Guatemala/ Lago de Atitlán – Der „Spiegel Gottes“ trübt sich

Magisches Licht empfing uns am Atitlánsee, dem „Spiegel Gottes“. Ich war begeistert. Die umliegenden Vulkane und Berge lagen im Dunst. Alles sah aus wie eine Theaterkulisse oder ein Gemälde, über das ein zarter Blauschleier gezogen ist. Jedenfalls sah ich es so. Máximo konnte nichts Besonderes erblicken. Vielleicht lag es auch an meiner Brille, die sich bei Sonneneinstrahlung verdunkelt…

Die gute Weitsicht die ich auf meinen letzten Besuchen (siehe https://hebammechiapas.wordpress.com/2016/08/ und https://hebammechiapas.wordpress.com/2018/03/07/reisen-in-guatemala-lago-atitlan/) hatte, stellte sich leider die ganzen 4 Tage lang nicht ein. Auch lag der See nie so spiegelglatt wie ich es in Erinnerung hatte.


Wir machten mit dem Schiff Ausflüge zu mehreren Dörfern am Seeufer und schauten die vielfältigen Webarbeiten der Frauen dieser Region an. Angefangen vom Anbau der Baumwolle, dem Spinnen (ein Faden muss sieben Mal gesponnen werden damit er die nötige Feinheit erhält) und dem Färben des Garns mit selbst hergestellten Pflanzenfarben bis zum Weben der Stoffe ist alles Handarbeit. Blusen, Schals, Stolas, Decken und diverse andere hier hergestellte Produkte kann man zu Preisen erstehen, die in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand stehen. Viele Weberinnen haben sich zu Kooperativen zusammengeschlossen die – immer noch sehr moderate – Festpreise haben. Daneben gibt es jede Menge anderer Läden, in die man fast zum Eintreten genötigt wird und in denen die Verkäuferinnen ihre eigenen Preise runter handeln. Die Dörfer in Seenähe leben vom Tourismus und gerade gibt es kaum Touristen…
Ich muss zugeben, dass es schwerfällt, bei all den schönen Sachen dem Kaufrausch zu widerstehen, aber ich schaffte es, nur ein kleines Mitbringsel für eine Freundin und einen dieser gehäkelten farbenfrohen Beutel zu kaufen, auf den ich schon lange scharf bin…

Unser Hostel „Playa linda“ in San Pedro lag zwar ganz in Ufernähe, aber einen „Strand“ sehe ich nicht. Hier waschen Frauen ihre Wäsche und sich selbst. Genau am Ufer liegen kleine Felder auf denen die Bauern gerade mit dem Düngerkanister auf dem Rücken umherlaufen und ihre Pflanzen besprühen. Es scheint, als liefen auch Abwässer aus dem Dorf ungefiltert in den See, der am Rand trübe und ganz leicht rosafarben scheint. Zusammen mit grellgrünen Algeninseln auf denen Reiher herum stelzen gibt das zwar ein malerisches Bild ab, lädt jedoch nicht zum Baden ein.

Auf dem Grund des Atitlánsees leben giftige Cyanobakterien (Blaualgen) die sich durch hohen Phosphatgehalt im Wasser bei heißem Klima schnell vermehren. Der See hatte in den letzten Jahren deshalb einige Male schlimme Algenpest! Ich denke an den Pátzcuarosee in Michoacan

(siehe https://hebammechiapas.wordpress.com/2020/01/18/michoacan-isla-janitzio-jose-morelos-auf-dem-mullberg/) und möchte weinen… Aller Voraussicht nach wird es hier auch irgendwann so aussehn.

Im gegenüberliegenden Dorf San Marcos besuchten wir Susanne, die ich über unsere gemeinsame Freundin Kiki kenne. Sie empfahl uns ein kleines Naturschutzgebiet am hiesigen Seeufer, wo wir in kristallklarem Wasser baden konnten. Wunderbar!

Es geht hier sofort tief rein, deshalb kann niemand waschen und auch Abwässer laufen nicht in den See wie an den bebauten Uferregionen.

Susanne erzählte uns, dass dort wie fast am gesamten zugänglichen Seeufer ein Hotel gebaut werden sollte und sie eine Initiative gestartet hatte um das zu verhindern. Daher entstand das Reservat in dem der Zugang zum Wasser gegen eine kleine Gebühr möglich ist.
Überhaupt ist sie eine sehr engagierte Person die sich seit Jahren bemüht, mit verschiedenen Projekten die Bevölkerung für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Der Bayerische Rundfunk hat über Susanne einen Dokumentarfilm gedreht.

(siehe (https://www.youtube.com/watch?v=nf1KGRXEpqA)

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