher bewundern. Die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Ich wartete vergeblich auf das im Lonly Planet von 2013 beschriebene Wasser dass „so blau ist, dass man meint, der See würde am Horizont mit dem Himmel verschmelzen“. Es blieb Milchkaffeefarben soweit das Auge reichte und jede Menge Wasserpflanzen schwammen drin herum. Sollte das Wasser in den letzten 7 Jahren so derartig verdreckt sein???

Vermeintliche Fischer dümpelten kurz vor der Insel und hängten ihre Netze ins Wasser, unser Kahn drosselte den Motor und dümpelte mit. Alle zückten ihre Kameras um das malerische Bild einzufangen. Einer der Männer kam heran gepaddelt und bat um „Kooperation“ für die Fotos. Später beobachtete ich, dass jedes der Boote die vom Festland kommen bei den „Fischern“ Halt macht.

Die kleine Insel, eigentlich ein Berg der aus dem Wasser ragt, ist völlig bebaut, aber es finden sich immer noch kleine Fleckchen auf denen ein weiteres Haus gebaut wird. Jegliches Baumaterial, überhaupt alles, wird vom Festland herüber geschippert und auf dem Rücken nach oben getragen. Fahrzeuge gibt es nicht.

Stufe für Stufe wandert man nach oben, auf dem ganzen Weg vorbei an Andenkenläden mit mehr oder weniger kitschigen Souvenirs. Einige traditionell bestickte Blusen und Holzspielzeuge die offenbar hier gefertigt werden sind sehr schön. Dafür wimmelt es an allen Ecken von äußerst geschmacklosen Bierkrügen.

Kinder betteln nach Geld. Eine Frau wollte mir für einen Drittel Wochenlohn eine Portion Camelinas verkaufen – kleine getrocknete Fischchen die frittiert und mit Limettensaft und Chilisoße auf Einweg-Plastiktellern serviert werden. Bei allem Verständnis für die miserable Arbeitslage war mir das aber doch zu viel. Ich weigerte mich zu zahlen und stieg weiter auf.

Später kaufte ich bei einer anderen älteren Frau. Die erzählte mir, dass seit sie denken kann der See nie blau war. Niemand badet darin. Außerdem erfuhr ich, dass es hier zwar keine Erdbeben gibt, jedoch jedes mal wenn die Erde in weiterer Entfernung bebt, die Fischlein verschwinden. Vermutlich spüren sie die Vibration und tauchen ab.

Kurz vorm „Gipfel“ kann man sich für 12 Euro über ein Drahtseil zur nächsten 1200m entfernten Insel stürzten. Die Betreiber versuchten mich mit der Information zu ködern dass 130kmh erreicht werden. Die Vorstellung, vielleicht in das Seewasser zu fallen machte mir mehr Angst als die Geschwindigkeit, ich verzichtete.

Auf der Spitze der Insel thront eine 40m hohe Statue des verehrten Unabhängigkeitskämpfers und Volkshelden José Morelos. Die Statue ist hohl und man kann bis in Morelos´ geballte Faust hinaufsteigen und aus einem kleinen Fensterchen die Aussicht über die vermüllte Insel im zugesch… See genießen. Die Wände der Statue sind bemalt mit Szenen aus Morelos´ Leben, aber die Treppe ist so schmal, dass man die riesigen Wandbilder gar nicht betrachten kann, geschweige denn die Untertitel lesen.

Beim abwärts wandern nahm ich möglichst Souvenirgeschäftsfreie Wege. Da lag besonders viel Plastikmüll. Ein deprimierendes Gefühl hatte sich eingestellt. Wird die ganze Welt wohl bald aussehen wie Janitzio?

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