Wismarer Bucht – Expressionistische Farben in Nordwestmecklenburg

Eine Reise mit meiner Freundin Susanne und ihrem Campingbus ist immer urig. Diesmal ging es etwas holprig los. Ein Rad erschien verdächtig platt, beim Luft prüfen entdeckten wir einen gut eingefahrenen Nagel. Glücklicherweise hatte eine nahe Werkstatt Zeit und den passenden Reifen für uns. Mittags ging es dann los in Richtung Ostseeküste nahe Wismar. Schon nach 100 Kilometern verdunkelte sich der Himmel und Regen begleitete uns bis ans Ziel.

Auf der Insel Poel – plattes Land, kaum Baum, kaum Strauch – überall Schilder „Parken für Busse und Wohnmobile verboten!“. Egal, wir fuhren zurück aufs Festland ins nahe Dorf Heidekaten, das wir aus fernen Jugendzeiten kannten und verbrachten dort gemütlich die erste Nacht am Feldrand. Jeden Abend suchten wir uns einen anderen Standplatz, einer schöner als der andere und beobachteten Kraniche, die immer paarweise unterwegs waren, einmal sogar mit Kranichkind.

Mitte der 90ger Jahre war ich oft in dieser Gegend, danach nie wieder. Ich staunte, wie sich die Stadt Wismar verändert hatte, die mittlerweile ins Weltkulturerbe aufgenommen worden ist.

Das durchwachsene Wetter bescherte uns Farben a´la Emil Nolde, dem alten Antisemitisten, dessen Landschaftsmalerei mich begeistert… Genauso sehe auch ich die Welt – zugegebenermaßen vermutlich teilweise aufgrund meiner selbst- tönenden Brille… Ich bekam Lust wieder zu malen. Nachdem einmal mein Fotoapparat in Portugal kaputt ging war ich in den neunziger Jahren zu kolorierten Zeichnungen übergegangen und hatte jahrelang großen Spaß daran – bis ich mir wieder einen Fotoapparat zulegte. Vielleicht besorge ich mir doch mal wieder ein paar Farben…

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Berlin – Raus mit dem Krempel! – Covid19 sorgt für Ordnung im Heim

Ausmisten scheint seit Wochen die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen zu sein. Zumindest in Berlin. Vermutlich wird vielen die Wohnung zu eng weil sie ihr homeoffice installiert haben. Vor jedem dritten Haus wird wohlmeinend ein Sperrmüll eröffnet. Könnte ja sein, jemand anders braucht gerade diesen durchgesessenen Sessel, jenes ausgeblichene T-Shirt oder steht auf die kultigen schief gelatschten Schuhe aus dem Jahr 2010. Manchmal ist auch was brauchbares dabei. Heute fand ich zum Beispiel den Aktenordner für meine nächste Steuererklärung und Wäscheklammern.

Neulich beobachtete ich einen Mann, der Fotos von einem riesigen potthässlichen Puppenhaus machte, seine Tochter anrief und fragte, ob sie sich das wohl gerne holen möchte. Entweder ist das ein Akt bedingungsloser Liebe oder – was ich für wahrscheinlicher halte – es handelt sich um einen geschiedenen Vater.

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Mexiko/Zitim/Chiapas – Ein Traum ist wahr geworden – Einweihungsfeier der neuen Klinik

Endlich will ich über die schon nicht mehr ganz so taufrischen Neuigkeiten aus der kleinen Gemeinde Zitim im Süden Mexikos berichten! Es ist ein seltsames Phänomen, dass ich die Dinge die mir am wichtigsten sind oft am längsten vor mir her schiebe!

Gott sei Dank hatten wir am 2. Februar noch freudig und unbeschwert vom Corona-Thema die Einweihung des Klinik-Neubaus gefeiert. Es war ein wunderbares Fest zu dem etwa 100 Leute gekommen waren.

Schon Tage vorher begannen die Vorbereitungen mit viel Hilfe der Großfamilie. Alles wurde hergerichtet, zwei Ziegen und mehrere Hühner mussten ihr Leben lassen und wurden zu „Barbacoa“ verarbeitet – einer Art Gulasch auf mexikanisch, mit vielen Gewürzen und Chili.

Am Sonntag war es dann soweit. Nach der großen Messe aller versammelten 11 Dörfer der Diözese, auf der an diesem Tag auch die Kommunion der Geschwister Juana(11) und Leo(15) stattfand, begann am frühen Nachmittag die Einweihungsfeier mit der Segnung der Klinik.

Während der Zeremonie fühlte ich, wie sehr berührt ich war. Diese jahrelange starke Vision der Familie, eine neue Klinik für ihre Gemeinschaft zu bauen, war im Laufe der Zeit auch zu meiner geworden und hat sich nun realisiert. „Glaube versetzt tatsächlich Berge!“ dachte ich. Hier steht das wunderschöne neue Gebäude, an dessen Bau so viele helfende Hände aus unterschiedlichen Orten der Welt in verschiedenster Weise beteiligt waren. Ich bin ein bisschen stolz, dass auch ich einen Teil dazu beigetragen habe. Mir liefen vor Ergriffenheit und Freude die Tränen – aber gleich bekam ich von Josue eine Aufgabe: er bat mich Fotos zu machen.

Nach der sehr feierlichen Segnung wurde von den jungen Mädchen und jungen Männern der Familie das Essen aufgetragen, während eine Zwei-Mann-Band schon mit ihrem Musikprogramm begann. Danach dauerte es nicht lange und es wurde getanzt bis in die Abendstunden. Sogar die Omas entschlossen sich die Hüften zu schwingen – ein historisches Ereignis! Es war ein sehr schönes Fest.

Am nächsten Tag ging es dann dran, alles wieder aufzuräumen. Viele Hände machten der Arbeit schnell ein Ende.

Vor etwa einer Woche habe ich mit Josue kommuniziert und erfahren, dass es zum Glück bisher keine Anzeichen dafür gibt, dass jemand im indigenen Dorf sich infiziert haben könnte. Alle Kranken kommen mit den üblichen Symptomen und niemand ist mit Atemwegsproblemen gestorben. Sie versuchen, die Leute zu sensibilisieren und predigen vor allem die Wichtigkeit des Hände waschens. Man muss wissen, dass viele Menschen kein fließendes Wasser haben und das kostbare, über weite Strecken herangeschleppte Nass nicht zum Hände waschen „vergeuden“ wollen. Auch Seife können sich die meisten Familien nicht leisten… Sie benutzen für Haut, Haare, Geschirr und Wäschewaschen „Blanca nieves“, ein aggressives Waschpulver von dem mir sofort die Hände kaputt gehen.

Am Tag meines Abschieds wurde mir noch folgende Anekdote berichtet:

Den Erstklässlern einer Familie die ihr Wasser mühsam auf den Berg hoch buckeln muss, wurde von der Lehrerin beigebracht, wie richtiges Hände waschen zu sein hat: Nass machen, gründlich einseifen und mit ausreichend viel Wasser abspülen. Sehr motiviert belehrten die Kinder zu Hause ihre jüngeren Geschwister, Cousins und Cousinen, wobei sie sämtliches Wasser verbrauchten das Mutter und Großmutter in 2 großen Eimern herangeschleppt hatten. Da setzte es was! Sie bekamen tüchtig Schelte – und ich hoffe keine Schläge…

Mittlerweile hat es schon ein paar mal stark geregnet, es ist zu hoffen, dass zumindest der Wassermangel während der kommenden Regenzeit behoben ist.

Josue erzählte mir, dass viele Leute glauben, das Virus existiert nicht, sondern wurde von der Regierung oder „dem Kapitalismus“ erfunden um ihnen Angst einzujagen und sie auszurotten. Die geforderten Schutzmaßnahmen verstören die Menschen. Da sie sozusagen von der Hand in den Mund leben, würden sie verhungern, wenn sie zu Hause bleiben und ihre Arbeit unterbrechen. Natürlich gibt es auch in Mexiko die Kontaktsperre und Aufforderung zum Tragen von Mundschutz. In den indigenen Dörfern KANN das niemand einhalten. Man lebt in Großfamilie, nicht mal jeder hat ein eigenes Bett, oft schlafen mehrere Kinder in einem Bett oder bei den Großeltern, Kleinkinder schlafen eh´ im Elternbett.

Andere glauben, die Pandemie ist die Strafe Gottes und wird die dahinraffen die nicht „richtig“ glauben oder die gesündigt haben. Sie versuchen sich zu schützen nach dem Motto: „Da hilft nur beten!“ es wäre wünschenswert, dass sie das Hände waschen ebenso ernst nehmen…

Aber zumindest versuchen die Leute, nicht mehr in die Stadt zu fahren. Dennoch, viele Männer arbeiten in San Cristóbal auf dem Bau. Dort gibt es schon nachgewiesene Fälle von Covid19…Inzwischen ist der große Markt geschlossen worden. Ich denke daran, was Luis vor 4 Wochen geschrieben hat: „Wenn der Markt schließt werde ich wissen, dass die Lage ernst ist.“

Im Internet verfolge ich die Berichterstattung über die Entwicklung der Infektionszahlen in Mexiko. Heute las ich in einem Bericht über Mexiko City, dass die Zahlen nach unten manipuliert sind und es um ein vielfaches mehr Fälle gäbe als angegeben. In den Krankenhäusern gäbe es katastrophale Zustände, Menschen werden abgewiesen oder liegen in den Gängen. „Was hat das mit der Pandemie zu tun?“ denke ich. Ist doch sonst auch nicht anders.

Ich mache mir jedenfalls weiterhin Sorgen, vor allem um die alten Leute. Ich hoffe, dass ich alle lebend antreffe wenn ich das nächste Mal nach Zitim komme.

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Berliner Umland/Briesetal – Mit der S-Bahn ins Wunderland

Vor einigen Tagen haben wir eine fantastische Frühjahrswanderung entlang des kleinen Flüsschens Briese nördlich von Berlin gemacht. Die Briese ist schon ziemlich alt, sie entstand in der Eiszeit. Leider führt sie nicht genug Wasser um sie mit dem Kanu zu befahren.

Das Frühjahr ist die perfekte Jahreszeit um hier zu spazieren: Gerade beginnen die Blätter zu sprießen und tauchen alles in ein frisches, fast grelles Grün, aber dennoch fällt viel Sonnenlicht ein, weil die Bäume noch wenig belaubt sind.

Diese Wanderung zähle ich zu den schönsten Naturerlebnissen seit Jahren – und ihr wisst, wie viel und wo ich überall unterwegs war!!! Da reist man um die halbe Welt und hat so was in Berlin, unglaublich! Umso mehr, weil man ganz gemütlich von seiner Haustür mit der S-Bahn hierher fahren kann!

Traurig war, zu sehen, dass aufgrund des Wassermangels der letzten Jahre massenhaft große alte Bäume entwurzelt sind.

Natürlich waren wir nicht die einzigen die hier unterwegs waren, wovon das Papier zeugte, von dem der Weg gesäumt war. Wir fragten uns fassungslos, wieso die Leute massenhaft direkt am Wegrand ihr Geschäft verrichten und dann ihr Klopapier nicht mal mitnehmen! Ich kapierte das nicht und regte mich furchtbar darüber auf. „Das sind Frauen!“ behauptete Máximo. Ich konnte nichts dagegen setzen – denn Männer benutzen nun mal kein Klopapier wenn sie im Wald pinkeln.

Es ließ mich nicht los und ich erzählte mehreren Leuten empört von der Schweinerei. Schließlich präsentierte mir meine Schwägerin des Rätsels Lösung: Das war kein Klopapier, das waren Tempos! Man soll Taschentücher sofort nach Benutzung wegschmeißen, wegen Covid19, das nimmt „der Berliner“ wohl allzu wörtlich! Kann man so blöd sein???

Ich frage mich und meine auswärtigen Leser, ob die Bevölkerung in andern Landstrichen ebenso dermaßen ignorant und der Natur entfremdet ist?

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Wriezen/Oderbruch – Das wunderbarste Brautpaar der Welt

Heute ist ein besonderer Tag. Ein Tag an dem ich sehr bewegt zurückblicke in meine ferne Kindheit. Am 2. Mai 1969 haben meine Tante und mein Onkel geheiratet. Als eines der schönsten Feste meines Lebens, ganz sicher als schönste Hochzeit die ich jemals erlebte, ist mir dieser Tag in lebendiger Erinnerung.

Wie wir heute am Telefon feststellten, habe ich die unwesentlichen Fragmente – die standesamtliche Heirat – verdrängt, mein Hirn konzentriert sich auf die interessanteren und erfreulichen Ereignisse!

Da erscheint zuerst dunkel vor meinem geistigen Auge der Polterabend an dem erstaunliche Mengen von Porzellan zu Bruch gingen, dessen Scherben das Brautpaar zusammenkehren musste.

Die kirchliche Trauung ist viel präsenter; hatten wir mit meinem Bruder als Blumenkinder doch eine der bedeutendsten Funktionen inne! Während ich überaus ernsthaft und konzentriert einzelne Blümchen in korrekten Abstand fallenließ, schmiss der kleine Bruder mit vollen Händen verschwenderisch die Blüten herum, was meine Besorgnis erregte.

Als die Trauungszeremonie soweit vorangeschritten war, dass die Hochzeitsgäste (zu meiner Verwunderung und Irritation) mehr oder weniger verstohlen in ihre Taschentücher schnieften, entwischte der Knirps und schritt entschlossen auf den Altar zu, weiterhin mit vollen Händen Blumen verteilend, was der rührseligen Stimmung eine erfreuliche Wendung gab. Ein amüsiertes Lächeln zog über die Gesichter, außer vielleicht über das meiner Mutter, die kurzzeitig unter Druck geriet.

Vom üppigen Mittagessen – mein Onkel war Sohn des regional berühmten Metzgermeisters – ist mir vor allem eine Zitronencreme in Erinnerung, die sich unauslöschlich in meine Geschmacksknospen eingebrannt hat! Ich habe viel später einige Male versucht, eine solche Köstlichkeit herzustellen und es schließlich aufgegeben, weil ich nie auch nur annährend in der Lage war ein vergleichbares Ergebnis zu erreichen.

Das Highlight der Nachspeise wurde jedoch noch übertroffen von der Party, zu der Lifemusiker aufspielten. Meine Kavaliere Konrad und Hartmut – Cousin und Bruder des Onkels – weckten in mir für immer die Leidenschaft fürs Tanzen. Ich erinnere mich, dass ich Konrad den Vorzug gab, weil es mir nicht gefiel, dass Hartmut mich um anderthalb Köpfe überragte. Seltsamerweise gibt es in meiner Erinnerung ab einem bestimmten Punkt nur noch den Tanz und mich, ich war im siebten Himmel! Mein Endorphinrausch wurde irgendwann jäh unterbrochen, als ich aus mir noch heute unerklärlichen Gründen ins Bett geschickt wurde, vermutlich weil mein kleiner Bruder müde wurde und es so für unsere Eltern „ein Abwasch“ war.

Viel lieber hätte ich heute persönlich mit Tante und Onkel in diesen Erinnerungen geschwelgt als am Telefon… Ich sendete ein paar abfotografierte Hochzeitsbilder und dabei kam ich auf eine geniale Idee! Wie ich es mir schon dachte, bejahten sie die Frage, ob sie ihren Hochzeitsstaat noch im Kleiderschrank haben! Ich schlug vor, die Sachen nochmals anzuziehen und Hochzeitsbilder zu machen. Erst wollten sie nicht so recht und suchten Ausreden, vor allem der Onkel ;-): Hose passt nicht mehr, Hemd und Fliege schon laaaange weggegeben, da muss dann extra noch ein Schlips geknotet werden, Selbstauslöser – wie geht denn das?… Ich ließ nicht locker, zu begeistert war ich von der Idee! Schließlich lenkte der Onkel ein und sagte mir: „Wenn Tante Maria das Kleid anzieht, dann mach´ ich mit!“ Juchuuuuh!

Gespannt wartete ich auf die Fotos, die prompt nach einer Weile kamen, mit der Nachricht: „Passt alles nach 51 Jahren, auch wenn die Hose kneift. Die Prozedur hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Und das alles auf Deinen Wunsch!“ Ich war so gerührt, dass nun mir, wie damals den Hochzeitsgästen, die Tränen kamen.

Danke Tante Maria und Onkel Horst! Ihr seid ein wunderbares Paar!

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