Mexiko/Zitim/Chiapas – Ein Traum ist wahr geworden – Einweihungsfeier der neuen Klinik

Endlich will ich über die schon nicht mehr ganz so taufrischen Neuigkeiten aus der kleinen Gemeinde Zitim im Süden Mexikos berichten! Es ist ein seltsames Phänomen, dass ich die Dinge die mir am wichtigsten sind oft am längsten vor mir her schiebe!

Gott sei Dank hatten wir am 2. Februar noch freudig und unbeschwert vom Corona-Thema die Einweihung des Klinik-Neubaus gefeiert. Es war ein wunderbares Fest zu dem etwa 100 Leute gekommen waren.

Schon Tage vorher begannen die Vorbereitungen mit viel Hilfe der Großfamilie. Alles wurde hergerichtet, zwei Ziegen und mehrere Hühner mussten ihr Leben lassen und wurden zu „Barbacoa“ verarbeitet – einer Art Gulasch auf mexikanisch, mit vielen Gewürzen und Chili.

Am Sonntag war es dann soweit. Nach der großen Messe aller versammelten 11 Dörfer der Diözese, auf der an diesem Tag auch die Kommunion der Geschwister Juana(11) und Leo(15) stattfand, begann am frühen Nachmittag die Einweihungsfeier mit der Segnung der Klinik.

Während der Zeremonie fühlte ich, wie sehr berührt ich war. Diese jahrelange starke Vision der Familie, eine neue Klinik für ihre Gemeinschaft zu bauen, war im Laufe der Zeit auch zu meiner geworden und hat sich nun realisiert. „Glaube versetzt tatsächlich Berge!“ dachte ich. Hier steht das wunderschöne neue Gebäude, an dessen Bau so viele helfende Hände aus unterschiedlichen Orten der Welt in verschiedenster Weise beteiligt waren. Ich bin ein bisschen stolz, dass auch ich einen Teil dazu beigetragen habe. Mir liefen vor Ergriffenheit und Freude die Tränen – aber gleich bekam ich von Josue eine Aufgabe: er bat mich Fotos zu machen.

Nach der sehr feierlichen Segnung wurde von den jungen Mädchen und jungen Männern der Familie das Essen aufgetragen, während eine Zwei-Mann-Band schon mit ihrem Musikprogramm begann. Danach dauerte es nicht lange und es wurde getanzt bis in die Abendstunden. Sogar die Omas entschlossen sich die Hüften zu schwingen – ein historisches Ereignis! Es war ein sehr schönes Fest.

Am nächsten Tag ging es dann dran, alles wieder aufzuräumen. Viele Hände machten der Arbeit schnell ein Ende.

Vor etwa einer Woche habe ich mit Josue kommuniziert und erfahren, dass es zum Glück bisher keine Anzeichen dafür gibt, dass jemand im indigenen Dorf sich infiziert haben könnte. Alle Kranken kommen mit den üblichen Symptomen und niemand ist mit Atemwegsproblemen gestorben. Sie versuchen, die Leute zu sensibilisieren und predigen vor allem die Wichtigkeit des Hände waschens. Man muss wissen, dass viele Menschen kein fließendes Wasser haben und das kostbare, über weite Strecken herangeschleppte Nass nicht zum Hände waschen „vergeuden“ wollen. Auch Seife können sich die meisten Familien nicht leisten… Sie benutzen für Haut, Haare, Geschirr und Wäschewaschen „Blanca nieves“, ein aggressives Waschpulver von dem mir sofort die Hände kaputt gehen.

Am Tag meines Abschieds wurde mir noch folgende Anekdote berichtet:

Den Erstklässlern einer Familie die ihr Wasser mühsam auf den Berg hoch buckeln muss, wurde von der Lehrerin beigebracht, wie richtiges Hände waschen zu sein hat: Nass machen, gründlich einseifen und mit ausreichend viel Wasser abspülen. Sehr motiviert belehrten die Kinder zu Hause ihre jüngeren Geschwister, Cousins und Cousinen, wobei sie sämtliches Wasser verbrauchten das Mutter und Großmutter in 2 großen Eimern herangeschleppt hatten. Da setzte es was! Sie bekamen tüchtig Schelte – und ich hoffe keine Schläge…

Mittlerweile hat es schon ein paar mal stark geregnet, es ist zu hoffen, dass zumindest der Wassermangel während der kommenden Regenzeit behoben ist.

Josue erzählte mir, dass viele Leute glauben, das Virus existiert nicht, sondern wurde von der Regierung oder „dem Kapitalismus“ erfunden um ihnen Angst einzujagen und sie auszurotten. Die geforderten Schutzmaßnahmen verstören die Menschen. Da sie sozusagen von der Hand in den Mund leben, würden sie verhungern, wenn sie zu Hause bleiben und ihre Arbeit unterbrechen. Natürlich gibt es auch in Mexiko die Kontaktsperre und Aufforderung zum Tragen von Mundschutz. In den indigenen Dörfern KANN das niemand einhalten. Man lebt in Großfamilie, nicht mal jeder hat ein eigenes Bett, oft schlafen mehrere Kinder in einem Bett oder bei den Großeltern, Kleinkinder schlafen eh´ im Elternbett.

Andere glauben, die Pandemie ist die Strafe Gottes und wird die dahinraffen die nicht „richtig“ glauben oder die gesündigt haben. Sie versuchen sich zu schützen nach dem Motto: „Da hilft nur beten!“ es wäre wünschenswert, dass sie das Hände waschen ebenso ernst nehmen…

Aber zumindest versuchen die Leute, nicht mehr in die Stadt zu fahren. Dennoch, viele Männer arbeiten in San Cristóbal auf dem Bau. Dort gibt es schon nachgewiesene Fälle von Covid19…Inzwischen ist der große Markt geschlossen worden. Ich denke daran, was Luis vor 4 Wochen geschrieben hat: „Wenn der Markt schließt werde ich wissen, dass die Lage ernst ist.“

Im Internet verfolge ich die Berichterstattung über die Entwicklung der Infektionszahlen in Mexiko. Heute las ich in einem Bericht über Mexiko City, dass die Zahlen nach unten manipuliert sind und es um ein vielfaches mehr Fälle gäbe als angegeben. In den Krankenhäusern gäbe es katastrophale Zustände, Menschen werden abgewiesen oder liegen in den Gängen. „Was hat das mit der Pandemie zu tun?“ denke ich. Ist doch sonst auch nicht anders.

Ich mache mir jedenfalls weiterhin Sorgen, vor allem um die alten Leute. Ich hoffe, dass ich alle lebend antreffe wenn ich das nächste Mal nach Zitim komme.

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