Mexiko/Chiapas – Besuch aus Berlin

Während das Leben dieses seltsame Schritttempo angenommen hat bin ich noch immer damit beschäftigt, die Erlebnisse der letzten Monate in Mexiko aufzuschreiben und Fotos zu sortieren, so wird das wohl noch eine Weile gehen. Gestern sagte ein Freund der mich schon sehr lange und früher sehr gut kannte, ich hätte ja in Deutschland gar keine Wurzeln mehr, selbst wenn ich hier sei hätte ich im Grunde nur mit der Latinokultur zu tun. Habe ich meine Wurzeln verloren? Ich glaube eher, ich hatte gar keine, ja die Idee des angewurzelt-seins erscheint mir so gar nicht passend für mich. Wieso sollte ein Mensch sich eher mit einem Baum als zum Beispiel mit einem Zugvogel identifizieren?! Natürlich könnte jemand spitzfindig bemerken, dass die Vögel des Futters wegen den Kontinent wechseln. Dazu kann ich dann nur sagen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“

Ich nehme euch heute also mit zurück nach Mexiko, meinem anderen Zuhause:

Die Familie im indigenen Dörfchen Zitim hatte schon oft internationalen Besuch. Ich habe dadurch viele interessante Leute kennengelernt. Die Besucher waren alle in irgendeiner Weise Sympathiesanten und Förderer der kleinen selbstverwalteten Klinik die die außergewöhnliche Familie als Kollektiv „Camino de viento“ gegründet hat.

(Eine kleine filmische Dokumentation über die Klinik und „Camino de viento“ findet ihr unter https://www.youtube.com/watch?v=LlCi3kuhiho )

Mit Rat, Tat und Spendenaktionen engagieren sich Menschen aus verschiedenen Ländern für die Klinik. Manche bleiben mehrere Tage oder sogar einige Wochen, um mitzuarbeiten und ihre Kenntnisse weiterzugeben, z.B. Ärzte, Physiotherapeuten, Psychologen und Hebammen. Josue und Luisa können dann alle ihre Fragen im Hinblick auf die Patienten besprechen oder es wird eine Weiterbildung organisiert zu einem Thema, das die jeweilige Person vermitteln kann. Aus alternativen Kreisen in San Cristóbal kommen auch Mexikaner um anderweitig zu helfen, so wie neulich ein Freund der die Elektrik installiert hat. Wer einmal länger dort war bleibt im Herzen verbunden und kommt irgendwann wieder…

Seitdem ich dort wohnte kamen auch „einfach so“ Besucher nach Zitim, Freunde von mir, aber auch Leute die ich erst kurz zuvor in Mexiko kennengelernt hatte. Ich lade nur Leute ein von denen ich annehmen kann, dass ihr inneres Gleichgewicht nicht davon abhängt, dass sie ihre Komfortzone im Hinblick auf Essensgewohnheiten und bestimmte Bequemlichkeiten nicht verlassen müssen. Zumindest vermeide ich mehrtägigen Aufenthalt von Gästen mit diesbezüglichen Betreuungsbedarf für den niemand Zeit und ich keine Lust habe.

Ende letzten Jahres war meine langjährige Berliner Heilpraktikerin Sieglinde mit ihrer Familie in Mexiko auf Reisen. Gemeinsam mit Gerdi, deren Tochter ebenfalls in Behandlung gewesen war, beschlossen wir, unseren Patientenstatus etwas aufzulösen und begannen, Sieglinde San Cristóbal und Umgebung als Reiseziel schmackhaft zu machen. Unsere Bemühungen hatten Erfolg.

Es ist immer etwas Besonderes, Menschen in Mexiko zu treffen, die ich „aus meinem Berliner Leben“ kenne. Ebenso geht es mir, wenn mich Freunde von anderswoher in Berlin besuchen! Ich finde es schön, ihnen meine Lieblingsorte zu zeigen und sie mit den Menschen bekanntzumachen die in meinem Leben wichtig sind.

Ich glaube, Gerdi und Oscar geht es ähnlich. Wir fuhren auf ihren Berg um sie zu besuchen, gingen ins Hogar Comunitario, mit meiner Freundin Mary und ihren Kindern Tamales essen und natürlich fuhren wir nach Zitim, wo die Familie schon gespannt wartete. Die Kinder lieben Besuch! Mit ihnen machten wir uns auf in den Wald zu den Ziegen und Schafen.

Auch Luisas Eltern und weitere Kinder aus der Verwandtschaft hatten sich eingefunden. Ich hatte vorgeschlagen, bei Luisas Vater eine Oration zu erbitten, weil für mich die religiösen indigenen Zeremonien diese so fremde Kultur am eindrücklichsten rüber bringen.

Nach der Oration aßen wir der Tradition gemäß gemeinsam. Wie immer hatte ein Huhn dran glauben müssen. Nico, Sieglindes Sohn, war neugierig auf das Hühnerschlachten gewesen – für einen Berliner Jugendlichen ist dies ja nicht gerade eine alltägliche Erfahrung. Aber Luisa hatte das Huhn vorsorglich schon am Morgen zu Suppe verarbeitet. Ihre Sorge, zartfühlenden tierliebenden Seelen ein Trauma zuzufügen, entspringt einigen Erfahrungen mit europäischen Gästen.

Wir besichtigten den Neubau der Klinik und nötigten Sieglinde, die traditionelle Tracht der Huixtecas anzuprobieren und machten Fotos. Im Gegensatz zu mir sah sie wie eine echte Mexikanerin aus!

Für uns alle, Gäste wie Gastgeber, war das ein sehr schöner Tag.

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