Mexiko City/Besuch in der Universität Autonoma Mesoamericana – Ixtapalapa

Luis, der Sohn meiner Freundin Mary, studiert seit einem Jahr an der UAM (Universidad Automoma Mesoamericana). Ich besuchte ihn um die Uni zu besichtigen die an der Peripherie der Stadt im Stadtteil Ixtapalapa liegt.

Vom Zentrum fuhr ich etwa eine dreiviertel Stunde mit der Metro hin und lief die knapp 2 Kilometer durch das Viertel. Auf dem Weg kamen mir ständig junge Leute entgegen. An jeder Ecke gibt es kleine Cafés und preiswerte Restaurants in dem Studenten saßen. Die meisten der niedrigen Häuser sind mit Wandbildern bemalt, alles wirkt sehr alternativ und macht einen freundlichen Eindruck. Ich war angenehm überrascht, hatte ich doch gehört, dass dies ein recht gefährliches Pflaster sei. Luis erzählte mir dann, dass die Wandbilder erst seit knapp 2 Monaten die Häuser verzieren und auch die Straßenbeleuchtung jüngeren Datums ist. Beides wurde angebracht, um die Kriminalität zu minimieren, nach ewigen Protesten von Studenten und Professoren, denn es gab besonders auf Frauen viele Raubüberfälle in diesem Viertel. Nachdem ein Professor der UAM in Oaxaca verschleppt und später ermordet aufgefunden wurde reagierte die Stadtverwaltung endlich.

Ich betrat den Campus, fühlte mich sofort in meine ferne Studizeit versetzt und hätte mich am liebsten gleich eingeschrieben…

Die UAM wurde 1974 gegründet und ist wie der Name schon sagt eine autonome Einrichtung, die aber staatliche Förderung erfährt. Was bedeutet dann autonom? Luis erklärte mir, dass das Curriculum nicht vom staatlicher Seite vorgeschrieben wird – jedenfalls theoretisch nicht… Die UAM hat außer in Ixtapalapa 2 weitere Standorte in Mexiko City und einen im Umland. Dies, so sagte Luis, war zu Zeiten der Gründung mit Absicht so gewählt, um die studentischen Aktivitäten zu kontrollieren und Studentenrevolten zu vermeiden.

Insgesamt hat die UAM 50.000 Studenten und bietet 27 verschiedene Studienrichtungen an. Hier in Ixtapalapa gibt es drei Hauptzweige: Ingenieurwissenschaften, Biologie und Sozialwissenschaften mit 10.000 Studenten.

Studenten mit geringen finanziellen Mitteln erhalten bescheidene Stipendien, die jährlich in einem aufwendigen Prozess neu beantragt werden müssen. Für die betreffenden Studenten sind die Einschreibegebühren ermäßigt und auch die Preise in der Mensa. Luis hat ein solches Stipendium bekommen.

Wir spazierten durch das Gelände. In ein paar Hörsäle und die Bibliothek konnten wir rein gucken, die Seminarräume und Labore waren besetzt. Man fühlt sich tatsächlich in die 70ger Jahre versetzt.

Unglücklicherweise ist genau das große Gebäude in denen die Labors untergebracht waren beim letzten Erdbeben vor 2 Jahren in einen baufälligen Zustand versetzt und bis heute nicht wieder instand gesetzt worden. Ob der Staat keine finanziellen Mittel bereitgestellt hat oder ob Gelder in privaten Taschen verschwunden sind sei dahingestellt! Die Biologiestudenten drängen sich seitdem in klitzekleinen Labors in zwei winzigen Baracken.

Was mich erstaunt hat ist, dass es eine Akupunkturklinik auf dem Gelände gibt und auch eine Zahnklinik und eine ärztliche Notfallsprechstunde. Hier kann sich jeder Student kostenlos behandeln lassen und muss nur die Materialkosten bezahlen.

Auch gibt es auf dem Campus viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung: Fitnessstudio, diverse Möglichkeiten Sport zu treiben, Tanz-, Theater- und Malkurse, Seminare zu den verschiedensten akademischen Themen, psychologische und emotionale Unterstützung, Kurse zu Themen rund um Sexualität.

Insgesamt mochte ich die Atmosphäre, die Studenten machen auf mich nicht den Eindruck von privilegierten Schnöseln, sondern wirken eher wie alternative Szene. Welch Kontrast zu Chiapas, wo es an den Schulen und Unis furchtbar reglementiert zugeht, bis zu Kleiderordnung und Haarschnitt!! Ich freue mich sehr, dass Luis hier anderes Leben und Leute kennenlernt als die piefige Enge der Provinz!

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