Der Duft von Orchideen

Neulich war ich mit Juana im wunderschönen kleinen Naturreservat Moxviquil. Gleich am Stadtrand gelegen ist dieser Orchideengarten in dem man auch Bromelien bewundern kann auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich dachte immer Orchideen duften nicht, aber das stimmt nicht! Es gibt viele Orchideenarten mit ganz unterschiedlichen Aromen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Anonyme Künstlerinnen erschaffen textile Wunder

Es gibt in San Cristóbal einige Museen, in denen traditionelle Trachten der Chiapanekischen „Pueblos originarios“ ausgestellt sind. Mein absolutes Lieblingsmuseum – nicht nur hier sondern überhaupt – ist das „Museo de los Altos“ in San Cristóbal. Neulich war ich zum sechsten Mal dort und mit Sicherheit werde ich noch öfter gehen! In diesem Museum gibt es neben der Stadt- und Landesgeschichte nämlich eine große Ausstellung antiker Trachten nicht nur der hiesigen, sondern auch der im benachbarten Guatemala lebenden indigenen Ethnien. Ich bin fasziniert von diesen handgewebten und reich bestickten wunderschönen Kleidungsstücken. Umso mehr als ich schon öfter Gelegenheit hatte, die Arbeit der Weberinnen zu beobachten. Alle diese Frauen sind Künstlerinnen und bis heute werden sie als Person fast niemals wahrgenommen und gewürdigt. Abgesehen davon dass sie nicht angemessen bezahlt werden.

Zum Verständnis der Bedeutung der traditionellen Web- und Stickarbeiten zitiere ich frei übersetzt aus „YO´TAN K´OP – Corazón de la palabra“, einem Buch über die Traditionen und Vorstellungswelten der Tseltales:

Die Frau sitzt (mit ausgestreckten Beinen auf der Erde) und befestigt den Webrahmen an ihrer Taille. Ihre Hände bewegen sich flink und kreieren Formen und Farben die sich über Generationen hinweg in einer Art Sprache übermittelt die sie mit den antiken Traditionen verbindet. (Es wird gesagt, der Weberin wird das Design in Träumen übermittelt). Dieser Dialog ist Teil einer kollektiven Erinnerung von der die Weberin geleitet wird, während sie alte Designs mit ihren eigenen kreativen Ideen kombiniert. Die Frauen sind die Medien über die sich die Weisheit der alten Quellen vermittelt. Die Formen die sie in die Stoffe weben sind die Abstraktion einer einzigartigen Vision der Welt. Uraltes Wissen summiert mit der künstlerischen Intuition jeder einzelnen Weberin.“

Aber der „Don“, die Gottesgabe, fällt nie vom Himmel…

Früher hat man die Hände der Frauen, die sich beim Weben lernen ungeschickt anstellten, bis zu den Ellbogen in einen Ameisenhaufen gesteckt, damit sie beweglicher werden und sie schneller lernen.“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Die Macht des Glaubens

Heute traf ich einen Freund aus dem Baskenland, der ebenfalls die Klinik in Zitim unterstützt. Yurre ist eingeschworener „Antichrist“ – nicht zuletzt aufgrund seiner während der letzten 20 Jahre in Chiapas gesammelten Erfahrungen mit Gläubigen. Gerade vor 2 Tagen waren wir zusammen in Zitim gewesen und dort hatte er mal wieder seinem Ärger über die „Pfaffen“ kundgetan.

Umso erstaunter war ich, als er eine Kette mit Kreuz aus dem Ausschnitt zog. „Was ist mit Dir passiert, haben sie Dir eine Gehirnwäsche gemacht?!“ fragte ich entgeistert. Er lachte, erklärte er benutze das Kreuz um Ärger zu vermeiden und erzählte mir folgende Geschichte:

Nachdem er eine halbe Stunde am Bankschalter angestanden hatte um Geld zu wechseln wurde ihm dies verweigert. Er meinte, aufgrund seines Aussehens (er hatte sich mehrere Tage nicht rasiert). Man muss zum Wechseln den Pass vorzeigen und vermutlich hatte ihn die Bankangestellte nicht identifiziert. Sie verlangte einen zweiten Ausweis mit Lichtbild, den hatte er natürlich nicht. Aufgrund seines aufbrausenden Temperaments hatte Yurre nicht übel Lust der Dame den Hals umzudrehen, zügelte sich aber und marschierte nach Haus um seinen Kreuzzauber zu aktivieren. Er behauptete, dieses Kreuz hätte ihm schon viele Türen geöffnet. Und wirklich, er hat etwas pastorales an sich, wenn er das Kreuz zieht und sein Mönchsgesicht aufsetzt! Kein Mensch kann hier einem heiligen Padre einen Wunsch abschlagen oder gar Böses unterstellen. „Jetzt gehe ich mein Geld holen und du wirst sehen, dass es kein Problem geben wird!“ Ich glaubte ihm aufs Wort, zumal er sich sicherheitshalber noch rasiert hatte.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Oration zum 15. Geburtstag

Anders als in der Stadt werden in der Comunidad Geburtstage nicht oft beachtet. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass zumindest ältere Leute (zu denen ich auch mich zählen muss) nicht selten keine Ahnung haben, wann sie geboren sind. Zudem kann es sich bei dem Kinderreichtum vieler Familien kaum jemand leisten Geburtstage zu feiern, geschweige denn mit Geschenken.

Ich weiß nicht, seit wann die Familie in Zitim Geburtstage begeht. Seitdem ich sie kenne wurde jedenfalls immer mit einem leckeren Essen im Familienkreis gefeiert.

Leos 15. Geburtstag wurde als Eintritt ins Erwachsenenalter besonders gewürdigt, nämlich mit einer Oration, gehalten vom Großvater.

Der Hausaltar war geschmückt. Leo und der Opa hockten davor, die Familie saß im Halbkreis drumherum. Orationen sind sehr feierlich. Andächtig wird beobachtet, wie der Curandero die Kerzen aufstellt und rundherum mit Piniennadeln und Blumen dekoriert. Danach geht er mit dem „Copalero“ herum, aus dem der Copal, der Weihrauch, hochsteigt und räuchert jeden ab, man bekommt etwas Tabak in den Mund und auf den Kopf und muss das Kreuz küssen. Ich stellte erfreut und überrascht fest, dass Don Isauro tatsächlich die Halskette mit dem äthiopischen Kreuz der koptischen Christen für die Oration benutzt, die ich ihm vor ein paar Jahren geschenkt hatte. Sie wurde Leo umgehängt.

Dann wird in alle vier Himmelsrichtungen Rauch gepustet. Somit ist der Ort und jede einzelne Person gereinigt und für die Oration vorbereitet. Der Rauch geschwängerte Raum machte nicht nur meinen Lungen zu schaffen. Einige mussten husten. Aber ohne Weihrauch geht es auf gar keinen Fall, denn der Rauch trägt die Fürbitten dorthin wo sie ankommen sollen. „Wenn Du den Rauch hoch pustest steigen die Gebete auf und der Wind nimmt sie mit sich.“

Der Großvater betete zu Gott und jedem einzelnen der vielen Heiligen, die alle eine bestimmte Schutzfunktion haben. Er entschuldigte sich in Leos und im Namen der Familie für eventuelle Verfehlungen und bat um Gesundheit und Beistand auf Leos künftigem Lebensweg.

Danach gab es auf Leos Wunsch Tacos, aber für die Großelterngeneration, die an ein so neumodisches Essen nicht gewöhnt ist, eine gute Hühnersuppe!

Ich hatte vor ein paar Jahren aus der Stadt den Brauch mit der Pinata eingeschleppt – ihr wisst schon, diese mit Süßigkeiten gefüllten Puppen die am Strick baumeln und zerschlagen werden. Im Zweifel, ob Leo wohl mit 15 noch auf eine Pinata würde einhauen wollen entschied ich, keine zu kaufen. Ich befürchtete es könne ihm peinlich sein. War aber ein Denkfehler – ich hatte gar nicht an die ganzen anderen Kinder gedacht die ja alle viel jünger sind und mit Oma und Opa in voller Erwartung auf den Gaudi anmarschiert kamen…

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Dia de los muertos – Mexikanischer Totentag

Wenn auch reichlich spät, möchte ich doch noch ein paar Impressionen zum Día de los muertos posten. Mir scheint, dass die mexikanischen Festivitäten zum Totentag weltweit besonders berühmt sind. Ich jedenfalls wusste früher nicht, dass z.B. auch in Peru oder Bolivien ebenso lebensfroh gefeiert wird.

Dieses Jahr war ich mit Juana unterwegs, die ihre Ferien bei mir verbracht hat. Wir backten das traditionelle Totenbrot und gingen auf den Markt um alles nötige für den Altar zu kaufen: Kerzen mit dem Heiligenbild der Virgen de Guadalupe, Studentenblumen und natürlich calaveras – die Totenköpfe aus Zucker.

Die freie Schule von Gerdis und Oscars Kindern, feiert immer ein wunderschönes Fest zum Dia de los muertos, mit Altären, Zeremonien und traditioneller Kürbissüßspeise. Die Kinder hatten alles in Projekttagen zusammen mit den Lehrern und aktiven Eltern vorbereitet. Ich war beeindruckt, so hätte ich als Kind auch gern gelernt. Wir wanderten durch das riesige im Wald liegende Gelände, sahen uns all die schönen Installationen und Aktionen an und zeigten Juana auch die wabenförmigen Schulgebäude, die Bibliothek, den Computerbereich ect. Sie betrachtete alles schweigend. Ich bin oft unsicher, bis wie weit es gut ist, den Kindern (und auch den Erwachsenen) zu zeigen, was es außerhalb des eigenen Erfahrungshintergrundes noch so gibt, wenn ich gleichzeitig weiß, dass all dies für sie unerreichbar ist.

Abends war die ganze Stadt auf den Beinen, überall konnte man sich zur Katrina und zum Gevatter Tod schminken lassen.

Jedes Jahr organisieren Frauenrechtlerinnen Aktionen mit denen sie an die Feminizide erinnern und es gibt immer einen Trauerzug zum Gedenken an die Frauen und Mädchen die in diesem Jahr in Chiapas ermordet wurden. Der Zug endet auf dem Platz vor der Kathedrale, vor dem Kreuz wird ein Altar errichtet. Wir lasen die Plakate für jede einzelne, auf denen Namen und Alter stand und der „Grund“ bzw. die Umstände des Mordes. Oft war zu lesen, dass der (Ex)Partner oder ein Verwandter der Mörder war. Oft auch, dass er nicht verfolgt wurde. Juana war schockiert. Ich auch, obwohl ich um dieses Thema weiß. Sowas kann man einfach nicht verkraften.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Colectivo fahren – öffentlicher Nahverkehr in Mexiko

Das Transportsystem in mexikanischen Städten ist genial, wenn auch nicht immer besonders bequem. Mit dem Colectivo kommt man fast überall hin, oder zumindest in die Nähe des Zieles. Colectivos, auch Combi genannt, sind umgebaute Kleinbusse, die auf festen Routen verkehren und so viele Fahrgäste transportieren wie sich irgend rein stapeln lassen. Die Combis fahren von ca. 6 bis 21 Uhr. Linienpläne oder feste Fahrzeiten gibt es nicht und auch nur ganz selten ausgewiesene Haltestellen. Am Colectivo sind jedoch markante Haltepunkte angeschrieben, so dass Ortskundige – so wie ich mittlerweile – Bescheid wissen. Ansonsten fragt man am besten irgendeinen Fahrer, welches Colectivo in die gewünschte Richtung fährt, meistens kennt er die Routen seiner Kollegen. An jeglicher Stelle kann einfach durch Winken signalisiert werden, dass man mitfahren will. Weil der Fahrer natürlich an jedem Passagier verdient, kann man sicher sein mitgenommen zu werden. Sofern sich noch ein Millimeter Platz im Wagen befindet wird ohne Murren zusammen gerutscht.

Halbwegs bequem passen etwa 12 bis 14 Leute ins Auto, ich habe aber auch schon über 30 gezählt. Das ist Stress, vor allem für mich, sofern ich keinen Platz finde. Wegen meiner Größe stehe ich dann nämlich wie ein Klappmesser – Oberkörper im rechten Winkel zu den Beinen – während die durchschnittlich großen Chiapanecos aufrecht hineinpassen! Aber es ist sehr selten, dass ich stehen muss, weil jeder männliche Fahrgast für Frauen aufstehen wird! Ich musste an die Latinas in Berlin denken, die es einfach nicht fassen können, dass es in Bahn, Tram und Bus kein Aas interessiert, ob eine Oma, eine Mutter mit Kind oder Einkaufstaschen, geschweige denn eine junge Frau ohne Gepäck einen Sitzplatz findet. So was passiert hier definitiv nicht!

Wenn man aussteigen möchte ruft man einfach „an der Ecke bitte“ oder „ich will aussteigen“. Prompt wird angehalten – und sei es alle 20 Meter. Die Fahrt, egal wie lang, kostet 7 Peso (30 Cent – heißt das so, Cent? Schon vergessen …) Beim Aussteigen wünscht man den weiter Fahrenden noch einen schönen Tag; „Lasst es euch gut gehen!“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Straßenhunde

Wohl in allen mexikanischen Städten gibt es Straßenhunde. In regelmäßigen Abständen werden sie von der Stadtverwaltung vergiftet. Zum Glück gibt gibt es hier eine Gruppe von Leuten die sich für diese Hunde engagiert und z.B. Adoptionen vermittelt und Sterilisierungsaktionen organisiert. Mein Eindruck ist, dass es früher mehr Straßenhunde gab.

Meistens sind diese Hunde nicht aggressiv, zumindest nicht tagsüber. Immer auf der Suche nach Futter suchen sie oft die Nähe von Leuten, die ihnen möglicherweise etwas zu fressen überlassen.

Einmal lief mir ein Hund mindestens 30 Minuten hinterher. Ich verschwand in einem Haus und kam erst Stunden später wieder raus, da wartete er noch immer und folgte mir wieder Schwanz wedelnd. Mein Fehler war gewesen, dass ich mit ihm gesprochen hatte, da hatte er wohl Hoffnung geschöpft…

Heute fand ich in einem verlassenen Marktstand mitten im Müll ein vermeintlich totes Hundebaby. Dann sah ich, dass es noch atmete. Ich legte es auf die warmen Tortillas die ich gerade gekauft hatte und fuhr im Taxi nach Hause. Wenigstens sollte es nicht auf dem Müll und in der Kälte sterben.

Nach einer Weile begann es sich zu regen. Die Nabelschnur war noch nicht mal abgefallen aber ich sah schon die Flöhe hüpfen. Zu Haus jammerte das Hündchen schon leise, ich legte es erst in den warmen Backofen dann auf die Wärmflasche und rief Barbera zu Hilfe. Barberas Hund beschnupperte aufgeregt das Hundebaby. Wir schöpften Hoffnung und fuhren zum Tierarzt. Der erklärte uns, dass es kaum überleben würde, weil sämtliche normalen Reflexe fehlten, zeigte uns aber dennoch, wie man die Magensonde legt und gab uns eine Dose Hundemilchpulver. Alle 3 Stunden 5ml war der Auftrag. Dann noch mit feuchten Wattebäuschen Massage im Genitalbereich. „Die Hundemutter leckt die Jungen nicht aus Liebe so ab, sondern das ist notwendig, damit sie pinkeln können und Stuhlgang haben!“ wurde uns erklärt. Wieder was dazugelernt.

Wir fuhren zurück. Das kleine Hündchen starb noch auf dem Weg. Ich legte es auf meinen Hausaltar und zündete zwei Kerzen an. Nachher werden wir es im Garten beerdigen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen