Argentinien – Andenkartoffeln

Ich hatte schon oft gehört, dass es in den Andenländern Hunderte Sorten Kartoffeln gibt und war gespannt einige zu probieren!!

Hunderte habe ich nicht gefunden, aber doch genügend! Ich hätte viele gar nicht als Kartoffeln identifiziert, sondern eher als Wurzeln, ähnlich der vom Topinambur, der übrigens hier in Massen wächst, jedoch lediglich als lästiges Unkraut bewertet wird.

Die Andenkartoffeln die ich probierte hatten ganz unterschiedlichen Geschmack und Konsistenz. Einige fast wie die Kartoffeln die ich aus Deutschland kenne, süß oder ahnlich wie Yamswurzeln. Manche mehlig andere nicht. Ich hatte immer eine gute Mischung gekochter Kartoffeln als Proviant mit auf den Wanderungen, lecker!

Von einem Bauern der in Iruya seine Kartoffeln verkaufte erfuhr ich, dass der Geschmack nicht allein von der Sorte abhängt, sondern dieser sich bei einigen Kartoffeln verändert, wenn man sie ein paar Tage in die Sonne legt: dann werden sie süß.

Die Felder liegen in großer Höhe und an Berghängen! Sie sind meist nicht etwa gleich neben dem Haus gelegen, sondern erst nach einem langen Marsch zu erreichen. Eine Bäuerin erzählte mir, dass sie 15 Stunden zu Fuß über steile Pässe und in Höhen über 3000m hinaus unterwegs ist, um zu ihrem Feld zu gelangen!

Ich hatte immer zwischen etwas über einen bis knapp unter zwei Euro pro Kilo gezahlt. Ein Preis der mich wahrhaftig nachdenklich macht.

 

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Argentinien – Iruya und San Isidro – hinter mehr als 7 Bergen …

Eine Fahrt nach Iruya ist durchaus ein Abenteuer. Das abgeschiedene Dörfchen Iruya liegt in einen Tal auf 2700 m hinter mehr als 7 Bergen in der Provinz Salta, ist jedoch nur von der Quebrada de Humahuaca aus zu erreichen. Von der Hauptstraße die Richtung Bolivien führt zweigt man auf einen Schotterweg ab, der sich durch Mondlandschaft schlängelt, Flüsse quert und bedenklich spitze Kurven Haarscharf am Abgrund aufweist. „Jetzt nur keine Reifenpanne“ denke ich – wegen der Kälte. Auf Wasserpfützen ist Eis zu sehen und wir Fahrgäste sitzen dick eingemummt im zugigen Bus, der diesmal weder klimatisiert ist noch Bildschirme besitzt auf denen Actionfilme laufen. Ich hoffe, dass der Fahrer nicht zum ersten mal diese Reise macht und dass die Bremsen nicht versagen. Bei Pinkelpausen beobachte ich, dass er immer prüfend an den Reifen schnüffelt.
Obwohl ich bezweifele, dass Gott sich für die Geistesgegenwart des Fahrers und den Zustand der Bremsen verantwortlich fühlt, beginne ich gewisses Verständnis für Menschen zu entwickeln die sich vor Fahrtantritt bekreuzigen. Der freundliche Fahrer scheint zu wissen was er tut, seit 4 Jahren fährt er fast täglich diese Strecke – hin und zurück! Ich gebe mein Leben vertrauensvoll in seine Hand und kann die Fahrt genießen.

Der Fahrer lässt uns, die touristischen Fahrgäste (die Einheimischen schlafen!) abwechselnd an der Frontscheibe platzieren, wo man in jeder Kurve über dem Abgrund hängt und freut sich, dass wir seine Fahrkunst bewundern. „Bleib hier, gleich kommt noch eine scharfe Kurve!“ ruft er jedes mal begeistert wenn man Anstalten macht auf seinen Platz zurückkehren. Es geht stetig aufwärts. Ich packe mal wieder meine Cocablätter aus… Auf dem Gipfelpunkt unserer Fahrt, auf 4000m hält er sogar und lässt uns der Aussicht wegen aussteigen und Fotos machen. Mittlerweile sind wir – drei allein reisende Frauen und ich gute Freundinnen des Busfahrers! Hier oben verlassen wir die Provinz Jujuy und fahren viele Haarnadelkurven abwärts bis hinunter nach Iruya, das auf etwa 2700 Höhenmetern liegt. Ein Dorf mit einer magischen Ausstrahlung, in einer ziemlich engen Schlucht gelegen.

Von Iruya aus kann man mehrere Wanderungen unternehmen, ich habe zwei davon gemacht. Einen Aufstieg auf einen Berg von dem aus ich Kondore sah und eine Tageswanderung im Flussbett, hinauf zu einem noch abgelegeneren Dorf, während der ich mir genau 24 mal die Schuhe ausziehen musste um den Fluss zu durchwaten. Weil einem dadurch immer eine kleine Verschnaufpause beschert wird, ist die Wanderung trotz der Höhe gar nicht besonders anstrengend.

 

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Argentinien – Die Farben der Erde: Jujuy – Quebrada de Humahuaca

Wir besuchten Verwandte in San Salvador, der Hauptstadt der nördlichen Nachbarprovinz Jujuy. Beim Frühstück im Garten – ich kann es kaum fassen – nehmen Tucane ihre Mahlzeit in den Bäumen ein, nicht mal 20 Meter von uns entfernt, während wir Kaffee trinken!

Aber es kommt noch besser! Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Quebrada de Humahuaca, einer breiten Schlucht, die die Anden durchschneidet und das Flussbett für den Rio Grande de Jujuy bietet. Die Quebrada erstreckt sich 150 km weit Richtung Bolivien. Danach, bis zur Grenze, kommt nur noch Pampa. Die Schlucht beginnt auf etwa 2000 Höhenmetern und steigt allmählich bis auf knapp unter 4000 Meter an. Sie gehört zum Welterbe, sowohl ihrer landschaftlichen Schönheit als auch der Kultur wegen: hier führte der legendäre Inka-Trail entlang. In diesem Teil Argentiniens leben viele Leute indigener Abstammung, hauptsächlich Coya.

Die vielfarbigen vegetationsarmen Berge, die die Schlucht säumen weisen aufgrund verschiedener Minerale alle nur möglichen Erdfarben auf. Wir fuhren mit dem Auto durch die Schlucht und ich hyperventilierte fast! Aber nicht wegen der Höhe, sondern wegen der Aussicht…

Die Menschen leben hier unter rauen klimatischen Bedingungen. Es herrscht Wüstenklima. Wegen der Höhe gibt es kaum Wolken, die Höhensonne ist heiß und stechend, die Luft jedoch recht kühl. Oft weht für einige Stunden des Tages ein starker Wind, der den roten Staub durch die Luft treibt und in alle Ritzen dringt.

Bis zu den Häusern und den gewebten und gestrickten Kleidungsstücken aus Lama- und Schafwolle ist hier alles erdfarben – aber welche Farbpalette die Erde hervorbringt ist unbeschreiblich!! Die Harmonie zwischen Natur, den schlichten Häusern und den kunstvollen Handarbeiten scheint mir vollkommen.

Der Familienausflug in die Quebrada de Humahuaca hat mich so begeistert, dass ich nochmals für zwei Wochen hingefahren bin, um einige Wandertouren zu unternehmen.

 

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Argentinien – Medizin gegen die Höhen- und andere Krankheiten

In den letzten Wochen bin ich in Höhen aufgestiegen, die ich im Leben noch nicht erreicht hatte! Ich spreche jetzt von Höhenmetern. Die Anden sind wirklich mit nichts zu vergleichen was ich bisher kennengelernt habe.

Der höchste Punkt auf dem ich bisher gewesen bin lag 4350m über dem Meeresspiegel. Es gibt Pässe, die erheblich höher liegen, aber die habe ich noch nicht überquert.

Dennoch, auch in dieser Höhe kann die Höhenkrankeit – in Argentinien „Puna“ genannt – einen erwischen. Ich habe mehrmals erlebt, dass Leute abgeklappt sind. Ich selber habe zum Glück nie mehr gespürt, als dass das aufwärts gehen anstrengend ist und man sofort außer Atem gerät, einmal hatte ich leichte Kopfschmerzen.

Ich habe immer viel getrunken und wenig gegessen, aber v.a. bin ich dem Rat der Einheimischen gefolgt, Coca-Blätter zu benutzen, um die „Puna“ zu vermeiden! Tatsächlich kann man von der argentinischen Provinz Salta bis nach Peru ohne Probleme Cocablätter an jeder Straßenecke kaufen – legal! Aber keine Sorge, von Kokain ist man noch sehr weit entfernt wenn man ein paar Cocablätter kaut! Man braucht 10 kg Cocablätter um 1g Kokain herzustellen.

Übrigens kaut man die Blätter nicht, sondern steckt eine ungefähr Wallnuß- große Menge in die Backentasche und saugt immer ein bisschen. Ggf. mit etwas Natron, damit mehr Spucke entsteht, denn ansonsten wird der Mund schnell trocken. Nach einer Weile bekam ich ein leicht taubes Gefühl, in Ansätzen ähnlich wie nach einer Spritze beim Zahnarzt.

Die Blätter riechen sehr aromatisch und wenn man sie in der Tasche hat, dann dringt das Aroma nach einer Weile nach außen. Menschen die gerade Coca benutzen erkennt man leicht: sie sehen aus als hätten sie einen Abzess am Backenzahn und reden meist etwas undeutlich, außerdem verströmen sie den typischen Coca- Geruch.

Coca wirkt gegen die Höhenkrankheit, beruhigt den Magen-Darm-Trakt, besänftigt den Hunger und gibt den Menschen mehr Ausdauer und Gelassenheit. So sagt man. Ich vermute, dass es auf den ganzen Körper leicht betäubend wirkt. Sind Cocablätter eine „Droge“? Aufgrund des geringen Wirkstoffgehaltes wissenschaftlich gesehen  nicht.

Ich beobachte und habe erfragt, dass es in Salta und Jujuy eine Menge passionierte „Coca- Kauer“ gibt, die täglich – ohne sich in große Höhen oder andere anstrengende Umstände zu begeben – ihre Cocablätter konsumieren und ohne die nicht auskommen. Aber das sagt noch nix. Ich selbst komme nicht ohne Kaffee aus und gewöhne mich auch schon an Mate, von dem gefühlt mindestens 90% aller Argentinier definitiv abhängig sind. 

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Argentinien- Cachi, Provinz Salta

Cachi, ein Dorf etwa dreieinhalb Stunden kurvenreiche Busfahrt von Salta entfernt in den Valles Calchaquíes gelegen war unser Ziel für 2 Tage. Bei Regenwetter brachen wir in Salta auf, durch dichten Nebel schraubte sich der Bus immer höher, bis wir die Wolken unter uns ließen und uns im schönsten Sonnenschein auf einer riesigen Hochebene Cachi näherten. In dieser Höhe wachsen die Cardones, Riesenkaktuse, aus deren Holz hier Fenster, Türen, Dächer, Schränke… eigentlich alles konstruiert wird! Aber sie wachsen seeeehr langsam, etwa 1 cm pro Jahr!!! Es ist verboten sie abzuholzen, erst wenn der Kaktus eines „natürlichen Todes“ stirbt darf das Holz verwendet werden.

Das Dorf Cachi ist sehr hübsch und malerisch auf etwa 2300 Höhenmetern gelegen, umgeben von hohen Bergen die man von weitem sieht. Wir waren fast die einzigen Touristen. Viel zu tun gibt es hier im Dorf selber nicht, aber umso mehr Natur rundherum! Seht selbst!

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Argentinien – Asado und Parilla

In Argentinien ist der Asado (Grillen von Fleisch) und die Parilla (Grillen von Fleisch, Chorizo, Blutwurst, Organen und Eingeweiden) sehr beliebt. Das Grillen ist eine männliche Tätigkeit. Mann muss wissen, welches Fleisch sich am besten eignet und wo man es kauft. Und natürlich muss man wissen WIE man die jeweiligen Stücke zu grillen hat! Asado und Parilla hat REIN GAR NICHTS damit zu tun, einfach eingelegte Grillsteaks oder Grillwürste auf den Rost zu schmeißen!!! Nein! Es ist eine mehrstündige und Erfahrung erfordernde Angelegenheit. Und es ist auf jeden Fall unvergleichlich VIEL leckerer! Pro Person rechnet man etwa ein halbes Kilo Fleisch! Aktuell oft weniger, denn aufgrund der Inflation ist das Fleisch viel teurer geworden…

Die Frauen sind für die Beilagen zuständig: Salate, Gemüse, Choclo (gekochte Maiskolben), Brot.

Das Grillen von Gemüse, Halloumikäse oder vegetarischen Sojawürsten u.ä. wird übrigens hier nicht zelebriert.

Überhaupt scheint für die meisten Argentinier ein rein vegetarisches Menü kein Essen zu sein, sondern eine Beilage! Wohingegen viele ohne Gemüse sehr wohl auskommen können.

Da meine Kenntnisse in der Fleischzubereitung sehr unvollkommen sind bin ich hier Hausfrauenmäßig auf jeden Fall nicht auf dem Stand.

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Argentinien – Familienleben in Salta

Mein Ziel ist Salta, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden Argentiniens. „Salta, la linda!“ sagt ausnahmslos jeder der hört, dass ich hier her fahre. Landesweit reicht der Ruf als schöne Stadt.

Ja, die Stadt auf 1200 Höhenmetern ist schön, mit einem kolonialen Zentrum, umgeben von bewaldeten Bergrücken. Außerdem hat die Provinz Salta eine spektakuläre Natur zu bieten, allein dafür lohnt eine Reise hierher!

Für mich jedoch ist der Grund meines Kommens in erster Linie ein anderer: hier werde ich Máximo treffen und seine Familie kennenlernen.

Salta empfängt mich mit einer dichten Wolkendecke, darunter Grün soweit das Auge reicht, ein voller Kontrast zur trockenen Landschaft die Mendoza umgibt.

Am Flughafen ein herzliches Willkommen, der Onkel erwartet mich: „Du wirst hier in Salta viele freundliche Menschen treffen!“ So ist es; ich bin das erste Mal hier und kenne niemanden, aber so fühlt sich das gar nicht an! Die Familie ist zahlreich und überall wo ich hinkomme werde ich sofort eingemeindet.

Natürlich weiß ich nicht, wie andere Familien leben, aber ich wage mal zu behaupten, dass das (Groß)Familienleben hier einen äußerst hohen Stellenwert besitzt. Freunde… ja, die gibt’s wohl auch noch. Mir scheint jedoch; der Freundeskreis ist marginal, die Hauptkommunikation findet innerhalb des Familienclans statt. Jedenfalls erlebe ich es in dieser Familie so.

Máximo ist seit mehreren Jahren das erste Mal wieder da und er bleibt nur drei Wochen. In diesen drei Wochen habe ich mehr Eindrücke zu verarbeiten als im letzten halben Jahr zusammen genommen. Wir werden überall eingeladen, bei diversen legendären asados (Grillessen) werden viertel Kühe verspeist, musiziert, gesungen und getanzt. Wir machen mit Schwestern, Schwagern, Nichten, Neffen, Oma und Enkeln diverse Ausflüge und Kurzreisen in die beeindruckende Bergwelt der Anden.

Ständig kommt jemand vorbei zum Mate trinken oder schwatzen, alle reden gleichzeitig und vermutlich deshalb laut, so dass ich oft nur die Hälfte oder missverstehe, abgesehen davon was mir alles völlig entgeht. Wenn ich mit einer Person allein rede klappt es gut, obwohl der Akzent hier ein anderer ist als in Mexiko, viel schneller gesprochen wird und auch viele Worte ganz anders sind.

Die drei Wochen vergehen wie im Flug. Schon ist Máximo wieder abgereist! Ich bleibe noch, um einige Ausflüge in die magische Welt der vielfarbigen Berge mit mehr Zeit zu wiederholen. Eine solch phantastische Landschaft habe ich vorher noch nie gesehen, das muss ich einfach länger genießen.

Nach Máximos Abreise kehrt – relative – Ruhe ein. Aber nicht wirklich; schließlich ist dies eine argentinische Familie! 😉

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