Guatemala/Rio Dulce – Dschungelfeeling im Regenwald

Für die Fahrt vom Atitlánsee nach Rio Dulce, nahe der Guatemaltekischen Karibikküste, hatten wir aus Entfernungsgründen einen Shuttle gebucht. Die Fahrt dauert 12 Stunden – eindeutig zu anstrengend für den Chickenbus, abgesehen davon, dass man da immerzu umsteigen muss.

Um 4 Uhr morgens ging es zunächst zurück nach Antigua. Dort bestiegen wir begeistert einen gemütlichen Bus mit bequemen Sitzen und kitschigen Gardinchen, der zudem nur halb besetzt war.

Nach einer entspannten Reise kamen wir spätnachmittags in Rio Dulce an. Normalerweise ist das hier eine sehr heiße Klimazone. Davon merkten wir aber nicht viel, denn eine Tieffront mit Regen hat Guatemala erfasst. Der Ort selbst ist wahrhaftig keinen Besuch wert, umso weniger bei Regen… Aber dafür waren wir ja auch nicht hier: am übernächsten Morgen sollte es weiter gehn mit einer der Touristenattraktionen in Guatemala: die Fahrt mit dem Boot auf dem Fluss Rio Dulce nach Livingston an die Karibik.

Einen Tag faulenzten wir in unserem Hostel das, auf Pfählen gebaut, sehr romantisch mitten im Dschungel liegt und nur mit dem Boot zu erreichen ist. Wir dümpelten mit dem Kanu und badeten mit Sprühregen im Rio Dulce. Danach eine ausgiebige Dusche im Hostel, in der Hoffnung, dass es sich nicht um Flusswasser handelt… Vorsorglich erst danach googelte ich, denn – ihr ahnt es schon – wie zu erwarten, ist der Fluss mit Bakterien und Schwermetallen kontaminiert.

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Guatemala/ Lago de Atitlán – Der „Spiegel Gottes“ trübt sich

Magisches Licht empfing uns am Atitlánsee, dem „Spiegel Gottes“. Ich war begeistert. Die umliegenden Vulkane und Berge lagen im Dunst. Alles sah aus wie eine Theaterkulisse oder ein Gemälde, über das ein zarter Blauschleier gezogen ist. Jedenfalls sah ich es so. Máximo konnte nichts Besonderes erblicken. Vielleicht lag es auch an meiner Brille, die sich bei Sonneneinstrahlung verdunkelt…

Die gute Weitsicht die ich auf meinen letzten Besuchen (siehe https://hebammechiapas.wordpress.com/2016/08/ und https://hebammechiapas.wordpress.com/2018/03/07/reisen-in-guatemala-lago-atitlan/) hatte, stellte sich leider die ganzen 4 Tage lang nicht ein. Auch lag der See nie so spiegelglatt wie ich es in Erinnerung hatte.


Wir machten mit dem Schiff Ausflüge zu mehreren Dörfern am Seeufer und schauten die vielfältigen Webarbeiten der Frauen dieser Region an. Angefangen vom Anbau der Baumwolle, dem Spinnen (ein Faden muss sieben Mal gesponnen werden damit er die nötige Feinheit erhält) und dem Färben des Garns mit selbst hergestellten Pflanzenfarben bis zum Weben der Stoffe ist alles Handarbeit. Blusen, Schals, Stolas, Decken und diverse andere hier hergestellte Produkte kann man zu Preisen erstehen, die in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand stehen. Viele Weberinnen haben sich zu Kooperativen zusammengeschlossen die – immer noch sehr moderate – Festpreise haben. Daneben gibt es jede Menge anderer Läden, in die man fast zum Eintreten genötigt wird und in denen die Verkäuferinnen ihre eigenen Preise runter handeln. Die Dörfer in Seenähe leben vom Tourismus und gerade gibt es kaum Touristen…
Ich muss zugeben, dass es schwerfällt, bei all den schönen Sachen dem Kaufrausch zu widerstehen, aber ich schaffte es, nur ein kleines Mitbringsel für eine Freundin und einen dieser gehäkelten farbenfrohen Beutel zu kaufen, auf den ich schon lange scharf bin…

Unser Hostel „Playa linda“ in San Pedro lag zwar ganz in Ufernähe, aber einen „Strand“ sehe ich nicht. Hier waschen Frauen ihre Wäsche und sich selbst. Genau am Ufer liegen kleine Felder auf denen die Bauern gerade mit dem Düngerkanister auf dem Rücken umherlaufen und ihre Pflanzen besprühen. Es scheint, als liefen auch Abwässer aus dem Dorf ungefiltert in den See, der am Rand trübe und ganz leicht rosafarben scheint. Zusammen mit grellgrünen Algeninseln auf denen Reiher herum stelzen gibt das zwar ein malerisches Bild ab, lädt jedoch nicht zum Baden ein.

Auf dem Grund des Atitlánsees leben giftige Cyanobakterien (Blaualgen) die sich durch hohen Phosphatgehalt im Wasser bei heißem Klima schnell vermehren. Der See hatte in den letzten Jahren deshalb einige Male schlimme Algenpest! Ich denke an den Pátzcuarosee in Michoacan

(siehe https://hebammechiapas.wordpress.com/2020/01/18/michoacan-isla-janitzio-jose-morelos-auf-dem-mullberg/) und möchte weinen… Aller Voraussicht nach wird es hier auch irgendwann so aussehn.

Im gegenüberliegenden Dorf San Marcos besuchten wir Susanne, die ich über unsere gemeinsame Freundin Kiki kenne. Sie empfahl uns ein kleines Naturschutzgebiet am hiesigen Seeufer, wo wir in kristallklarem Wasser baden konnten. Wunderbar!

Es geht hier sofort tief rein, deshalb kann niemand waschen und auch Abwässer laufen nicht in den See wie an den bebauten Uferregionen.

Susanne erzählte uns, dass dort wie fast am gesamten zugänglichen Seeufer ein Hotel gebaut werden sollte und sie eine Initiative gestartet hatte um das zu verhindern. Daher entstand das Reservat in dem der Zugang zum Wasser gegen eine kleine Gebühr möglich ist.
Überhaupt ist sie eine sehr engagierte Person die sich seit Jahren bemüht, mit verschiedenen Projekten die Bevölkerung für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Der Bayerische Rundfunk hat über Susanne einen Dokumentarfilm gedreht.

(siehe (https://www.youtube.com/watch?v=nf1KGRXEpqA)

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Guatemala/Chickenbus – Pilotos locos – Die verrückten Rennfahrer

Reisen mit dem Chickenbus ist am ehesten vergleichbar mit einer Fahrt in der Achterbahn. Darüber habe ich bereits im Februar 2018 ausführlich geschrieben und empfehle, diesen Beitrag https://hebammechiapas.wordpress.com/2018/02/06/guatemala-reisen-mit-dem-chickenbus/ nochmal aufzurufen und zu lesen, um einen umfassenden Eindruck von diesem aufregenden Abenteuer zu bekommen!

Auch diesmal dasselbe Erlebnis! Trotz der absurden Raserei , egal ob durch enge Gassen in der Stadt oder auf kurvenreicher Bergstrecke hatte ich keine Angst. Die Fahrer sind reaktionsschnell und man hat das Gefühl sie haben alles im Griff. „Pilotos“ – Rennfahrer – werden sie hier genannt. Dennoch vermute ich, dass es eine Menge Verkehrstote auf solchen Fahrten gibt… Ich werde das aber jetzt nicht recherchieren, denn wir wollen noch weiter reisen!

„Jeder deutsche Busfahrer kann hier seinen Beruf an den Nagel hängen. Hier musst du „vivo“ sein und auf den Verkehr achten, nicht auf die Ampel!“ sagt Máximo begeistert. „Das sind gute Fahrer!!“ schwärmt er. Dennoch muss er zugeben, dass drei, höchstens vier Stunden Busfahrt am Tag mehr als genug für unsere Hintern sind 😉

Über dem Fahrer der Spruch „Vater unser, schütze unseren Piloto und uns alle die wir in diesem Bus sitzen.“

Die Gehilfen hängen auf dem Trittbrett. Sie kümmeren sich darum, das Ein- und Aussteigen zu organisieren, das Gepäck auf dem Dach zu verstauen und das Fahrgeld einzusammeln. Sobald sie am Straßenrand Leute erblicken schreien sie den Namen des Ortes zu dem der Bus fährt. Will jemand mitfahren wird gehalten. „Schnell, schnell rein mit euch, einsteigen, Beeilung, Beeilung!!“ brüllt der Gehilfe und sobald der erste Fuß des Einsteigenden im Bus ist, wird angefahren und weiter geht´s. Ebenso muss man auf Zack sein wenn man den Bus verlässt. Wir staunen, alte Omis und Opis scheinen durch dieses Training in Topform zu sein, jedenfalls erklimmen sie den Bus ohne größere Probleme.

Der Gehilfe hatte uns gesagt, er würde Bescheid geben wann wir umsteigen müssen. Nach einer guten Weile hielt der Bus mal wieder, viele Leute stiegen ein und aus, Gepäck wurde ab und aufgeladen und weiter ging die wilde Fahrt. „Ich glaube wir hätten aussteigen müssen!!!“ sagte Máximo, „der Gehilfe ist auch nicht mehr im Bus!“ Ich war sicher, dass er seinen Dienst nicht plötzlich auf der Strecke beendet hatte. „Aber wo ist er dann?!“ fragte Máximo. „Auf dem Dach natürlich!“ „Nee, unmöglich bei der Geschwindigkeit und diesen Kurven! Ich geh´ nach vorn und frage den Fahrer!“

Der Fahrer beruhigte Máximo, es läge noch ein Stück Fahrt vor uns. Kaum saß er wieder kam plötzlich von hinten der Gehilfe an unserem Platz vorbei. Er war bei voller Fahrt durch die hintere Ladeluke wieder eingestiegen. Entgeistert fragte ihn Máximo wo er denn gewesen sei. „Na auf dem Dach.“ „Waaaas???!“ Máximo wurde fast nicht wieder. Ich beobachtete, dass die Guatemalteken hinter uns sich köstlich amüsierten.

Máximo ist nicht zufrieden mit meinem Beitrag. „Du musst wirklich ausdrücken wie die fahren, das kommt ja gar nicht rüber! Das sind locos – Verrückte! Unglaublich, das kann sich keiner vorstellen!!!…“ Es kommt beileibe nicht oft vor, dass Máximo sich so beeindruckt zeigt. Womit ich nochmal betonen will, wie verrückt die fahren ;-)…

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Guatemala/Antigua – Auf der Suche nach Hässlichkeit in der schönen Stadt

Antigua ist eine wunderschöne Stadt.

Ist es so, dass ich soviel Schönheit einfach nicht akzeptieren oder aushalten kann und deshalb nach einem Makel suche? Ich hatte Máximo erzählt, dass ich vor zwei Jahren in Antigua absolut nichts finden konnte was hässlich ist. Máximo hat es innerhalb von zwei Tagen geschafft, mich auf drei Hässlichkeiten hinzuweisen!

Einmal Plastikmüll auf der Straße. Dazu gibt es nichts zu sagen.

Die verfallene Mauer, repariert mit Wellblech, ist in meinen Augen eher originell und nicht hässlich. An der abgeblätterten Fassade und dem fehlenden Dach eines Hauses kann ich auch nichts hässliches entdecken.

Naja, wir wissen, Schönheit ist Ansichtssache!

Nun aber noch schöne Ansichten über die wir nicht streiten:

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Guatemala/Antigua – Huipiles – die farbenfrohen Blusen der Frauen

Genau vor 2 Jahren war ich das letzte Mal in Guatemala. Das kleine zentralamerikanische Land bezaubert durch seine freundlichen Menschen und spektakuläre Berglandschaft, durch die in halsbrecherischer Geschwindigkeit „Chickenbusse“ über Serpentinen rasen.

Die Frauen sind farbenprächtig gekleidet und tragen viel mehr Tracht als in Mexiko. Vor allem kreieren sie immer neue Stile.
In Antigua fanden wir eine große Halle mit u.a. second hand Huipiles auf einem großen Wühltisch. Huipiles sind die gewebten und bestickten Trachtenblusen der Frauen. Ich bin total vernarrt in Huipiles und Máximo in die Stoffe. Da gab es kein Halten mehr…

Mit vier Blusen und einem großen Stoff in einem neuen Beutel gingen wir wieder raus!!

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Chiapas – Abenteuer Laguna Miramar

Ich hatte tolle Fotos von der recht abgelegenen Laguna Miramar im Dschungel der Selva Lacandona nahe der guatemaltekischen Grenze gesehen. Einige Bekannte die schon dort waren, berichteten von wundervollem kristallklaren Wasser in traumhaften Farben und Lagerfeuerromantik beim Zelten am Seeufer, jedoch auch davon, dass die Anreise beschwerlich sei und man die letzte Wegstrecke durch die Selva mit einem entbehrungsreichen Marsch durch tiefen Schlamm zu Fuß oder Pferd zurücklegen muss. Alles zusammen versprach ein kleines Abenteuer für das mir der 15jährige Leo der ideale Reisepartner schien.

Schlauerweise dachte ich mir aus, dass wir in der Trockenzeit den Schlamm vermeiden könnten.

In den Weihnachtsferien fuhren wir los. Einige Tage zuvor hatte mitten in der Trockenzeit ein Tiefdruckgebiet ganz Mexiko erfasst, es war kalt und regnete tagelang immer wieder erheblich. Obwohl meine Hoffnungen darauf, trockenen Fußes zur Lagune zu wandern schwanden, waren wir wild entschlossen – zumindest würde der Kälteeinbruch uns vielleicht im Dschungel vor extremer Hitze bewahren.
Wir fuhren nach Las Margaritas, ein recht großes Dorf von dem aus die Colectivos nach Emiliano Zapata abfahren, der indigenen Gemeinde von der aus die Wanderung losgeht. Unerwarteterweise begann das Abenteuer schon hier.

Dass wir um 5 Uhr früh unser Hotel in Comitán verlassen hatten um möglichst zeitig loszukommen war gar nicht nötig gewesen, denn wir warteten nun noch ca. 2 Stunden darauf, dass genügend Fahrgäste zusammenkommen und beobachteten dabei interessiert das indigene Dorfleben. Mir fiel nach einer Weile auf, dass ein Großteil der Leute, die geschäftig auf der Dorfstraße vorbeirannten oder -schlenderten immer wieder dieselben waren. Bald kannten sie auch uns und wir wurden sogar gegrüßt.

Sicherlich, eine „Gringa“ von meiner Körpergröße mit einem indigen aussehenden Jugendlichen, das ist schon auffällig und gibt, egal wo wir unterwegs sind, immer viel Anlass zu Spekulationen über unser Verhältnis. Wenn ich mit seiner Schwester Juanita allein unterwegs bin ist es genauso. Die Leute meinen entweder, ich sei die Mutter (wie schmeichelhaft, da ich ja eher im Großmutteralter bin…) oder die „Patrona“ die mit ihrem „Muchacho“ (Angestellter, der im Haus der Arbeitgeber lebt) unterwegs ist. Öfter dachten sie auch Leo sei mein Guide.

Als das Colectivo endlich mit Menschen und Gepäck vollgestopft war, begann nicht etwa die Fahrt, sondern nun wurde das Dach beladen. Man stapelte Kistenweise Coca-Cola, Waschmittel, Kekse ect. – kurz alles was das Sortiment eines Dorflädchens ausmacht – auf zwei riesige Kühlschränke, davor klemmten sie noch ein Fahrrad. Über allem wurde eine große Plane festgezurrt, denn es begann zu regnen. Dann ging es los. Ca. 5 Stunden sollte die Fahrt dauern, am Ende waren es fast sieben.

Von der schönen Berglandschaft war erst mal nicht viel zu sehen. Statt abwärts schien es aufwärts zu gehen und wir verschwanden in den Wolken. Irgendwann begann der Abstieg und die Landschaft tauchte wieder auf. Dies ist „tierra recuperada“ – von den Zapatisten verwaltetes „zurückerobertes Gebiet“ – erkennbar daran, dass am Eingang zu jeder Gemeinde selbstgemalte Schilder darauf hinweisen und die typischen schönen Wandmalereien gemeinschaftlich genutzte Bauten, wie Schulen oder Gemeindehäuser, zieren.
Das Colectivo steuerte ein schätzungsweise 15jähriger Jugendlicher, der offenbar seinen ersten professionellen Personentransport in rasender Geschwindigkeit durch die serpentinenreiche Landschaft bewältigte. Jedes mal wenn uns ein Colectivo von der entgegengesetzten Richtung begegnete wurden von Fenster zu Fenster Grüße ausgetauscht und er erhielt Glückwünsche zur Jungfernfahrt. Eng zusammengequetscht ging es von Dorf zu Dorf, ich saß in der Mitte, den Kopf zwischen den Knien, weil meine Füße auf einer hohen Kiste standen. Der junge Mann rechts neben mir kotzte in regelmäßigen Abständen aus dem Fenster. Anhalten wegen Übelkeit ist hier nicht üblich. Mir zur Linken saß Leo und atmete ebenfalls schwer, konnte aber den Brechreiz unterdrücken.

Nach etwa der Hälfte der Wegstrecke ging die bisher gut ausgebaute Straße in „terracería“ über, was bedeutet, dass es sich um einen unbefestigten Weg handelte der manchmal gefährlich nahe am Abgrund verlief .

Ein Umweg von etwa einer Stunde führte zum Dörfchen in dem die Kühlschränke abgeladen werden sollten. Ein über das Ufer getretener Fluss überschwemmte den Weg und war etwas zu tief für unseren Schwerlasttransport. Also alle aussteigen, nun klappte es. Der Bus verschwand auf der anderen Flussseite. Um die Kühlschränke und das Sortiment des Einkaufsladens erleichtert, kehrte er nach einer gefühlten Ewigkeit zurück und weiter ging´s. Irgendwann am Nachmittag kamen wir gerädert in Zapata an. Der arme Leo war fix und fertig, er ist Anstrengung gewohnt, aber nicht die Strapaze des untätig-Seins auf Reisen! Er beklagte sich nicht, aber sicherlich fragte er sich nach der Sinnhaftigkeit solcher Urlaube von denen ich immer so begeistert schwärme.


Wir entschieden Pferde zu mieten, da der Schlamm auf dem Weg knietief war. Mein Pferd, eher von zierlichem Körperbau, hieß witzigerweise Máximo. Leo sagte grinsend „Sei freundlich zu ihm, es könne der Nahual von Máximo sein.“ (Ein Nahual ist in den Mythologien Mesoamerikas ein persönlicher Schutzgeist. Die Azteken und Maya nahmen an, er könne in tierischer oder pflanzlicher Gestalt auftreten und sei jeweils mit einem Menschen so eng verbunden, dass Tod oder Verwundung immer beide treffe.)
Der Weg war durchaus anspruchsvoll mit steilen Auf- und Abstiegen, die das Tier springend bewältigen musste, um nicht im tiefen Schlamm stecken zu bleiben. „Das Pferd kennt den Weg!“ sagte ich mir, immer an den Reisebericht einer Frau denkend, die Anfang des letzten Jahrhunderts reitend im Himalaja unterwegs war und ihrem Pferd auf schmalen Ziegenpfaden, an hunderte Meter tiefen Abgründen vorbei, ihr Leben anvertraut hatte. Ihre Technik die Augen zu schließen konnte ich aber nicht übernehmen, weil in der Selva mehr Bäume wachsen als hoch oben im Himalaja. Wir hingegen mussten ständig stacheligen Ästen ausweichen, denn die Pferde berücksichtigen nur ihre eigenen Körpermaße.

In meiner Jugend war ich geritten. Jedoch hatte ich damals keine Brille! Ich stellte fest, dass es sehr hinderlich ist, wenn in der Hitze der Selva die Gläser beschlagen und die Brille ständig von der schweißnassen Nase rutscht. Wir kamen jedoch schließlich unbeschadet ans Ziel. Gerade als ich absitzen wollte begann mein Máximo zu springen und auszuschlagen als wäre er urplötzlich im Rodeo gelandet, denn Leos Stute hatte sich ihm ungebührlich von hinten genähert. Es war so überraschend, dass ich gar keine Zeit hatte mich zu erschrecken. „Oh ich sehe du kannst ja ein bisschen reiten“ sagte der Pferdebesitzer zu mir, weil ich mich nicht hatte abwerfen lassen. Tatsächlich war ich froh über meine früheren Reiterfahrungen…


Direkt an der Lagune stellten wir unser Zelt unter einer Palapa auf, wäre es nachts etwas wärmer gewesen hätten wir auch in der Hängematte schlafen können. Außer uns und unseren Beschützern, freundlichen Dörflern war kein anderer Mensch hier.
Die Männer unterhielten sich zu unserem Erstaunen in Tseltal, natürlich in der Annahme dass wir kein Wort verstehen. Recht schnell kriegen sie aber spitz, dass Leo sehr wohl verstand was sie sagten, denn er konnte sich einmal das Lachen nicht verkneifen. Da war das Erstaunen auf ihrer Seite, denn sie dachten, dass er mein Sohn sei und demnach keine indigene Sprache spreche. Wir erfuhren, dass Don Hijinio in Leos Alter aus dem Hochland von Chiapas, also unserer Gegend, hier eingewandert war. Sein Vater arbeitete zu damaligen Zeiten – vor 50 Jahren – für einen Patron, was bedeutet, dass er praktisch Sklavenarbeit leistete. Derartige Zukunftsaussichten gefielen dem jungen Hijinio nicht und er suchte sein Glück wie viele andere Tseltales hier. So erklärt sich, dass die eine Hälfte der heutigen Einheimischen Tseltal spricht, während die anderen eine völlig andere Sprache reden, ich glaube Chol.

Zusammen mit unserem Wachschutz saßen wir einträchtig am kleinen Feuer, und teilten unser mitgebrachtes Dosenessen und Kaffee und ihre Tortillas und Eier. Wir erfuhren, dass die Errichtung dieses kleinen Camps darauf zurückgeht, dass vor Jahren zwei ausländische Touristinnen hier beim Zelten überfallen und vergewaltigt worden waren. Etwa 120 Leute der Gemeinde Zapata kümmern sich jetzt gegen eine geringe Gebühr reihum an 360 Tagen im Jahr darum, Touristen zur Lagune zu führen zu bewachen.

Mit dem tierischen Gebrüll der Affen und dem lauten Zirpen der Grillen schliefen wir ein.
Am frühen Morgen fuhr uns Don Hijinio mit dem Boot über die etwa 16 km2 große Lagune. Still ruht der See zu dieser Tageszeit, so dass wir das wunderschöne Farbspiel im kristallklaren Wasser bewundern konnten. Eine kleine Wanderung führte uns zu verschiedenen Aussichtspunkten und Don Hijinio erklärte uns einiges zu Flora und Fauna.

Später liehen wir uns zwei Kajaks, überqueren den See und paddelten danach die Strecke nochmals ab.

Inmitten des Sees hörte ich ein seltsames Plätschern, als würde Wasser in den Hohlraum des Kanus dringen, konnte aber kein Leck erkennen und vergaß das Geräusch wieder. In Ufernähe, wir beobachteten gerade die Brüllaffen bei ihrer Mittagsmahlzeit in den Bäumen, begann mein Böötchen zu sinken. Ich schrie nach Leo, dem ich gerade noch mein Handy übergeben konnte, ehe ich samt Kajak im Wasser versank. Während ich mit dem abgesoffenen Kajak im Schlepptau quer über den See schwimmend den Rückweg begann, paddelte Leo zurück um Hilfe zu holen. Nicht nur wegen der Entfernung, sondern eher der Krokodile wegen, die in den Mangroven am Ufer leben. Immerhin hatte uns Don Hijinio erzählt, dass letzte Woche sein Hund von Krokodilen gefressen wurde…
Nach einer Weile kam ein Retter mit dem Ruderboot. Aus Sorge, dass sein Boot kentern könne wenn ich mich im Tiefen hinein hieven würde, schlug er vor, dass ich ans Ufer schwimmen und dort einsteigen solle. Klar, er war Nichtschwimmer, aber in Anbetracht der möglicherweise hungrigen Krokodile schien mir das keine besonders gute Idee! Ich übergab also mein gesunkenes Schiff, hängte mich an Leos Kanu und ließ mich gemütlich ein gutes Stück quer über die Lagune ziehen, ehe ich den Rest schwimmend zurücklegte. Später stellten wir fest, dass eine Schweißnaht an meinem Kanu offenbar undicht war und das Wasser langsam dort eingedrungen war.

Weil Heiligabend vor der Tür stand mussten wir leider am nächsten Tag schon wieder zurück reisen. Ich war mir mit Leo einig, dass sich trotz der viel zu kurzen Zeit die Strapazen der Reise auf jeden Fall gelohnt haben!



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Chiapas/Huixtan – Karneval ohne Helau, Alaaaf und Kamelle

Traditionellen Karneval feiert Mann in den indigenen Gemeinden der Umgebung anders als in Köln und Co.

Womit ich sagen will, dass die amüsante Rolle beim Klamauk nur den Männern und einigen Jungs zukommt und beileibe auch nicht allen. Jedenfalls war es in den Dörfern die ich bisher besucht habe so.Wie entschieden wird, wer aktiv mitmischen darf weiß ich nicht.

Jedenfalls war es in den Dörfern die ich bisher besucht habe so.

Dieses Jahr war ich nur in Huixtan, dem Hauptdorf der Gemeinde zu der auch Zitim gehört. Mit meiner Freundin Karin waren wir als einzige Auswärtige natürlich gleich im Visier, da half auch meine Trachtenbluse nichts die ich ordnungsgemäß angezogen hatte, allerdings ohne zugehörigen Rock.

Die auserwählten Männer tragen Tracht und sind großteils mit Gitarren, Trommeln und Blasinstrumenten unterwegs, auch große Muscheln oder Kuhhörner und Mundharmonikas werden benutzt. In Gruppen zu etwa 20 Männern tanzen sie wie ausgelassene Kinder kreisförmig um die Plaza und machen Krach. Manche haben Masken, andere sind mit weißer Farbe bemalt. Einige tragen Frauenkleider, diese haben ein Tuch vors Gesicht gebunden. Natürlich werden wie bei jedem Fest immer wieder „Cuetes“ – die selbstgebauten Feuerwerkskörper – in die Luft geballert.

Frauen, Mädchen und der Rest der männlichen Bevölkerung bilden das Publikum, das den Feiernden dazu dient Leute zu haben, die sie mit ausgestopften Wieselartigen Tieren erschrecken können und manchmal auch mit erstaunlich zudringlichen Annäherungen, wenn man bedenkt, dass indigene Leute Fremden gegenüber normalerweise eher zurückhaltend und reserviert sind. Möglicherweise trägt der Pox – selbstgebrauter Maisschnaps – wesentlich zur Enthemmung bei. Heute trieben sie ihren Spaß mit uns, was wiederum zur Belustigung aller Umstehenden beitrug. Zum Glück waren wir nicht allein sondern trafen uns mit Andrés, Leo, seinem Cousin und dem Enano.

Letztlich passiert für Zuschauer ansonsten nicht viel, bzw. wiederholt sich alles, auch die Jungs langweilten sich schon. Deshalb fuhren wir bald weiter nach Zitim um dort den stolzen aber aggressiven Truthahn zu verzehren, der die Kinder und sogar Luisas Mutter mit seinen Attacken in Angst und Schrecken versetzt hatte. Luisa hatte ihn in Mole gekocht. Lecker!

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