Smog über Mexiko City

Mexiko City liegt in einem Tal auf 2200 m Höhe und ist von Bergen umgeben, die man oft nicht klar erkennen kann. Der Himmel über der Stadt ist selten richtig blau. Durch die Luftverschmutzung ist die Fernsicht getrübt. Eine riesige Glocke Feinstaub breitet sich bis weit über die Stadtgrenzen aus. Ich merke den Smog auch daran, dass meine Nase von einer harten Borke verstopft ist. Iromi hatte Nasenbluten, das ist mir auch einmal passiert als ich das erste Mal länger hier war. Marys Augen röteten sich und begannen zu jucken.

Luis hat mir eine App auf dem Handy installiert die den Grad der Luftverschmutzung anzeigt. Personen mit Atemwegserkrankungen wird empfohlen, sich an Tagen mit besonders hoher Kontamination nur in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Wir liegen aber noch im grünen Bereich! Nach welchen Maßstäben auch immer…
Nach dem Ferien Endes hat der Verkehr noch zugenommen und die Luftqualität hat sich weiter verschlechtert. Ein Grauschleier liegt über der City. An jeder größeren Straßenkreuzung arbeiten Fensterputzer, Artisten und Menschen jeden Alters die mit ihrem Bauchladen durch die Autoreihen laufen. Ich überlege, ob ich mir lieber einen Mundschutz anlege, im Stadtbild ist das hier nichts besonderes. Aus denselben unerklärbaren Gründen wie ich ohne Helm Rad fahre lasse ich es sein.



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Im Touribus durch Mexiko City

In der Stadt Mexico leben etwa 8 Millionen Menschen, während der gesamte Bundesstaat – also sozusagen die Stadt plus Speckgürtel – etwa 22 Millionen Einwohner zählt.

Diese Stadt schläft eigentlich nie – außer in der Hauptferienzeit, der Osterwoche – und eben am Jahreswechsel! (Wobei Luis mir versichert hat, dass in anderen Vierteln als dem unseren ordentlich gefeuerwerkt wurde)

Wir hätten keinen besseren Tag als den 1. Januar für unsere Tour im Citybus wählen können. Ohne den üblichen Stau fuhren wir gemütlich auf dem Sonnendeck durch das Zentrum, stiegen ab und zu aus und spazierten herum. Die Mischung modernster Architektur und abgerissener Fassaden auf engstem Raum ist faszinierend. Vom Oberdeck aus fallen die abenteuerlichsten Elektroinstallationen ins Auge, selbst im mondänen Viertel Polanco der schönste Kabelsalat.

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Singen am Straßenrand – das Glück privilegiert zu sein

Ich wollte meine Ukulele reparieren lassen und ging zu einen Markt auf dem Instrumente verkauft und gebaut werden.

Neben den Straßenhändlern saß ein älterer Mann mit seiner Gitarre auf einem Hocker und sang mit Inbrunst alte mexikanische Boleros. Ich setzte mich dazu, lauschte seinen Liedern und begann mit den Leuten zu quatschen. So erfuhr ich, dass Jorge Antonio García ein Spätberufener ist. Er hatte immer dabei gesessen wenn die gestandenen Musiker spielten. Eines Tages hatten sie ihn aufgefordert auch mal zu singen und vermutlich waren sie aus allen Wolken gefallen als sie seine Stimme hörten. Nachdem er nun aus berufenem Munde gehört hatte, dass er unbedingt singen müsse, hatte er vor 4 Jahren begonnen, sich dem Gesang und Gitarrenspiel zu widmen.

„Was für ein Glück, dass Sie ihre Leidenschaft entdeckt haben!“ sagte ich. Er lachte: „Nein, das ist kein Glück, das ist ein Privileg!“

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Pasteleria „Ideal“ – Riesentorten für die Großfamilie

Die riesige Pasteleria verkauft gigantische Kuchen und Torten für alle Festlichkeiten denen mexikanische Großfamilien ausgesetzt sind: Baby -Shower, Geburt, erster, zweiter… und vor allem 15. Geburtstag (Mädchen), Hochzeit, Taufe, goldene Hochzeit, Berufsabschluß…

Beerdigungstorten habe ich nicht gesehen, aber vermutlich kann man die auch noch bestellen.

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„La Habana“ – Café der Poeten und Revolutionäre

Luis führte mich in´s geschichtsträchtige Café „La Habana“, das noch den originalen Charme der 50ger Jahre besitzt in denen es eröffnet wurde. Hier verkehrten Octavio Paz, Gabriel Garcia Marquez und andere berühmte Schriftsteller.

Fidel Castro und Che Guevara sollen im „La Habana“ die Kubanische Revolution geplant haben. Mir ist aber nicht klar geworden, ob das Café deswegen den Namen bekam oder ob die Revolutionäre aus Nostalgie diesen Ort aufsuchten.

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Nationalmuseum für Anthropologie – im Spaziergang durch die Jahrtausende

Zu den meist besuchten Museen der Welt gehört das Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko City. Bisher war ich immer davor zurückgeschreckt, denn es ist gigantisch groß (die Ausstellungsfläche beträgt 79.700 m²). Heute endlich bin ich dort gewesen.

Die 22 Austellungsareale sind in einem imposanten Gebäudekomplex untergebracht, der 1964 eröffnet wurde und noch immer sehr modern wirkt.

Man erfährt die grundlegenden geschichtlichen Zusammenhänge über Mexiko – bzw. über das Gebiet in dem das heutige Mexiko liegt. Äußerst schön präsentierte Ausstellungstücke aus den verschieden Regionen des Landes illustrieren Geschichte, Bräuche, Religionen und Politik der jeweiligen Landesteile bzw. Ethnien. Mexiko ist nicht nur ein riesiger, sondern auch ein geschichtsträchtiger Vielvölkerstaat mit unermesslichem kulturellen Reichtum.

Die geschichtlichen und politischen Zusammenhänge sind so komplex, dass ich mich überfordert fühle sie abstrakt zu erfassen. Ich brauche es eher konkret und lasse mich deshalb von meinen persönlichen Erfahrungen oder vom Augenblick inspirieren. Davon ausgehend entwickelt sich meine Neugierde und dann forsche ich auch gern nach. So lag es nahe, dass ich zuerst den Maya – Sektor aufsuchte. Danach war ich schon platt! Dabei fehlten mir noch genau die restlichen 21 Sääle!!! Ich schleppte mich weiter zu den Méxica und dann erst mal in die Cafetería…

Nach der Pause hatte ich Kraft für die der Einführung in die Anthropologie und der menschlichen Frühgeschichte gewidmeten Sektionen. Weiter ging´s nach Teotihuacan und Tula, archäologische Stätten die ich ja gerade besucht hatte.

Ich spazierte noch durch mehrere andere Kulturen, konnte jedoch gar keine Informationen mehr aufnehmen, sondern bewunderte nur die schönen Ausstellungsstücke. Und schon war es 19 Uhr und das Museum schloss seine Pforten. Hier könnte man locker einen Monat verbringen ohne sich zu langweilen!

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Tula – Toltekische Giganten hinter Stachelwald

Tula, etwa 2 Busstunden von Mexiko City entfernt im Bundesstaat Hidalgo, ist bekannt wegen der Ruinen einer einstmals bedeutenden Stadt der Tolteken. 900-1150 n. Chr. zählte die Stadt 35 000 Einwohner.

Heute wohnen in Tula mehr als 100.000 Menschen, jedoch finde ich die Stadt eher unspektakulär.

Auf der Busfahrt war zu sehen, dass der Smog von Mexiko City nahtlos übergeht in den Dreck, den die petrolchemischen Fabriken die Tula umgeben in die Luft schleudern. Die Sonne brannte vom Himmel, doch so richtig drang sie nicht durch. Es sah aus wie früher in Wolfen/Bitterfeld und es roch auch so.

Die Ausgrabungsstätte war erstaunlich wenig besucht, dafür wie viel Werbung überall für die Hauptattraktion gemacht wird: die Atlanten, vier fast 5 Meter große steinerne Krieger die auf einer relativ flachen Pyramide stehen. Zu Zeiten der Tolteken waren diese Figuren von außen gar nicht zu sehen, denn sie dienten als Säulen für eine weitere Etage der Pyramide.

Natürlich sind die Atlanten eindrucksvoll. Aber zu meiner Überraschung entdeckte ich eine weitere Attraktion mit der ich gar nicht gerechnet hatte und die mich eigentlich noch mehr begeisterte: den Kakteenwald der die Ausgrabungsstätte umgibt!

Die Landschaft die wir durchfahren hatten ist staubig und knochentrocken. Eigentlich sieht es genau so aus, wie ich mir als Kind Mexiko vorgestellt hatte: Halbwüste, heiß, die Sonne ballert und es wächst nix außer ab und zu ein Kaktus. Ich wusste bisher nicht, dass Kakteen auch richtig dichte Wälder bilden können! Und man glaubt gar nicht, wie viel Schatten Kakteen werfen können! Diese hier waren augenscheinlich uralt und hatten richtige verholzte Stämme. Es gab ein paar angelegte Wege. Ich wanderte eine ganze Weile durch diesen märchenhaften Wald, in dem viele Vögel ihr Refugium finden und begegnete keiner Menschenseele, es war fantastisch!

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