Berlin – Besuch in der „Corona-Sprechstunde“

Vor ein paar Tagen bekam ich abends plötzlich Kopfweh. Nachts erwachte ich mit Halsschmerzen. 6.45 Uhr klingelte der Wecker, inzwischen waren leichte Gliederschmerzen dazugekommen… Alles undramatisch – aaaber….
Erstmal den bestellten Schwangeren absagen. Dann wegen Test auf Covid19 telefonieren.

Gesundheitsamt hat noch keine Sprechstunde. Die Automatenstimme der Corona-Hotline schickt mich mittels drücken verschiedener Nummern im Kreis, die letzte Information lautet „Rufen Sie Ihren Hausarzt an.“ Hab ich nicht, ich bin eher Heilpraktiker-affin. Also rufe ich beim behandelnden Pneumologen an um zu erfahren, dass sie für Covid19-Verdacht nicht zuständig sind – klar, muss ja auch nicht sofort auf die Lunge schlagen.

Inzwischen ist es 8.30 Uhr. Anruf in der Arztpraxis um die Ecke „Bitte warten sie, wir sind gleich für sie da.“ Ich warte. Nach 10 Minuten bricht die Verbindung ab. Ich schicke Máximo mit meiner Krankenkassenkarte los um Information einzuholen, bzw. mich anzumelden. Wie sich raus stellt bin ich genau am richtigen Ort, es gibt eine extra Corona-Sprechstunde. Auf der Straße warten schon ein Dutzend potenzieller Coronakandidaten. Wie ich im Laufe der Zeit feststelle, sitzt ein weiteres Dutzend in den im Umkreis parkenden Autos.

Ich positioniere mich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und telefoniere reihum die Wöchnerinnen ab die ich heute besuchen wollte, in der Hoffnung, dass sie jetzt nicht in Paranoia verfallen. Scheint aber nicht der Fall, wir haben ja auch sehr vorschriftsmäßig immer Mundschutz benutzt. Klappt das Stillen? In welcher Farbe, kackt das Kind?…und weitere Fragen die ich hier mal nicht ausweiten will.
Während ich an der mittlerweile zugigen Ecke warte, wechselt das Wetter von sonnig und heiß auf wolkig und kühl. Ich friere. Außerdem muss ich aufs Klo, traue mich aber nicht weg, weil immer wieder Neuankömmlinge sich anstellen und ich befürchte, in der Warteschlange nach hinten zu rutschen. Máximo bringt meine Jacke. Gegen Mittag darf ich eintreten um allein im Warteraum Platz zu nehmen. Alle tragen Astronautenartige Schutzanzüge. Woher haben die die? Ich hab vom Hebammenverband einen einzigen Plastikkittel zugeteilt bekommen und ansonsten bei „nebenan.de“ ausrangierte große Männerhemden zum Schutzkittelbau erbettelt. (Brauchte ich zum Glück noch gar nicht.)

Im Wartezimmer fällt mein Blick auf schief hängende deprimierende Bilder von langweiligen Häuserwänden. Ich frage mich, mit welcher Intention und wer so was in einer Arztpraxis aufhängt.

Die vermummte Ärztin identifiziert mich bei der Abstrich-Entnahme als ihre Hebamme von vor 10 Jahren. Das hilft, um meinen Befund „cito“ zu machen, schon abends kriege ich vom Labor die Nachricht. Alles o.k., ich bin negativ, Juhuuu! Leider setzt trotzdem keine Blitzheilung ein. Aber nach 3 Tagen bin ich jetzt wieder fit, treffe die Schwangeren und besuche die Mütter. Telefonberatung ist einfach nicht so mein Ding.

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Berlin – Cucurrucucú Paloma, Cucurrucucú no llores…

Direkt vor meinem Balkon steht ein Baum. Drin nistet ein Taubenpaar.

Vor 30 Jahren war ich so naiv, ein Taubenpäarchen zu dulden, das sich ausgerechnet eine Ecke auf dem Balkon zum Nestbau ausgesucht hatte. Quasi berufsbedingt interessiert beobachtete ich den Brutprozess und war ganz gerührt, als die Täubchen schlüpften. Allerdings nervte mich bald das Gegurre, aber das wirklich Schlimme war der Dreck… Ich saß in der Klemme, meine mütterlichen Instinkte verkehrten sich in Ekel und ich begann die Paranoia des Jonathan Noel in Süskinds „Die Taube“ zu verstehen. Ich leugne es nicht; sobald die Jungen ihre ersten Flatterversuche starteten warf ich sie mit der Kehrschaufel über die Brüstung. Es gab einen Toten, die anderen haben überlebt.

Wie man sich vorstellen kann hatte ich den Nestbau im Baum mit Missfallen beobachtet. Ich hängte ständig einen Bügel mit Kleid in die offenen Fenster und wenn ich aus dem Haus ging verrammelte ich immer alles. Für einen Frischluft – Fanatiker wie mich sehr nervig. Die Idee die Steinschleuder aus Mexiko einzusetzen um den Hausbau zu vereiteln kam mir erst, als Mutter Taube gemütlich auf ihren Eiern saß, da hatte ich nicht mehr das Herz. Vermutlich eine typisch weibliche Aggressionshemmung!

Heute früh entdeckte ich eine Horde Nebelkrähen, die aufgeregt im Baum herum flatterten. Ich trat heraus und verscheuchte sie. Aber ich kam wohl zu spät. Kein Gurren mehr und das Nest ist leer. Nun vermisse ich meine nervigen Nachbarn…

Hier das schöne Taubenlied überhaupt, gesungen von Caetano Veloso!

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Klein Luckow – Es grünt so grün, wenn in Mecklenburg die Gräser blühen

Endlich – Mitte Juni!! – fuhren wir das erste Mal in diesem Jahr mit Freunden am Wochenende auf Máximos „Landsitz“ in Mecklenburg.

Bei unserer Ankunft begann es zu regen, länger als die Wetterapp vorausgesagt hatte, aber das machte nix denn das Schutzdach hatte gehalten, schon den dritten Winter. Stellvertretend für den Sternenhimmel sorgten die unter dem Dach installierten Leuchtkerzchen für Romantik.
Massen an Essen wölbte unsere Bäuche, fachgerecht am Grill geröstet, so wie es sich für ein argentinisches asado gehört! Lecker!!!

Ich hatte befürchtet, den großen Wohnwagen voller Pilze, Ratten oder anderem Getier vorzufinden, denn im Februar hatte Máximo festgestellt, dass irgendwo Wasser eindringt. Es war aber halb so schlimm wie erwartet.
Natürlich sieht es wie jedes Jahr nach viiiel Arbeit aus, da sich die Natur permanent gegen jeglichen Gestaltungswillen auflehnt und in diesem Jahr hat die Pandemie ihr einen gewaltigen Vorsprung verschafft. Sanft wiegen sich hüfthohe Gräser im Wind, stachlige dichte Brombeerhecken ragen mannshoch auf und haben im Wettbewerb mit Brennesseln nicht nur jeden Pfad überwuchert, sondern auch sonst Land gewonnen.

Máximo, der seine Freizeit nicht mit sportlicher Betätigung vergeudet, scheut keine körperliche Anstrengung wenn er auf dem terreno ackert! Mit ungezügelter Manneskraft rückte er am sonnigen Sonntag dem Wildwuchs gnadenlos zu Leibe. Im Schweiße seines Angesichts schwang er die Machete – der Benzin-getriebene Rasentrimmer darf nicht die heilige Sonntags-Ruhe der einzigen Nachbarin stören. Hernach tat ihm jeder Knochen weh, aber das Ergebnis beeindruckt. Er ruhte nicht eher, als bis er trotz der Rohheit der Methode ein liebliches Ambiente aus gemähten Inseln geschaffen hatte in dem sich seine Gäste wohlfühlen. Den Rest besorgten die umher tollenden Kinder, am Ende war ein gut Teil des langen Grases platt getreten.

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Wismarer Bucht – Expressionistische Farben in Nordwestmecklenburg

Eine Reise mit meiner Freundin Susanne und ihrem Campingbus ist immer urig. Diesmal ging es etwas holprig los. Ein Rad erschien verdächtig platt, beim Luft prüfen entdeckten wir einen gut eingefahrenen Nagel. Glücklicherweise hatte eine nahe Werkstatt Zeit und den passenden Reifen für uns. Mittags ging es dann los in Richtung Ostseeküste nahe Wismar. Schon nach 100 Kilometern verdunkelte sich der Himmel und Regen begleitete uns bis ans Ziel.

Auf der Insel Poel – plattes Land, kaum Baum, kaum Strauch – überall Schilder „Parken für Busse und Wohnmobile verboten!“. Egal, wir fuhren zurück aufs Festland ins nahe Dorf Heidekaten, das wir aus fernen Jugendzeiten kannten und verbrachten dort gemütlich die erste Nacht am Feldrand. Jeden Abend suchten wir uns einen anderen Standplatz, einer schöner als der andere und beobachteten Kraniche, die immer paarweise unterwegs waren, einmal sogar mit Kranichkind.

Mitte der 90ger Jahre war ich oft in dieser Gegend, danach nie wieder. Ich staunte, wie sich die Stadt Wismar verändert hatte, die mittlerweile ins Weltkulturerbe aufgenommen worden ist.

Das durchwachsene Wetter bescherte uns Farben a´la Emil Nolde, dem alten Antisemitisten, dessen Landschaftsmalerei mich begeistert… Genauso sehe auch ich die Welt – zugegebenermaßen vermutlich teilweise aufgrund meiner selbst- tönenden Brille… Ich bekam Lust wieder zu malen. Nachdem einmal mein Fotoapparat in Portugal kaputt ging war ich in den neunziger Jahren zu kolorierten Zeichnungen übergegangen und hatte jahrelang großen Spaß daran – bis ich mir wieder einen Fotoapparat zulegte. Vielleicht besorge ich mir doch mal wieder ein paar Farben…

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Berlin – Raus mit dem Krempel! – Covid19 sorgt für Ordnung im Heim

Ausmisten scheint seit Wochen die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen zu sein. Zumindest in Berlin. Vermutlich wird vielen die Wohnung zu eng weil sie ihr homeoffice installiert haben. Vor jedem dritten Haus wird wohlmeinend ein Sperrmüll eröffnet. Könnte ja sein, jemand anders braucht gerade diesen durchgesessenen Sessel, jenes ausgeblichene T-Shirt oder steht auf die kultigen schief gelatschten Schuhe aus dem Jahr 2010. Manchmal ist auch was brauchbares dabei. Heute fand ich zum Beispiel den Aktenordner für meine nächste Steuererklärung und Wäscheklammern.

Neulich beobachtete ich einen Mann, der Fotos von einem riesigen potthässlichen Puppenhaus machte, seine Tochter anrief und fragte, ob sie sich das wohl gerne holen möchte. Entweder ist das ein Akt bedingungsloser Liebe oder – was ich für wahrscheinlicher halte – es handelt sich um einen geschiedenen Vater.

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