Berliner Umland und Mecklenburg – ein Paradies für Wasserratten

Der Sommer in Berlin bestand für mich dies Jahr vor allem aus vielen kleinen Fluchten mit dem Paddelboot. Seit ich im April ein aufblasbares Kanu gekauft hatte bin ich bei jeder Gelegenheit auf dem Wasser, allein oder in Begleitung.

Das Kanu war nicht besonders wendig, aber zufriedenstellend zu steuern. Leider hielt die linke Kammer die Luft nicht. Ich tauschte das Boot gegen ein anderes derselben Marke. Auch dieses Kanu verlor nach einiger Zeit etwas Luft, so dass man zwischendurch mal halten und ein paar Stöße nachpumpen musste, egal… Die Paddel waren allenfalls für ein Spielzeugboot zu gebrauchen, ich kaufte neue, da ging es flott voran! Es gab zwar noch ein paar andere Mängel, aber meinem Enthusiasmus tat das keinen Abbruch.

Die größte Schwachstelle dieses Kanus habe ich erst später bemerkt. Der Boden ist gummiert und sehr robust, aber oben besteht das Kanu aus textilem Material. Schon bei leichten Wellen oder einer zweiten Person an Bord ist kaum zu vermeiden, dass Wasser an die textile Kante schlägt und nach und nach ins Boot dringt. In den ersten Wochen war es wenig Wasser, aber nach diversen Touren schien der Stoff durchlässiger geworden zu sein, so dass ich nun nach spätestens 2 Stunden sozusagen in einer bleischweren Badewanne literweise Wasser durch die Gegend paddelte! Damit nicht genug; man brachte das Kanu auch bei bestem Wetter nie trocken nach Hause. Es musste mindestens 2 Tage (nochmals aufgeblasen!) trocknen, lag also immer im Zimmer herum.

Das ist kein Zustand, beschloss Máximo, rief beim Verkäufer an und forderte Rücknahme. Ich selbst hätte vermutlich mit meinem Kanu im Zimmer weitergelebt, gepumpt und geschöpft…

Von Máximo forciert habe ich mich entschlossen, ein anderes Modell zu kaufen. Aber – Oh Schreck! Die online Befragung ergab, dass in Berlin mittlerweile fast sämtliche Paddelboote ausverkauft sind! Lediglich 3 Läden hatten noch jeweils ein Boot auf Lager. Máximo ging für mich mit dem Sackkarren auf Kanu- Jagd. Im ersten Laden war ihm jemand zuvorgekommen, aber im zweiten erblickte er die begehrte Beute und schnappte sie sofort den Wassersport begeisterten Konkurrenten vor der Nase weg! Juhuuuu!!!

Bei 34 Grad im Schatten ging es auf Jungfernfahrt!!! Wir schleppten uns per S-Bahn in der Mittagshitze nach Zeuthen, denn früh hatte ich noch meine Hausbesuche zu erledigen. Ich fühlte mich wie eine Königin auf ihrem Thron in meinem neuen Paddelboot, das einen bequemen aufblasbaren Sitz hat und auch sonst diverse Vorteile aufweist. Sozusagen ein Umstieg vom VW Käfer aufs Wohnmobil ;-).

Mittlerweile habe ich schon diverse Touren mit dem neuen Paddelboot hinter mir und bin sehr begeistert. Kultiger war natürlich das alte Boot. Seufz…

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Uckermark/Berliner Umland – Wo Maisfelder mich an Costa Rica erinnern…

Vor 2 Wochen besuchte ich eine Freundin im Umland von Berlin.

Am Wochenende sind die Regionalzüge immer voll, die Uckermark ist sozusagen Vorgarten der großen Stadt und außerdem fährt der Zug weiter Richtung Ostsee…

Um mit dem Rad mitgenommen zu werden, war ich extra zum Hauptbahnhof gefahren, denn am Bahnhof Gesundbrunnen ist erfahrungsgemäß kein Reinkommen mehr. Als eine der letzten Glücklichen quetschte ich mich ins Gepäckabteil.
Die Uckermärkische Landschaft ist hügelig. Erinnerung an Radtouren in Dänemark kamen auf. Da hatte ich gelernt, dass Flachland zwar flach aussieht, das aber keineswegs heißt es gäbe keine Steigungen! Meine Kondition lässt trotz der Kilometer, die ich täglich bei meinen Hausbesuchen schrubbe, zu wünschen übrig. Radfahren in der Stadt hat Null Trainingseffekt und meine Freizeit habe ich dies Jahr bisher mit paddeln und nicht mit radeln verbracht.

Die abgeernteten Getreidefelder stimmten mich etwas traurig, irgendwie leitet das für mich gefühlsmäßig schon das Ende des Sommers ein! Dabei hat der für mich noch nicht mal richtig begonnen! Seit 2 Monaten bin ich kaum aus der Stadt raus gekommen! Naja stimmt nicht ganz, ich war in jeder freien Minute mit dem Paddelboot unterwegs, da sieht man natürlich wenige Felder.

Man sieht am Mais, dass in der entscheidenden Wachstumsphase der Regen gefehlt hat. Da nützt es auch nichts, dass das Juliwetter so durchwachsen war. Die spießige Stachlichkeit der Maispflanzen erinnerte mich an die Monokulturen der Ananasfelder in Costa Rica. Wie das Fernweh einem doch den Blick verklärt…

Die Freundin hat den Abschied von Berlin schon geschafft. Ihr Garten steht in schönster Blüte, sie wässert täglich. Ich denke an Barbera und das schöne Häuschen, das ich in ihrem wunderbaren Garten in San Cristóbal bewohnt habe und frage mich zum xten Male: Was habe ich in Berlin verloren?

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Berlin – Besuch in der „Corona-Sprechstunde“

Vor ein paar Tagen bekam ich abends plötzlich Kopfweh. Nachts erwachte ich mit Halsschmerzen. 6.45 Uhr klingelte der Wecker, inzwischen waren leichte Gliederschmerzen dazugekommen… Alles undramatisch – aaaber….
Erstmal den bestellten Schwangeren absagen. Dann wegen Test auf Covid19 telefonieren.

Gesundheitsamt hat noch keine Sprechstunde. Die Automatenstimme der Corona-Hotline schickt mich mittels drücken verschiedener Nummern im Kreis, die letzte Information lautet „Rufen Sie Ihren Hausarzt an.“ Hab ich nicht, ich bin eher Heilpraktiker-affin. Also rufe ich beim behandelnden Pneumologen an um zu erfahren, dass sie für Covid19-Verdacht nicht zuständig sind – klar, muss ja auch nicht sofort auf die Lunge schlagen.

Inzwischen ist es 8.30 Uhr. Anruf in der Arztpraxis um die Ecke „Bitte warten sie, wir sind gleich für sie da.“ Ich warte. Nach 10 Minuten bricht die Verbindung ab. Ich schicke Máximo mit meiner Krankenkassenkarte los um Information einzuholen, bzw. mich anzumelden. Wie sich raus stellt bin ich genau am richtigen Ort, es gibt eine extra Corona-Sprechstunde. Auf der Straße warten schon ein Dutzend potenzieller Coronakandidaten. Wie ich im Laufe der Zeit feststelle, sitzt ein weiteres Dutzend in den im Umkreis parkenden Autos.

Ich positioniere mich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und telefoniere reihum die Wöchnerinnen ab die ich heute besuchen wollte, in der Hoffnung, dass sie jetzt nicht in Paranoia verfallen. Scheint aber nicht der Fall, wir haben ja auch sehr vorschriftsmäßig immer Mundschutz benutzt. Klappt das Stillen? In welcher Farbe, kackt das Kind?…und weitere Fragen die ich hier mal nicht ausweiten will.
Während ich an der mittlerweile zugigen Ecke warte, wechselt das Wetter von sonnig und heiß auf wolkig und kühl. Ich friere. Außerdem muss ich aufs Klo, traue mich aber nicht weg, weil immer wieder Neuankömmlinge sich anstellen und ich befürchte, in der Warteschlange nach hinten zu rutschen. Máximo bringt meine Jacke. Gegen Mittag darf ich eintreten um allein im Warteraum Platz zu nehmen. Alle tragen Astronautenartige Schutzanzüge. Woher haben die die? Ich hab vom Hebammenverband einen einzigen Plastikkittel zugeteilt bekommen und ansonsten bei „nebenan.de“ ausrangierte große Männerhemden zum Schutzkittelbau erbettelt. (Brauchte ich zum Glück noch gar nicht.)

Im Wartezimmer fällt mein Blick auf schief hängende deprimierende Bilder von langweiligen Häuserwänden. Ich frage mich, mit welcher Intention und wer so was in einer Arztpraxis aufhängt.

Die vermummte Ärztin identifiziert mich bei der Abstrich-Entnahme als ihre Hebamme von vor 10 Jahren. Das hilft, um meinen Befund „cito“ zu machen, schon abends kriege ich vom Labor die Nachricht. Alles o.k., ich bin negativ, Juhuuu! Leider setzt trotzdem keine Blitzheilung ein. Aber nach 3 Tagen bin ich jetzt wieder fit, treffe die Schwangeren und besuche die Mütter. Telefonberatung ist einfach nicht so mein Ding.

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Berlin – Cucurrucucú Paloma, Cucurrucucú no llores…

Direkt vor meinem Balkon steht ein Baum. Drin nistet ein Taubenpaar.

Vor 30 Jahren war ich so naiv, ein Taubenpäarchen zu dulden, das sich ausgerechnet eine Ecke auf dem Balkon zum Nestbau ausgesucht hatte. Quasi berufsbedingt interessiert beobachtete ich den Brutprozess und war ganz gerührt, als die Täubchen schlüpften. Allerdings nervte mich bald das Gegurre, aber das wirklich Schlimme war der Dreck… Ich saß in der Klemme, meine mütterlichen Instinkte verkehrten sich in Ekel und ich begann die Paranoia des Jonathan Noel in Süskinds „Die Taube“ zu verstehen. Ich leugne es nicht; sobald die Jungen ihre ersten Flatterversuche starteten warf ich sie mit der Kehrschaufel über die Brüstung. Es gab einen Toten, die anderen haben überlebt.

Wie man sich vorstellen kann hatte ich den Nestbau im Baum mit Missfallen beobachtet. Ich hängte ständig einen Bügel mit Kleid in die offenen Fenster und wenn ich aus dem Haus ging verrammelte ich immer alles. Für einen Frischluft – Fanatiker wie mich sehr nervig. Die Idee die Steinschleuder aus Mexiko einzusetzen um den Hausbau zu vereiteln kam mir erst, als Mutter Taube gemütlich auf ihren Eiern saß, da hatte ich nicht mehr das Herz. Vermutlich eine typisch weibliche Aggressionshemmung!

Heute früh entdeckte ich eine Horde Nebelkrähen, die aufgeregt im Baum herum flatterten. Ich trat heraus und verscheuchte sie. Aber ich kam wohl zu spät. Kein Gurren mehr und das Nest ist leer. Nun vermisse ich meine nervigen Nachbarn…

Hier das schöne Taubenlied überhaupt, gesungen von Caetano Veloso!

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Klein Luckow – Es grünt so grün, wenn in Mecklenburg die Gräser blühen

Endlich – Mitte Juni!! – fuhren wir das erste Mal in diesem Jahr mit Freunden am Wochenende auf Máximos „Landsitz“ in Mecklenburg.

Bei unserer Ankunft begann es zu regen, länger als die Wetterapp vorausgesagt hatte, aber das machte nix denn das Schutzdach hatte gehalten, schon den dritten Winter. Stellvertretend für den Sternenhimmel sorgten die unter dem Dach installierten Leuchtkerzchen für Romantik.
Massen an Essen wölbte unsere Bäuche, fachgerecht am Grill geröstet, so wie es sich für ein argentinisches asado gehört! Lecker!!!

Ich hatte befürchtet, den großen Wohnwagen voller Pilze, Ratten oder anderem Getier vorzufinden, denn im Februar hatte Máximo festgestellt, dass irgendwo Wasser eindringt. Es war aber halb so schlimm wie erwartet.
Natürlich sieht es wie jedes Jahr nach viiiel Arbeit aus, da sich die Natur permanent gegen jeglichen Gestaltungswillen auflehnt und in diesem Jahr hat die Pandemie ihr einen gewaltigen Vorsprung verschafft. Sanft wiegen sich hüfthohe Gräser im Wind, stachlige dichte Brombeerhecken ragen mannshoch auf und haben im Wettbewerb mit Brennesseln nicht nur jeden Pfad überwuchert, sondern auch sonst Land gewonnen.

Máximo, der seine Freizeit nicht mit sportlicher Betätigung vergeudet, scheut keine körperliche Anstrengung wenn er auf dem terreno ackert! Mit ungezügelter Manneskraft rückte er am sonnigen Sonntag dem Wildwuchs gnadenlos zu Leibe. Im Schweiße seines Angesichts schwang er die Machete – der Benzin-getriebene Rasentrimmer darf nicht die heilige Sonntags-Ruhe der einzigen Nachbarin stören. Hernach tat ihm jeder Knochen weh, aber das Ergebnis beeindruckt. Er ruhte nicht eher, als bis er trotz der Rohheit der Methode ein liebliches Ambiente aus gemähten Inseln geschaffen hatte in dem sich seine Gäste wohlfühlen. Den Rest besorgten die umher tollenden Kinder, am Ende war ein gut Teil des langen Grases platt getreten.

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