Wriezen/Oderbruch – Das wunderbarste Brautpaar der Welt

Heute ist ein besonderer Tag. Ein Tag an dem ich sehr bewegt zurückblicke in meine ferne Kindheit. Am 2. Mai 1969 haben meine Tante und mein Onkel geheiratet. Als eines der schönsten Feste meines Lebens, ganz sicher als schönste Hochzeit die ich jemals erlebte, ist mir dieser Tag in lebendiger Erinnerung.

Wie wir heute am Telefon feststellten, habe ich die unwesentlichen Fragmente – die standesamtliche Heirat – verdrängt, mein Hirn konzentriert sich auf die interessanteren und erfreulichen Ereignisse!

Da erscheint zuerst dunkel vor meinem geistigen Auge der Polterabend an dem erstaunliche Mengen von Porzellan zu Bruch gingen, dessen Scherben das Brautpaar zusammenkehren musste.

Die kirchliche Trauung ist viel präsenter; hatten wir mit meinem Bruder als Blumenkinder doch eine der bedeutendsten Funktionen inne! Während ich überaus ernsthaft und konzentriert einzelne Blümchen in korrekten Abstand fallenließ, schmiss der kleine Bruder mit vollen Händen verschwenderisch die Blüten herum, was meine Besorgnis erregte.

Als die Trauungszeremonie soweit vorangeschritten war, dass die Hochzeitsgäste (zu meiner Verwunderung und Irritation) mehr oder weniger verstohlen in ihre Taschentücher schnieften, entwischte der Knirps und schritt entschlossen auf den Altar zu, weiterhin mit vollen Händen Blumen verteilend, was der rührseligen Stimmung eine erfreuliche Wendung gab. Ein amüsiertes Lächeln zog über die Gesichter, außer vielleicht über das meiner Mutter, die kurzzeitig unter Druck geriet.

Vom üppigen Mittagessen – mein Onkel war Sohn des regional berühmten Metzgermeisters – ist mir vor allem eine Zitronencreme in Erinnerung, die sich unauslöschlich in meine Geschmacksknospen eingebrannt hat! Ich habe viel später einige Male versucht, eine solche Köstlichkeit herzustellen und es schließlich aufgegeben, weil ich nie auch nur annährend in der Lage war ein vergleichbares Ergebnis zu erreichen.

Das Highlight der Nachspeise wurde jedoch noch übertroffen von der Party, zu der Lifemusiker aufspielten. Meine Kavaliere Konrad und Hartmut – Cousin und Bruder des Onkels – weckten in mir für immer die Leidenschaft fürs Tanzen. Ich erinnere mich, dass ich Konrad den Vorzug gab, weil es mir nicht gefiel, dass Hartmut mich um anderthalb Köpfe überragte. Seltsamerweise gibt es in meiner Erinnerung ab einem bestimmten Punkt nur noch den Tanz und mich, ich war im siebten Himmel! Mein Endorphinrausch wurde irgendwann jäh unterbrochen, als ich aus mir noch heute unerklärlichen Gründen ins Bett geschickt wurde, vermutlich weil mein kleiner Bruder müde wurde und es so für unsere Eltern „ein Abwasch“ war.

Viel lieber hätte ich heute persönlich mit Tante und Onkel in diesen Erinnerungen geschwelgt als am Telefon… Ich sendete ein paar abfotografierte Hochzeitsbilder und dabei kam ich auf eine geniale Idee! Wie ich es mir schon dachte, bejahten sie die Frage, ob sie ihren Hochzeitsstaat noch im Kleiderschrank haben! Ich schlug vor, die Sachen nochmals anzuziehen und Hochzeitsbilder zu machen. Erst wollten sie nicht so recht und suchten Ausreden, vor allem der Onkel ;-): Hose passt nicht mehr, Hemd und Fliege schon laaaange weggegeben, da muss dann extra noch ein Schlips geknotet werden, Selbstauslöser – wie geht denn das?… Ich ließ nicht locker, zu begeistert war ich von der Idee! Schließlich lenkte der Onkel ein und sagte mir: „Wenn Tante Maria das Kleid anzieht, dann mach´ ich mit!“ Juchuuuuh!

Gespannt wartete ich auf die Fotos, die prompt nach einer Weile kamen, mit der Nachricht: „Passt alles nach 51 Jahren, auch wenn die Hose kneift. Die Prozedur hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Und das alles auf Deinen Wunsch!“ Ich war so gerührt, dass nun mir, wie damals den Hochzeitsgästen, die Tränen kamen.

Danke Tante Maria und Onkel Horst! Ihr seid ein wunderbares Paar!

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