Reise nach Guatemala

Waehrend meines letzten Mexicoaufenthaltes hatte ich es waehrend 9 Monaten nicht nach Guatemala geschafft. Weil jetzt die vorletzte Geburt auf sich warten liess, schien auch diesmal das Ziel meiner Reisetraeume wieder in die Ferne zu ruecken…
Endlich, zwei Wochen nach dem errechneten Geburtstermin kam das Kind auf die Welt. Blieben 8 Tage bis zum Entbindungstermin der letzten Frau, deren Geburt ich mit Luisa zusammen betreuen wuerde. Ich entschied, 6 Tage zu verreisen.
Es begann pünktlich frueh um 7Uhr mit einer ausgedehnten Stadtrundfahrt durch San Cristóbal, um alle Reisenden in ihren Hostels einzusammeln. Ausnahmslos Touristen, alles junge Leute: Holländer, Russen, Deutsche, ein Engländer, ein Mädchen aus Taiwan. Schließlich stiegen doch noch ein paar Mexikaner zu, die hatten dasselbe Ziel wie ich: San Pedro am Lago Atitlan. Dort wollten sie Mauern und Wände mit Graffiti verzieren. Sie nahmen mich mit zum Hotel “Paraíso”, das fast ausnahmslos von Dauergästen bewohnt zu sein scheint: Jungs die tagsüber ihre Artesanias verkaufen und sich abends ihre Joints drehen. Je nachdem wie spät ich nach Hause kam fand ich sie nur noch mit verklärtem Grinsen auf den Bambussesseln sitzen oder sie begrüßten mich überschwänglich und fielen mir um den Hals. Ich kam mit vor wie der Alte aus dem Roman “Die Kinder von Torremolimos“, ein Kultbuch das ich liebe! 
Von San Cristóbal bis zur guatemaltekischen Grenze geht es stetig bergab, mit zunehmender Hitze ändert sich die Vegetation. 
Das Grenzdorf La Mesilla liegt in tierra caliente, der warmen Klimazone. Dort warteten wir 2 Stunden bei ziemlicher Hitze auf den Bus der uns zum Atitlansee bringen sollte. Angeblich hätten wir um 15 Uhr ankommen sollen, tatsächlich erreichten wir San Pedro nach zehnstuendiger Busreise und abschliessender Bootsfahrt bei Gewitter quer ueber den See erst abends um 21 Uhr Ortszeit (hier ist es eine Stunde früher als in San Cristóbal). 
In Guatemala, wie in ganz Mittelamerika verkehren diese  buntbemalten ehemaligen US-Schulbusse mit der großen Schnauze, aber ich fuhr mit dem kleinen Touristentransport, aus Zeitgründen. So oder so ist es ziemlich strapaziös, aber durch die Berglandschaft Stück für Stück die Höhenmeter wieder hochzutuckeln lohnt die lange Reise! Von der Grenze kommend sind die Berge viel steiler als in Chiapas und erscheinen deshalb sehr hoch. Hier waechst der guatemaltekische Hochlandkaffee. Vermutlich, wie auch in Mexiko, wird der größte Anteil und die beste Qualität exportiert. Ich habe gelesen, wenn jeder Mexikaner täglich eine Tasse Kaffee tränke, würde die gesamte Kaffeeernte des Landes dafür nicht ausreichen! Wenn man sich vorstellt wieviel Kaffee exportiert wird, lässt sich denken wie wenig davon die Mexikaner trinken. Vermutlich ist es in Guatemala nicht anders. Für viele Einheimische ist Kaffee zu teuer.
Auf der Fahrt durch die Bergdörfer sah ich vor fast jedem Haus Frauen am Webstuhl arbeiten. Ihr alle kennt die guatemaltekischen Stoffe, sie sind farbiger als die mexikanischen und haben eingewebte Muster. 
Frauen und Mädchen in den Dörfern rund um den Atitlansee tragen fast alle Tracht, aber sie kombinieren corte (Rock), facha (Gürtel) und Bluse nach jeweiligem Geschmack. Es gibt unendlich viele Muster, Farben und Stickereien, so sieht jede Frau anders aus und immer wunderschön. Es ist unglaublich, ein Farbenmeer! Die mexikanischen Trachten (alle Frauen eines Dorfes tragen dieselbe Tracht) erschienen mir dagegen plötzlich wie schwarz – weiß!
Hier halten sich nur wenige alte Frauen an die traditionelle Tracht ihres Dorfes. Juan, mein Guide mit dem ich einige Touren machte hatte eine einleuchtende Erklärung: 
Als die Spanier das Land kolonialisierten, wollten sie verhindern, dass sich Menschen aus verschiedenen Dörfern zusammenschließen um sich zur Wehr zu setzten. An der Tracht konnte natürlich jeder sehen woher jemand kommt und dies kontrollieren. Deshalb, sagt Juan, begannen die Leute die Kleider zu kombinieren, und so konnte niemand mehr erkennen woher einer stammt. Alle anderen die ich dazu befragte hatten allerdings keine revolutionäre Erklärung; es gefällt ihnen halt! sagten sie.
(Neulich erzaehlte mir eine Freundin, dass die “traditionellen Trachten” UEBERHAUPT erst durch die spanischen Kolonisatoren EINGEFUEHRT wurden, genau aus dem Grund: um zu verhindern, dass Menschen aus verschieden Regionen sich unkontrolliert zusammenschliessen! Das hatte ich bisher noch nicht gehoert!)
Die Straße ist leider gesäumt vom Müll des Plastikzeitalters. Als wir an Höhe gewonnen hatten änderte sich die Landschaft, die Berge schienen wieder große Hügel, so wie in Chiapas. 
Auf der Durchfahrt durch Ortschaften fiel mir wieder die unendliche Vielfalt der Farbzusammenstellungen auf, oft hat sie rein praktische Gruende: die Farbe war alle oder man hat alle Reste verwertet. Ich liebe das! Mich begeistert die Aesthetik des Provisorischen. Sobald auch nur ein bisschen Geld bewussten Gestaltungswillen ermoeglicht, verkommt ein Bauwerk hier mit nahezu 100%tiger Sicherheit zum Auswuchs der Haesslichkeit. Jedenfalls nach meinem Geschmack😉
San Pedro und die anderen Doerfer am Ufer des Atitlansee waren vielleicht vor 10 Jahren vom Tourismus noch recht unberuehrt, heute jedoch findet man ohne Probleme Unterkunft in einem der zahlreichen Hotels oder Hostels aller moeglichen Preisklassen. Wenigstens gibt es Gott sei Dank noch keinen Massentourismus. Es leben hier viele Auslaender und es tummeln sich Individualreisende aller coleur und Nationen: sportbegeisterte Vulkanbezwinger und Wanderer, erholungssuchende Sonnenanbeter, Yogafreunde, Bildungsurlauber auf der Suche nach den Wurzeln der Mayakultur und viele, meist junge Leute, die gehoert haben, dass dies ein “cooler Ort” ist. Man riecht, es wird viel gekifft und einige Einheimische erzaehlten mir, dass alle moeglichen Drogen gedealt werden und mittlerweile viele Einheimische Drogenprobleme haben.
Der 126 km2 grosse See auf ca 1600 Meter Hoehe entstand durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vor ca 84.000 Jahren. Er ist von Bergen und drei um die 3500 Meter hohen Vulkanen umgeben, hat keinen Zufluss zum Meer und soll zu den schoensten der Erde zaehlen. In Reisefuehren wird Lago Atitlan als “Ort mit viel Wasser” uebersetzt. Angeblich stammt der Name Atitlan aus der indigenen Mayasprache Nahuatl, die aber hier gar nicht gesprochen wird, da die Nahuatl nicht hier leben sondern in Mexiko. Juan sagte mir, der urspruengliche Name aus seiner Muttersprache, dem Tzutuhil, war “See der Grossvaeter/Ahnen” (atit = Grossvater, lan = See). Durch die Kolonisierung wurde diese Bedeutung verdraengt.
Die 4 Tage vergingen viel zu schnell. Nach dem taeglichen Fruehstueck in einer israelischen Saftbar begann ich mit einem gigantischen Muesli im Magen das bis zum Abend anhielt meine Unternehmungen. Hier gibt es eine grosse israelische community, obwohl vor 2 Jahren etwa 200 Israelis von den Dorfbewohnern vertrieben wurden. Warum? Sie respektierten nicht die hiesigen Braeuche, sagt Juan, dessen Familie seit Generationen in San Pedro lebt. Was heisst das konkret? Sie lebten wie Hippies mit einem Haufen Kindern und badeten nackt! …
Einen Tag wanderte ich mit Juan am Seeufer entlang durch die Doerfer. Von ihm erfuhr ich viele interessante Geschichten, er erklaerte mir die alten Mayazahlen, die kaum noch jemand kennt und als ich erzaelte dass ich in Chiapas lebe, was ich mache und dass wir dort mit Heilpflanzen arbeiten, zeigte er mir viele Pflanzen, so dass ich meine Fotosammlung ordentlich vervollstaendigen konnte.
Direkt am Seeufer ist es nirgends moeglich langzulaufen, weil alle Grundstuecke verkauft sind, offensichtlich an Leute mit Geld, viele an Auslaender, von denen wohl die meissten Appartements vermieten. Juan erzaehlte, dass viele. Einheimische vor Jahren ihr Land verkauft haben, ohne sich darueber bewusst zu sein welchen Wert so ein Grundstueck darstellt und was fuer Folgen es haben wuerde wenn die Umgebung des Atitlansees in Haende auslaendischer Investoren geraet… Wie so oft verdienen die Einheimischen am Tourismus eher den geringsten Teil…
Am naechsten Morgen trafen wir uns frueh um 3 Uhr, um auf einen Bergruecken zu steigen, der als “Indian nose” in jedem Reisefuehrer zu finden ist (die Silhouette dieses Bergrueckens erinnert an ein Gesicht mit einer “typisch indianischen” Nase!!…) Ich konnte mir nichts anderes vorstellen, als dass diese Bezeichnung eine fuer den Tourismus kreierte ist und fragte Juan nach dem urspruenglichen Namen: ins Spanische uebersetzt espejo de Dios (Gottes Spiegel), sagte er – aber daran erinnere sich schon kaum noch einer…
Im Morgengrauen erreichten wir den Aussichtspunkt und erlebten einen grandiosen Sonnenaufgang mit phantastischer Aussicht! Ich konnte mir gut vorstellen, warum Gott diesen See als Spiegel gewaehlt hat!
Einen Tag lieh ich mir ein Kanu und paddelte stundenlang ueber den See, bis ich sogar einen kleinen Strandstreifen fand der nicht in Privatbesitz ist und wo ich baden konnte.
Unterwegs wunderte ich mich, wie wenige Wasservoegel zu sehen waren, Fischern begegnete ich auch kaum. Ich unterhielt mich mit einem an dem ich vorbeipaddelte. Ja, sagte er, bis vor ein paar Jahren gab es noch genuegend Fische und ich konnte gut davon leben, aber jetzt fange ich kaum mehr was. Und der See verkrautet auch immer mehr. Warum? Er zuckte die Achseln, keine Ahnung! Ich fragte spaeter Juan. Er sagte, dass in den 50ger Jahren eine nicht heimische Barschart im See ausgesetzt wurde, um angelnde Touristen anzulocken! Mittlerweile haben die Barsche fast alle Fische aufgefressen! Spaeter recherchierte ich im Internet und fand dies bestaetigt. Die Idee mit den Barschen stammt demnach von der Fluggesellschaft Pan American World Airline! …??? Ich erinnerte mich an meinen Besuch am Lake Victoria in Tanzania vor 20 Jahren. Haargenau dieselbe Geschichte!…
Und wie krass, dass den Menschen die direkt davon betroffen sind und dort leben diese Zusammenhaenge gar nicht bewusst werden!
Beim Paddeln am Seeufer entlang entdeckte ich, dass der Wasserspiegel offenbar in den letzten Jahren erheblich gestiegen sein muss, denn viele Haeuser sind bis zum ersten Geschoss im Wasser versunken. Ein aelterer Mann erzaehlte mir, etwa alle 50 Jahre steigt der Wasserspiegel um mehrere Meter an und danach sinkt er Stueck fuer Stueck ueber die Jahrzehnte wieder. Das war schon immer so, sagte er. Aber wieso bauen sie dann so nahe am See?! Schulterzucken; sie hoeren eben nicht mehr auf die Alten!
Wie mir spaeter der Fahrer eines Faehrbootes sagte, haette mich auf meiner Kanutour chocomil uebel erwischen koennen! Was?? Schokomilch??? “Xocomil” ist Tzutuhil und bezeichnet einen tueckischen Wind, der so wie ich es verstanden habe manchmal nachmittags ziemlich ploetzlich gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen kommt und auf dem See gefaehrlich hohe Wellen macht. Aha… deshalb also hatte Juan mir gesagt ich solle mich immer schoen nahe am Ufer halten… Jajaaaa…
Sonntags, so hoerte ich, ist Markttag in Santiago de Atitlan auf der anderen Seeseite und ich hatte den Auftrag, einer Freundin einen schoenen guatemaltekischen Stoff mitzubringen. Also schipperte ich dorthin, eine wunderschoene Fahrt laengs ueber den See, direkt vorbei am Vulkan San Pedro. Auf der Fahrt unterhielt ich mich mit einem Maler, der sein Bild zum Verkauf in eine Galerie bringen wollte. Er gab mir den Tipp, unbedingt ins Haus vom Maximón zu gehen, denn das sei absolut das wichtigste in Santiago.
Ich hatte keine Ahnung was die casa de Maximón ist. Als mir der Maler sagte ich solle da mal hingehn schnappte ich mir also ein Mototaxi und los ging die Fahrt, durch enge Gassen und in ein Viertel in das ich als Fremde ohne Begleitung erstmal nicht unbedingt gegangen waere. Als der Fahrter bekanntgab wir waeren jetzt angelangt, zweifelte ich ernsthaft ob ich aussteigen sollte. “Hier ist das nicht!” – behauptete ich, als ob ich es wuesste. “Doch! Seit drei Wochen wohnt Maximón hier!” antwortete der Fahrer, was mein Misstrauen nur noch naeherte. “Steig aus, ich bringe dich hin!” Ich stieg aus. Durch einen ruempeligen patio in dem Waesche hing gingen wir zu einem Haus, aus dem es nach Weihrauch und Tabak roch, davor hockten und sassen eine Menge Frauen und kleine Kinder, was mich beruhigte. Die Tuer stand offen, eine Zeremonie war in Gang, aber das war anders als ich es aus Mexico gewohnt bin! Maximón, eine Holzfigur, thronte auf einem Stuhl, gespickt mit Geldscheinen und bekam abwechselnd eine Zigarrette in seinen holzernen Mund geschoben und Alkohol eingefloesst, waehrend verschiedene Leute nacheinander offenbar ihre Anliegen vorbrachten und von ihrem jeweiligen curandero (Heiler), vor Maximón kniend alle moeglichen Sachen gefragt wurden, bevor der mit seinen Gebeten einsetzte. Leider konnte ich nichts verstehen, weil Tzutuhil gesprochen wurde. Dahinter an einem langen Tisch sassen in einer Reihe rauchend und trinkend aeltere Maenner. Einer spielte ab und zu auf der Gitarre einen monotonen Rhythmus. Ich hatte wirklich Glueck gehabt dies zu erleben, denn nach etwa einer dreiviertel Stunde waren alle Bittsteller durch und dann passierte eigentlich nichts mehr. Ich unterhielt mich eine Weile mit den Kindern und Autoritaeten die, da keine Klienten mehr kamen Pause hatten und erfuhr, dass dies ein Privathaus ist und Maximón tatsaechlich vor etwa 3 Wochen erst hier eingezogen ist. Jaehrlich wechselt er sein Domizil, jeweils in das Haus einer anderen Autoritaet. Ich vermute, dass er eine gute Einnahmequelle ist.
Ich weiss nicht, wie man Maximón bezeichnen kann, ein Heiliger scheint er mir nicht zu sein…
Ich verbrachte etwa zwei Stunden dort, irgendwann kam eine Gruppe franzoesischer Touristen, von denen jeder an Maximón vorbeiflanierte und ein Foto schoss, danach wurde von den Autoritaeten abkassiert. Seltsamerweise hatte mich niemand zahlen lassen, obwohl ich sogar um Erlaubnis geben hatte bei einer Zeremonie zu filmen. Bevor ich mich verabschiedete steckte ich Maximón noch ein paar Pesos unter die Tuecher.
Hinterher habe ich im Internet nachgelesen. Die Legende von Maximón geht etwa so:
In alter Zeit gab es in Santiago viele Probleme, weil boese Hexen ihr Unwesen trieben, sie toeteten Leute indem sie ihnen Krankheiten anhexten. Die Nahuales (Schamanen ) vereinigten sich, aber sie waren machtlos. Schliesslich beschlossen sie, einen maechtigen “Grossvater” aus einem Baum zu schnitzen der den Ort beschuetzen sollte. Sie gingen in die Berge und sprachen mit verschiedenen Baeumen, die ihnen aber alle sagten, dass sie nur zum Hausbau taugten oder um Staelle fuer Tiere zu bauen. Schliesslich, nach langer Suche, fanden sie einen weiteren Baum, der ihnen ohne zu zoegern zusicherte, die Dorfbewohner beschuetzen zu koennen. Unter Gesang und Beten wurde aus dem Baum der Grossvater geschnitzt. Waehrend sie arbeiteten kam ein junges Maedchen. “Ihr Armen, ihr muesst doch muede sein von der Arbeit! Hier bringe ich euch atole (Maissuppe), Brot und etwas zu trinken, damit ihr euch staerken koennt!” sagte sie. Die Leute freuten sich, aber dann bemerkten sie, dass das Brot sich in Kot und das Getraenk sich in Pferdeurin verwandelt hatte! Das Maedchen war in Wirklichkeit eine Hexe die sie jetzt verhoehnte! Sie liess den geschnitzten Grossvater verschwinden, es blieb nur noch Holz fuer die Gesichtsmaske uebrig. Die Nahuales nahmen ihre letzten Kraefte zusammen, schnitzten die Maske und bildeten den Koerper mit vielen heiligen Tuechern, als Herz setzten sie einen gruenen Stein ein. Seine Gelenke bildeten Ringe die alles miteinander verbanden. Deswegen bekam der Grossvater seinen Namen: Maximón bedeutet der Gebundene. Als der Grossvater fertig war baten sie ihn seine Arbeit zu tun: das Boese zu vernichten. Immer wenn er Hexen begegnete packten ihn diese, wurden aber sofort von grosser Angst erfasst und liessen ihn deshalb wieder los. Wenn sie in ihre Haeuser fluechteten starben sie kurz darauf an Erbrechen und Durchfall, so wie einst ihre Opfer. Nach kurzer Zeit waren alle Hexen tot und die Dorfbewohner waren sehr gluecklich. Aber nicht lange, denn Maximón begann jetzt selbst boese Dinge zu tun! Er stellte den jungen Frauen in Gestalt eines schoenen Mannes und den jungen Maennern in Gestalt einer schoenen Frau nach! Maedchen wie junge Maenner verliebten sich scharenweise in ihn und alle starben sie an Erbrechen und Durchfall. Die Nahuales waren sehr wuetend und beschlossen Maximóns Macht zu zerstoeren, aber sie wollten ihn nicht umbringen. Sie brachen ihm Arme und Beine ab, damit er nicht mehr herumgehen und nichts mehr selbststaendig tun kann. Maximón kann jetzt nur noch Gutes tun, denn er ist staendig unter Aufsicht. Heute lebt er in der Bruderschaft von St. Cruz.

Der Sonntaegliche Markt von Santiago zieht sich durch einige Strassen und ist dennoch im Vergleich zu den Maerkten in San Cristóbal eher klein – aber die Farben!!! Wie gesagt, hier tragen fast alle Frauen Tracht und die Kombinationen sind unendlich! Niemals wiederholt sich etwas, ich stelle mir vor, dass das nur noch in Indien uebertroffen werden kann… Und in Santiago sind sogar auch viele Maenner in Tracht gewandet! Ich fand schnell den passenden Stoff fuer die Freundin und konnte auch selbst nicht wiederstehen😉 … und Gott sei Dank hat ja auch Juanita bald Geburtstag und die freut sich auch sicher ueber ein corte (Rock) aus Guatemala … und fuer meinen Rockstoff koennte ich doch noch ein huipil (gewebter Umhang, reich bestickt)… Ich bin eigentlich normalerweise nicht von Kaufsucht geplagt, aber schliesslich hatte ich nach kurzer Zeit fast alle Quetzales die ich bei mir hatte fuer Stoffe ausgegeben! Nur noch das Geld fuer die Rueckfahrt und 500 mexikanische Pesos waren in meinem Portemonaise als ich mich schliesslich wieder auf den Weg zum Hafen machte. Dort passierte mir Folgendes: Eine Frau hielt mich an um mir einen huipil zu verkaufen. Der huipil war getragen, handgewebt und handbestickt, “200 Quetzales” sagte sie. Ich zeigte auf den Beutel mit meinen Tuechern “Tut mir leid, aber ich hab mein Geld schon ausgegeben.” “150!” war die Antwort und dann 100 und dann 40, das sind nicht mal 5 Euro! “Was redest du da, du kannst den huipil nicht fuer 40 Quetzales verkaufen, das ist viel zu wenig!“ Nein, sie wollte unbedingt den huipil loswerden, sie hatte auch nur den einen. So ging das eine ganze Weile, die Frau redet auf mich ein dass ich ihn kaufe, ich auf sie, dass ich weder Geld hab, noch ein huipil brauche, noch dass es eine angemessene Bezahlung ist fuer so viel Arbeit. “Bitte kauf ihn, ich habe Kinder und die haben nichts zu essen!” sagte sie schliesslich. “Ich kann ihn nicht kaufen, ich habe kein Geld mehr, nur noch das Kleingeld fuers Schiff!” sagte ich. Inzwischen bereute ich schon, dass ich alles ausgegeben hatte… da fielen mir die mexikanischen Pesos ein. Ich kramte den 500er hervor “Hier, nimm den! Behalt deinen huipil” Unglaeubig schaute sie mich an, “Nimm, das ist mexikanisches Geld” sagte ich, vielleicht kannte sie das ja nicht? “Wirklich?? Aber das ist viel!” – “Wieviele Kinder hast du?” – “Vier.” – “Vier Kinder haben viel Hunger!” Sie strahlte und reichte mir den huipil, ich wollte ihn nicht nehmen, irgendwie schaemte ich mich. “Nimm ihn! Bitte! Wie heisst Du?” sagte sie. Wir tauschten unsere Namen aus. Ich nahm den huipil und bedankte mich. Es ist ein etwas kleinerer huipil, vielleicht von ihrer Tochter? “Ich werde deinen huipil einem kleinen Maedchen schenken.” ich dachte an Juanita. Die Frau, sie heisst Miriam, erzaehlte schon einer anderen, dass ich den huipil fuer 500 Pesos gekauft habe. (Ungefaehr sind das 28 Euro) “Gott segne Dich, du bist ein guter Mensch!” sagen beide. Ich bedankte und verabschiedete mich, denn ich sah mein Schiff in den Hafen biegen. Sie winkten zum Abschied.
Was fuer eine Welt, in der eine Frau die Kleidung ihrer Familie verkauft um ihren Kindern was zu essen zu geben waehrend andere Geld fuer immer neues ueberfluessiges Zeug verplaempern und dabei haben sie doch alles schon doppelt und dreifach.
Auf der Rückfahrt nach Mexiko hatte ich im Touristentransport ein unangenehmes Erlebnis: ich saß in der Nähe eines deutschsprachigen Menschen meines Alters. Dem Geruch den er verströmte nach zu urteilen ein Langzeitreisender. Dies hatte ihm allerdings nicht zu innerer Ruhe verholfen; er begann lautstark auf Deutsch zu meckern, dass der Fahrer zu langsam führe und wir so ja nie ankommen! Erwähnenswert ist, dass meiner ebenfalls deutschen Platznachbarin bei jedem der zahlreichen durchaus gewagten Überholmanöver auf der kurvenreichen Bergstrecke der Angstschweiß ausbrach. Aufgrund meiner längeren Anwesenheit in Mexiko hatte ich schon schlimmere Fahrten hinter mir, aber diese war nicht ohne. An der Grenze war der Bus zu wechseln. Wir erfuhren, dass aufgrund einer Strassenblockade unser Bus auf mexikanischer Seite in 8 km Entfernung stünde. Es gab aber die Möglichkeit mit Taxis etwa 7 km bis zur Blockade weiterzufahren. Die Blockade war von der Bevölkerung der Region errichtet und eine Protestveranstaltung gegen das verschmutzte Trinkwasser. In großer Hitze marschierten wir den letzten Kilometer am Stau vorbei zum Bus. Schön, dass ich nur einen kleinen Rucksack mithatte… 
Schließlich endete die Reise abrupt damit, dass ich, kaum waren wir glücklich in den Bus gestiegen, ein watsapp aus Zitim bekam: die nächste Geburt hatte begonnen 
In San Cristóbal angekommen schnell in den Combi Richtung Dorf gesprungen und von dort direkt zum Haus der Gebärenden … Nach einem halbstündigen Fußmarsch durch Maisfelder und über Berg und Tal langte ich dort im Dunkeln an…
Das war meine Reise nach Guatemala, viel zu kurz, aber sehr intensiv! Das nächste Mal werde ich eine lange Reise nach Guatemala planen!…

Wen es interessiert kann sich noch eine Doku über eine deutsche Frau anschauen die seit Jahren am Atitlansee lebt und dort interessante Projekte macht. Ich hab sie persönlich durch eine gemeinsame Freundin in Mexiko kennengelernt und wollte sie besuchen, aber leider war sie grad auf Reisen als ich dort war.
http://www.br.de/-fernsehen/sendungen/lebenslinien-fuer-immer-rebellin-ddr-frauengefaengnis-guatemala-muell-missionarin100.html

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Ein Tierleben ist fragil

Ein Tierleben ist hier in Zitim fragil. In erster Linie natuerlich, weil die Tiere gehalten werden um sie zu verspeisen! Aber nicht nur deshalb; als Tier kann man auf viele verschiedene Arten schnell zu Verletzungen oder zu Tode kommen!

Huehner-, Puten– und Entenkuecken sterben meist an Unterkuehlung, an Husten, weil die Henne versehentlich auf ein Kuecken tritt und ihm ein Bein bricht oder weil sie vom paedophilen Hahn umgebracht werden. Auch der Enterich hat sich inzwischen als sexbesessen geoutet und schon zwei halbwuechsige Puten auf dem Gewissen und einer seiner drei Entenfrauen das Bein gebrochen. Unter den Tieren scheint es genauso psychisch Kranke zu geben wie unter Menschen!

Die Kuh Mariposa ist im Januar zusammen mit ihrem Kaelbchen bei der Geburt ums Leben gekommen, bzw wurde halbtot notgeschlachtet. Von der weit entfernten Weide musste sie dafuer noch soweit sie es schaffte Richtung Strasse laufen. Die Wehen hatten die gesamte Vagina nach aussen gestuelpt und das Kalb konnte nicht auf die Welt kommen. Ein Kaiserschnitt – wer soll den hier machen? Die Kuh in eine Tierklinik bringen? Ich weiss nicht, ob es ueberhaupt eine in San Cristóbal gibt. Abgesehen vom Transportproblem. Ich fand man haette versuchen koennen an der toten Kuh einen schnellen Kaiserschnitt zu probieren um das Kalb noch zu retten. Aber wie sollte ein Kalb ueberleben, wenn die Mutter es nicht saeugen kann? …
Man schlachtet hier indem man die Halsvene aufschneidet und das Tier ausbluten laesst. An Ort und Stelle wurde die Kuh Mariposa zerlegt, alle erreichbaren Nachbarn und Verwandten informiert, das Fleisch in grossen Eimern nach Haus geschafft und dort verkauft. Das die Kuh starb bedeutet das fuer die Familie einen riesigen finanziellen Verlust. (ca 800 – 1000 Euro kostet eine erwachsene Kuh oder ein Stier) Durch den Fleischverkauf kam einiges wieder rein, aber die Leute zahlen fuer eine notgeschlachtete Kuh nicht den vollen Preis und viele wollen das Fleisch gar nicht kaufen, weil sie misstrauisch sind.

Den groessten Stier Muñec ereilte vor 4 Wochen ebenfalls ein frueher Tod, er war auf abschuessigem Gelaende angebunden, ein starker Regen hatte den Abhang in eine Schlammpiste verwandelt auf der das Tier ausrutschte, stuerzte, Kopfueber nach unten rutschte und nicht wieder auf die Beine kam. Wir fanden den schoenen Stier erstickt, alle Viere von sich gestreckt. Auch Muñec wurde zerlegt und sofort verkauft. Es ist erstaunlich wie schnell und perfekt die Laufbotschaft die Runde macht, die Hoefe liegen ja in einem weiten Umkreis verstreut und das Telefon funktioniert nur sporadisch, an diesem Tag gab es gar kein Netz.

Ein fremdes Pferd das mit grossem Appetit das Maisfeld abgegrast hatte und deshalb ueber Nacht angebunden wurde, war nur 14 Tage zuvor auf genau dieselbe Weise gestorben!…
Das Pferd wurde begraben. Warum isst man kein Pferdefleisch? Ich befragte mehrere Leute. Sie erklaerten mir, das steht in der Bibel. Josue behauptete, das Pferd habe den drei heiligen Koenigen nicht geholfen so wie die anderen Tiere, deshalb!
Ich suchte im Internet nach Erklaerungen, wen es interessiert lese mal diese Seite: http://www.gutenachrichten.org/ARTIKEL/in199906_art2.htm
Allerdings steht in der Bibel viel eindeutiger, dass Schweinefleisch nicht verzehrt werden soll und hier isst man es (wenn auch lange nicht so exzessiv wie in Deutschland), genau wie Hasen… Als ich das erwaehnte schien es aber niemanden sonderlich zu interessieren oder zu irritieren.
Warum wird das Pferd nachts nicht in einen Stall gesperrt wie die Ziegen, wollte ich wissen?! Pferde schlafen nicht, behauptete Leo (11 Jahre), sie fressen die ganze Nacht und wenn man sie einsperrt dann magern sie ab! Glaubte ich nicht… Unser Pferd Pinto wurde neben meinem Haus angepflockt und tatsaechlich; die ganze Nacht hoerte ich ihn grasen! … Hier hat natuerlich niemand Geld um einem Pferd Hafer zu kaufen und es damit in den Stall zu sperren.

Auch die Ziegen die taeglich im Wald zum Fressen angebunden werden sterben manchmal einen Erstickungstot, weil sie sich mit ihrem Strick verheddern.

Hunde und Katzen beherrbergen einen ganzen Flohzirkus und vielleicht deshalb ist niemand scharf drauf dass sie allzu nahe kommen… Sie fristen normalerweise ein liebloses Leben, werden beim Kampf mit den Hunden der Nachbarn gebissen und manchmal kommen sie dabei ums Leben.
Andrés Hund Calimero ist gerade durch eine Infektion auf einem Auge erblindet.
Ein krankes Tier zum Tierarzt zu bringen kommt hier nicht in Frage. Beim kleinsten Verdacht dass das Tier evtl nicht ueberlebt wird es, wenn es essbar ist, geschlachtet um zu vermeiden dass es abmagert oder so stark erkrankt dass es nicht mehr geniessbar ist. Weil ich oefter Einspruch erhebe ist Luisa mit den Notschlachtungen etwas gehemmt… daher ist z.B. die vergewaltigte Entenfrau nach ihrem Beinbruch nicht im Kochtopf gelandet und humpelt jetzt schon ganz gut durch die Gegend…

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Frauenkaempfe

Der 1. April ist ohne Scherze voruebergegangen, mal abgesehen davon, dass wir seit Tagen auf eine Geburt warten, die schon dreimal in Gang zu kommen schien, immer aber beruhigten sich die Wehen nach einem halben Tag wieder. So ging auch die heutige Nacht vorueber, ohne dass der Ehemann der Schwangeren uns aus dem Halbschlaf riss. Jedesmal riefen wir Lupe (*Name geaendert), eine junge Frau, promotora de salud, die gerne Hebamme werden moechte und uns auf unseren letzten Geburten schon begleitet hat. Lupe wohnt in ihrem Elternhaus, eine dreiviertel Stunde Fussmarsch entfernt im naechsten Tal, mit dem Auto kann man nicht bis zum Haus ihrer Familie gelangen. Sie hat schon oefter hier uebernachtet wenn Geburten zu erwarten waren, weil sie in der Nacht von ihrem Haus nicht mehr weg kommt (dunkel, Wald, Frau allein, Eltern erlauben das nicht und selbst hat sie auch Angst). Mit Lupe verbindet mich eine fast schon verschwoererische Geschichte, die ich mal grob erzaehlen will, weil sie die Situation der Frauen hier gut widerspiegelt und gleichzeitig besonders ist; Lupe beginnt um ihre Selbstbestimmung zu streiten und das trauen sich nur wenige Frauen.
Lupe ist 24 Jahre alt. Als ich sie vor 2 Jahren beim ersten Ausbildungswochenende der promotores de salud kennenlernte war sie so schuechtern, dass sie staendig das Gesicht hinter ihrem Tuch versteckte, sobald sie merkte dass ein Blick auf sie fiel. Sie verstand kein Spanisch und traute sich nichts zu sagen. Als ich sie letzten Juli wiedersah hatte sie sich sehr veraendert. Sie ist – leider – die einzige der Frauen, die die Ausbildung zur promotora de salud bis zum Ende mitgemacht hat, alle anderen hatten aus verschiedensten Gruenden nach und nach aufgehoert. Letztendlich laeuft es aber immer aufs Selbe hinaus: Fuer Frauen ist es noch viel schwieriger als fuer Maenner eine Ausbildung zu beginnen und die damit verbundenen festen Termine einzuhalten, da die Eltern Bildung fuer eine Frau meist nicht sinnvoll finden: sie soll in der Kueche und auf dem Feld arbeiten, spaeter heiraten, Kinder kriegen und weiter den Haushalt und die Feldarbeit besorgen. Wie ich mittlerweile selbst bestaetigen kann ist sie damit mehr als beschaeftigt und ausgelastet… Das Haus ohne Begleitung zu verlassen kommt fuer eine Frau sozusagen einem Suendenfall gleich!
Lupe hatte schwere Kaempfe mit ihren Eltern, aber auch mit den Geschwistern hinter sich um die Erlaubnis zu erhalten bis zum Ende an der Ausbildung teilzunehmen und mehrmals musste der wortgewandte Josue langwierige Gespraeche mit der Familie fuehren um sie sozusagen Schachmatt zu setzen, damit Lupe weiterhin kommen durfte. Beginnen durfte sie die Ausbildung ueberhaupt nur, weil ihr Vater die Idee hatte es koenne nicht schaden wenn sie lerne Injektionen zu verabreichen. (Zu der Zeit waren Antibiotika noch frei verkaeuflich…) Nachdem sie das dann irgendwann konnte sah er in ihrer weiteren Ausbildung nur Zeitverschwendung.
Nebenbei gesagt ist Lupes Vater eine geachtete Persoenlichkeit, sowas wie ein geistliches Oberhaupt in der Dorfgemeinschaft und fuehrt Oracionen durch. Sein Wort hat grossen Einfluss.

Ich hatte Lupe fast nicht wiedererkannt als ich letztes Jahr hier ankam. Mittlerweile versteht sie ziemlich gut Spanisch, wenn sie auch noch immer versucht das Reden zu vermeiden weil es ihr peinlich ist. Als Luisa im Wochenbett lag war Lupe oft hier um im Haushalt zu helfen. Ausserdem kommt sie zweimal die Woche nachmittags zu uns weil Andrés, Josues juengerer Bruder, ihr und zwei anderen Jugendlichen Unterricht in Mathematik und im Lesen gibt. (Lupe hat die Grundschule nicht abschliessen koennen, weil sie im Haus und auf den Feldern ihrer Eltern mitarbeiten musste.) Andrés macht zweimal die Woche in San Cristóbal die Secundaria nach (er war auf einer zapatistischen Schule die offiziell nicht anerkannt ist), danach wird er die Preparatoria absolvieren um irgendwann Medizin studieren zu koennen. Was er lernt bringt er hier den anderen bei und er ist ein super Lehrer!

Josue, der auf allen Hochzeiten tanzt und Kontakte zu vielen verschiedenen Leuten und Organisationen hat, erzaehlte Lupe von einem Bildungs-Programm fuer indigene junge Erwachsene das staatlich gefoerdert wird und daher (aus meiner Sicht) sehr preiswert ist. (20 Euro fuer eine Woche Schule monatlich an jeweils verschiedenen Orten in Chiapas. Die Ausbildung laeuft ueber drei Jahre. Ziel ist, die Studenten zu befaehigen die laendliche Entwicklung in ihren Doerfern voranzutreiben, es gibt verschiedene Ausbildungszweige, einer davon ist der Gesundheitsbereich.) Lupe war davon sehr angetan, ihre Familie allerdings nicht. Das Geld dafuer sei nich da. Wie schonmal erwaehnt ist das Einkommen einer indigenen Familie tatsaechlich aeusserst gering. Dennoch gab es Gruende am Geldargument zu zweifeln, zu Recht, wie sich herausstellte.
Als ich anbot, Lupe die Ausbildung zu sponsern fanden sie immer neue Probleme: Lupe koennte auf dem Weg verungluecken weil es viele durchgeknallte Busfahrer gibt, sie koennte verhungern weil sie das fremde Essen nicht gewoehnt ist und und und… Mochte es mir auch noch so absurd erscheinen, tatsaechlich naehrten sie damit Aengste die Lupe selbst in sich traegt – und die sie ihr aus meiner Sicht Zeit ihres Lebens eingeimpft hatten!
Lupe ist wie die meisten Leute hier nur mit Bohnen und Mais aufgewachsen und mochte ueberhaupt kein anderes Essen. Einmal ueberredete ich sie vom selbstgebackenen Brot zu kosten und sie meinte, sie muesse sich fast uebergeben! Luisa erzaehlte es mir. Lupe, sooft sie auch schon bei uns gegessen hatte, war kaum jemals bereit unbekannte Sachen zu probieren.
Wie auch immer, jetzt wollte sie studieren und stiess an die Grenzen der “traditionellen” Frauenrolle. Jedesmal wenn sie zu uns kam schien sie vor einer Mischung aus Empoerung, Angst, Trauer, Ohnmacht und Zweifeln fast zu platzen und wir verbrachten viele Abende ums Feuer sitzend mit stundenlangen Diskussionen. Lupe bat um Hilfe hatte aber gleichzeitig panische Angst vor ihrer Familie, natuerlich hatten sie ihr verboten uns zu erzaehlen was in ihrem Hause ablaeuft. Nun versuchten wir eine Strategie zu finden wie wir ihr helfen koennten. Meine Vorstellungskraft erschoepfte sich mit dem Vorschlag, sie im offenen Gespraech mit den Eltern zu unterstuetzen. Die Feststellung, dass sie volljaehrig ist und auf das Einverstaendnis der Eltern pfeiffen koenne ist hier in keiner Weise konstruktiv.
Zu beaengstigend ist die Vorstellung eines Leben abseits der Familiengemeinschaft fuer die meissten indigenen Leute die ich kenne. Auch wenn sie sich schlecht behandelt und unverstanden fuehlen und noch so sehr unter Repressionen leiden, emotional brauchen sie dennoch die Unterstuetzung oder zumindest das Einverstaendnis der Familie mit ihrem Tun. Da meine Vorschlaege weder fuer Lupe noch fuer alle anderen in Frage kamen, versuchte ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass dies eine Gelegenheit sei zu beobachten, welche anderen Wege es gibt. Fuer mich war es aber eine sehr schwierige Zeit, denn ich konnte es kaum aushalten zu erleben wie Lupe litt und sich doch selbstverstaendlich fuegte.

Schliesslich wurde beschlossen, dass Josue und ich Lupes Eltern besuchen, Nichtwissen vortaeuschen und ich mein Angebot unterbreite, Lupe finanziell zu unterstuetzen und damit das offiziell gueltige Argument entkraeften wuerde. Ich war sehr gespannt auf dieses Gespraech. Von Lupe wussten wir, dass ihre Eltern und Geschwister Gift und Galle spuckten als sie unseren Besuch ankuendigte. Sie wiesen sie an, in unserer Anwesenheit zu sagen, dass sie es sich anders ueberlegt haette und doch nicht zur Schule gehen wolle.
Wir wurden freundlich empfangen und Josue eroeffnete das stundenlange Theaterstueck mit Lobreden auf Lupes Faehigkeiten und Fortschritte waehrend der Ausbildung in die ich einstimmte und erlaeuterte eine Ewigkeit die Vorzuege der Schule und der Ausbildung fuer Lupe und die ganze Familie um dann freudig zu verkuenden, dass die Loesung des Geldproblems gefunden sei. Dann kam mein Auftritt, Auch ich redete lange, lobte Lupes Fleiss und Intelligenz, erwaehnte, dass ich ueberzeugt bin, dass sie den Don zur Hebamme habe und endete schliesslich damit, dass es mir eine Ehre sei, Lupe und ihre Familie mit meiner Geldspende zu unterstuetzen.
Der Vater hub zu langen Dankesreden an und wuerdigte meine Hilfsberreitschaft. Umso unangenehmer und peinlicher sei es ihm, dass aus dem Schulbesuch aber leider doch nichts wuerde. Wir heuchelten Erstaunen und Unverstaendnis. “Sag Du es ihnen selbst!” befahl der Vater. Mit niedergeschlagenen Augen sagte Lupe leise, dass sie sich ueber Nacht entschieden habe nicht auf die Schule zu gehen und dass sie ueber die Gruende nicht sprechen wolle. Nun begannen die Eltern auf Lupe einzureden und brachten alle moeglichen Argumente vor, um sie doch wieder vom Schulbesuch zu ueberzeugen. Lupe blieb stumm. Es kostete mich einige Kraft, das Affentheater nicht auffliegen zu lassen. “Na warte” dachte ich “so einfach kommst du mir nicht davon! “Sie sind doch Acerdote und machen fuer alle moeglichen Leute Oracionen! Bitte machen sie eine fuer ihre Tochter, etwas ist ihr ueber Nacht zugestossen und hat ihr die Kraft geraubt, sie braucht jetzt die Hilfe ihrer Familie, ich bin sicher, wenn Sie eine Oracion machen, das wird ihr helfen ihre Kraft wiederzufinden!” Ich hoffte, wenn der Mann wirklich glaeubig ist, wuerde er nicht wagen im Angesicht Gottes waehrend einer Oracion zu luegen. Er sagte, er wolle drueber nachdenken und einen geeigneten Tag fuer die Oracion finden. Wir bedankten uns, ich aeusserte zuversichtlich, dass Gottes Wege unergruendlich seien , ich aber nicht zweifele, dass sie Lupe zum Ziel fuehren werden und Josue bemerkte beim Verabschieden, dass er sicher sei, wir wuerden im Traum erfahren, was Lupe passiert sei. Ich sah sehr wohl den Schreck der den Leuten in die Glieder fuhr. Zufrieden wanderten wir nach Haus. Am naechsten Tag kam Lupe und erzaehlte, dass ihre Mutter entsetzt gesagt habe “Oh Gott, jetzt werden sie die Wahrheit erfahren!” Ihr Vater hatte gleich nachts einen Alptraum, den er nicht deuten konnte, ich aber sehr wohl. Ich muss gestehen, dass ich froehliche Schadenfreude empfand.
Der Tag der Oracion wurde laengere Zeit nicht festgelegt und wir fragten immer wieder nach, bis er schliesslich sagte, wenn es regnet, dann wird kommenden Freitag die Oracion sein, bei Sonnenschein nicht, denn dann geht er aufs Feld arbeiten! Die Regenzeit war vorbei und somit die Warscheinlichkeit gering, doch Gott war auf der Seite der jungen Frau: es begann in Zitim bereits am Samstag wie aus Eimern zu schuetten und hoerte die ganze Woche nicht mehr auf! In San Cristóbal hingegen hat es nach Aussage von Gerdi nicht annaehernd soviel geregnet.
Es regnete in Stroemen als wir uns besagten Freitag gegen Abend auf den Weg machten, bis auf die Knochen nass kamen wir an. Lupes Vater entschuldigte sich fuer die Unannehmlichkeiten die der Regen uns mache. “Machen sie sich keine Sorgen, das machen wir doch gern! Aber das naechste mal bitten Sie lieber um Sonnenschein fuer ihre Oracionen!” sagte ich. Ich war sehr gespannt und ziemlich sicher, dass Lupe ihre verlorene Lust auf die Schule wiederfinden wuerde… So war es auch. Waehrend der Oracion begann Lupes Vater zu weinen und bat um Verzeihung fuer alle Steine die er seiner Tochter in den Weg gelegt hatte, schliesslich weinten alle, und baten Lupe um Verzeihung. Josue und Andres weinten ebenfalls und ich fast. Lupe bedankte sich, sagte, dass sie die Schule besuchen wolle und hoffe, wenn wir weg sind nicht wieder gemassregelt und bedroht zu werden. Alle schienen erleichtert und es herrschte eine friedliche einvernehmliche Stimmung.
Ich bin beeindruckt was das schlechte Gewissen und der Glaube fuer eine Wirkung bei den Menschen hat. Leider keine anhaltende, denn weiterhin beschweren sich Lupes Eltern und Geschwister ueber jeden ihrer Schritte aus dem Haus, beschimpfen und kritisieren sie. Lupe hat Angst, aber immer oefter findet sie den Mut, trotzdem zu gehen. Die Oracion ist jetzt drei Monate her und mit der Schule hat sie noch nicht begonnen, weil sie sich wuenschte die Familie wuerde sie mit guten Wuenschen gehen lassen. Vor einer Woche hat sie mir aber gesagt, dass sie jetzt auf jeden Fall gehen will, auch wenn ihre Verwandten veraergert sind. Sie hat jetzt angefangen alles ihr unbekannten Sachen zu essen, die bei uns auf den Tisch kommen!

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Hochzeit, Taufe, Erstkommunion – Feste feiern auf dem Dorf

Moños - die Huixtecas binden ihre Schleifen zu Blumen - ich kann es jetzt perfekt!

Moños – die Huixtecas binden ihre Schleifen zu Blumen – ich kann es jetzt perfekt!

Bisher habe ich einige Feste miterlebt. Abgesehen vom Abschluss der Ausbildung der Promotores de salud und meiner Hauseinweihung gab es immer einen religioesen Hintergrund. Aus anderem Anlass gibt es tradionellerweise keine Feste.
Wir feiern Kindergeburtstag, aber ueblich ist das nicht. Viele aeltere Leute wissen nicht wann sie geboren wurden und wie alt sie sind. Kindergeburtstage mit einer Piñata und der Mordida in die widerlich suesse Cremetorte zu feiern ist ein Brauch der zwar in Lateinamerika weit verbreitet, in den indigenen Doerfern jedoch kaum bekannt ist, abgesehen davon fehlt das Geld.
Alle Hochzeiten, Taufen und Erstkommunionen werden einmal im Monat im Rahmen einer Messe, die mehrere Doerfer gemeinsam feiern, gesammelt abgewickelt. Jeden Monat ist ein anderes Dorf dran die Messe auszurichten. Die Messe beginnt morgens um 9 Uhr und dauert etwa anderthalb bis zwei Stunden. Da die Dorfkirchen zu klein fuer all die Leute sind wird sie draussen gehalten. Man steht und immer wieder zwischendurch kniet man. Nach der Messe gehen die jeweiligen Familien mit ihren Gaesten nach Haus und die Feier beginnt. Da die Familien gross sind kommen immer ein Haufen Leute zusammen. 50 bis 100 mindestens und oefter an die 200! Das heisst fuer die Gastgeber, dass der Mann und/oder die erwachsenen Kinder monatelang zum Arbeiten in die Stadt verschwinden um das Geld zusammenzusparen, denn die Gaeste werden bewirtet und eine Band spielt.
Vor dem Fest wird einen ganzen Tag lang gekocht, dabei helfen verwandte Frauen und Maedchen und die Maenner richten den Hof her: Reihenweise werden Baenke aus Brettern und einige lange Tafeln aufgestellt, eine Riesenplane ueberdacht den Hof, Luftballons werden aufgehaengt und die Buehne konstruiert.
Egal welcher Anlass, die Feste laufen immer gleich ab: Die Festgesellschaft verlaesst nach der Messe die Kirche und wandert zu ihrem Gehoeft. Alle Eintretenden werden von zwei am Eingang bereitstehenden jungen Frauen mit Konfetti beworfen, dabei spielt die Band jedesmal einen Tusch. Die Frauen tragen (wie an jedem anderen Tag) ihre Tracht und die langen Haare zu Zoepfen geflochten Es gibt aber auch junge Maedchen und unverheiratete junge Frauen, die in Jeans oder Minirock kommen und mit Absatzschuhen ueber den unebenen Lehmboden balancieren. Das sind die Verwandten die in die Stadt abgewandert sind oder auswaerts arbeiten. Ich trage bei festlichen Anlaessen meine Tracht die mir Luisa geschenkt hat! Sogar meine Frisur stimmt, mittlerweile habe ich gelernt, mir die bunten Baender in die Zoepfe zu flechten! Anfangs habe ich fuer einiges Aufsehen gesorgt, aber inzwischen kennen mich die meisten Leute.
Alle nehmen ihre Plaetze ein, die Hauptpersonen und engere Familie an einer Tafel, die anderen auf den Baenken in zweiter und dritter Reihe. Alle sitzen. Die Band spielt, einigermassen melodisch oder haarstraeubend, ab und zu macht sie Pause. Niemand redet miteinander. Nach einiger Zeit beginnen die jungen Maedchen und Frauen das Essen aufzutragen, der erste Schwung Gaeste nimmt an der Tafel Aufstellung. Wenn jede/r seinen Einwegteller erhalten hat beginnen alle zu essen, im Stehen. Einige junge Maenner gehen von Zeit zu Zeit mit einem Tablett voller kleiner Glaeser durch die Gaesteschar und schenken Coca aus, man trinkt das Glas aus, gibt es sofort zurueck und der naechste Gast wird bedient. Die Esser, nunmehr gesaettigt, verlassen die Tafel und kehren zu ihrer Bank zurueck. Der naechste Schwung hungriger Gaeste wird an der Tafel bekoestigt – und so weiter und so weiter, bis alle gegessen haben. Das kann, je nach Gaestezahl ein, zwei Stunden dauern. Auf diese Weise ist es moeglich, auf engem Raum, mit zwei, drei langen Tafeln und wenigen Glaesern und Geschirr Hunderte Leute zu bewirten! In der Regel gibt es Barbacoa (Fleisch in Tomaten-Chili-Sosse mit Reis und Tortillas). Die Band spielt unverdrossen und versucht mit allen moeglichen Ansagen die Leute zum Tanzen zu animieren. Dies scheint allerdings eine reine Formsache zu sein, denn niemand bewegt sich, alle sitzen mit ernster Miene und schweigen. Dies kam mir anfangs sehr befremdlich vor! Nach endlos scheinender Zeit erheben sich die Hauptpersonen und deren naechste Angehoerige und eroeffnen mehr oder weniger begeistert den Tanz. Danach ist die Tanzflaeche fuer alle Gaeste freigegeben. Mittlerweile tun mir vom stundenlangen Sitzen schon alle Knochen weh. Verheiratete Frauen mit tanzunwilligen oder abwesenden Ehemaennern haben leider Pech, sie werden das gesamte Fest wie festgeklebt auf ihrem Platz sitzen, denn getanzt wird ausschliesslich mit dem Ehepartner. Auch junge Leute die eine/n Freund/in haben (= demnaechst heiraten werden) koennen nicht mehr mit anderen tanzen. Die ledigen jungen Leute duerfen miteinander tanzen, genauestens beobachtet von ihrer gesammelten Familie. Gott sei Dank ist Juana eine begeisterte Taenzerin und ich kann mit ihr und einer staendig wachsenden Kinderschar meine eingerosteten Glieder bewegen und mich erwaermen… (Die Feste fanden leider alle bei einer Eiseskaelte statt.) Irgendwann gibt es Kaffee und Brot, wieder schichtweise an den Tafeln. Mittlerweile ist es Abend. Meist endet so ein Fest etwa um 9 Uhr, viele Gaeste gehen vor Einbruch der Dunkelheit (ca 18 Uhr), um noch nach Hause zu kommen.
Ich muss zugeben, dass sich meine Partystimmung mittlerweile in Grenzen haelt…

Die Festgesellschaft auf dem Weg zu ihrem Gehoeft

Die Festgesellschaft auf dem Weg zu ihrem Gehoeft

Die Maenner richten den Patio her

Die Maenner richten den Patio her

Gehoeft bei einer Hochzeitsfeier

Gehoeft bei einer Hochzeitsfeier

Hochzeitsfeier

Hochzeitsfeier

Hochzeitsgesellschaft verlaesst die Kirche

Hochzeitsgesellschaft verlaesst die Kirche

Die Pastoren

Die Pastoren

Die traditionelle Frisur einer erwachsenen Frau: Zoepfe

Die traditionelle Frisur einer erwachsenen Frau: Zoepfe

Messe auf dem Basketballfeld

Messe auf dem Basketballfeld

Das bin ich!

Das bin ich!

Traditionelle Tracht einer Huixteca

Traditionelle Tracht einer Huixteca

Messe im Freien

Messe im Freien

Prozession zum Nachbardorf

Prozession zum Nachbardorf

Luisa und Josue mit "Enano"

Luisa und Josue mit „Enano“

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Ich bin die einzige die nicht friert...

Ich bin die einzige die nicht friert…

Warten aufs Essen...

Warten aufs Essen…

Erstkommunion von Chepe und seinen Schwestern

Erstkommunion von Chepe und seinen Schwestern

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Wasser

Urploetzlich, seit etwa drei Wochen geniessen wir schoenstes Wetter! Mit der semana santa (Ostern) beginnt in Mexiko die Hauptferienzeit und die fuer mein mitteleuropaeisches Empfinden sommerlichste Jahreszeit hier in den Bergen. Es ist meistens warm und sonnig und gibt selten Regen. Der Nachteil ist: das Wasser wird knapp!
Unser Wasser leiten wir aus einem kleinen Brunnen ab, der von einem Bergfluesschen gespeist wird. Da es seit geraumer Zeit kaum geregnet hat fuehrt der Fluss nur noch wenig Wasser und der Brunnen ist versiegt. Der grosse unterirdische Tank in den waehrend der Regenzeit das Wasser vom Dach geleitet wird ist inzwischen fast leer. Bald werden wir zu einer ein paar hundert Meter entfernt gelegenen Quelle gehn und unser Wasser den Berg hochschleppen – so wie viele Leute hier das STAENDIG tun.
Natuerlich gehen wir mit dem Wasser schon immer sparsam um. Das Spuelwasser von der Waesche nutzen wir zum Fussboeden wischen und Blumen giessen. Geduscht wird nicht stundenlang unter fliessendem Wasser, sondern mit einem 10 Liter Eimer. Das Wasser aus meiner Waermflasche (nachts wird es trotz aller Hitze kuehl) benutze ich morgens um mich zu waschen.
Das groesste Problem wenn das Wasser versiegt, ist das Waeschewaschen. Weil jeder nach der Feldarbeit in saubere Sachen steigen will und auch die Kinder taeglich neue Kleidung anziehen, gibt es immer eine enorme Menge wirklich schmutziger Klamotten. Seit wir die Waschmaschine haben war das kein Problem mehr, aber wenn ich mich an meine ersten paar Wochen hier erinnere…
Wenn es nicht regnet werden wir zum Waeschewaschen an einen etwas groesseren weiter entfernten Fluss wandern muessen und die Waschmaschine wird hier auf dem Trockenen stehn. Bisher hatten wir schon zweimal Glueck, es gewitterte am Nachmittag und schuettete ordentlich vom Himmel, binnen Minuten fing ich mehrere Eimer Wasser auf, die von meinem Dach stuerzten, der Brunnen fuellte sich wieder ein wenig und wir konnten etwas Wasser in den Tank abzapfen. Ich glaube ich habe mich im Leben noch nie so sehr ueber Regen gefreut! Ich hoffe, dass es immer mal regnen wird, auch wegen des Mais und der Bohnen die wir gesaeht haben. Im vergangenen Jahr war die Ernte sehr schlecht, weil es im Fruehling viel zu wenig geregnet hatte.
Die Regenzeit beginnt Ende Mai … Dann werden wieder taeglich am fruehen nachmittag Wassermassen vom Himmel stuerzen und alles versinkt im Schlamm. Die Zeit der Gummistiefel und staendig kalten Fuesse, der Erkaeltungskrankheiten und Blasenentzuendungen… Trotz Aussicht aufs Wasserschleppen bevorzuge ich die Trockenzeit!

Einmal, zu Ostern, waren wir schon zum Waschen am Fluss. Die Kinder waren begeistert. Durch unsere Ausfluege an einen Wasserfall und ans Meer haben sie Spass am Baden gefunden (sie hatten in ihrem Leben noch niemals ausserhalb der Babywanne gebadet), Leo hat in nur 2 Tagen das Schwimmen gelernt!
Trotzdem alle Leute ihre Waesche im Fluss waschen habe ich einige Skrupel. Da es sowieso keine Kanalisation gibt – die Abwaesser fliessen einfach in die Erde – macht es vielleicht keinen grossen Unterschied ob man das Waschpulver gleich in den Fluss schuettet?? Gefuehlt ist es allerdings schlimmer…
Die Kontamination des Wassers erklaert, warum es soviele Magen- Darm- Krankheiten gibt. Wasser muss 20 Minuten gekocht werden ehe man es trinken kann. Viele Leute tun das nicht, weil sie dann den rauchigen Geschmack nicht moegen. Deshalb sehen wir sie regelmaessig mit “chronischer Gastritis oder Colitis” … Wenn uns in fremden Haeusern was angeboten wird trinken Luisa und ich deshalb sicherheitshalber nur Tee oder Kaffee.
In den Staedten wird Trinkwasser in 20 Liter Flaschen verkauft, hier nicht. Als ich in San Cristóbal wohnte habe ich immer dieses Wasser getrunken. Ich hatte innerhalb 9 Monaten dreimal Salmonellen, Amoeben und einmal sogar Thyphus. Mittlerweile kann ich mir auch denken warum: Wenn das Trinkwasser alle ist kann es vorkommen, dass die Mitarbeiter Leitungswasser abfuellen, die Flasche versiegeln und als Trinkwasser verkaufen. Dies erzaehlte uns neulich jemand, der dort arbeitet und sich nur an den Kopf fasste, dass es Leute gibt die ihr Geld fuer Trinkwasser ausgeben statt es abzukochen…

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Leben mit Tieren

Huehnermama

Huehnermama

bruetende Pute

bruetende Pute

jetzt sind die kleinen Puten geschluepft

jetzt sind die kleinen Puten geschluepft

die kuh Estrella mit ihrem ein paar Stunden altem Kaelbchen Goya

die kuh Estrella mit ihrem ein paar Stunden altem Kaelbchen Goya

Fernando mit dem Stieren beim Pfluegen

Fernando mit dem Stieren beim Pfluegen

Pinto nach der Arbeit

Pinto nach der Arbeit

Ziegenherde auf dem Weg zum Weiden

Ziegenherde auf dem Weg zum Weiden

Canelo

Canelo

Coleto

Coleto

Mariposa

Mariposa

Colocho, der paedophile Hahn!

Colocho, der paedophile Hahn!

meine Henne beim Brueten im AscheneimerAls Kind habe ich viel Zeit mit dem Pudel der Nachbarn verbracht. Als wir umzogen ging mir dieser Freund verloren. Wenn ich erwachsen bin werde ich einen Hund haben dachte ich. Die Ferien auf dem Bauernhof von Verwandten mit Hund, Katzen, Kuehen, Schwein, Kaninchen, Enten und Huehnern habe ich in bester Erinnerung. Spaeter war ich vernarrt in Pferde.
Mein Interesse an Tieren ist irgendwann zwischen 17 und 20 eingeschlafen. Einen Hund hatte ich nie. Bevor ich hierher nach Zitim kam habe ich nie auf dem Land gewohnt. Haus-Tiere in der Stadt mag ich nicht haben, abgesehen davon, dass mein Lebensstil dazu nicht passt.

Jetzt wohne ich mit etwa 50 Tieren zusammen und um es gleich vorauszuschicken: das Leben mit Tieren auf dem Lande ist voellig unromantisch. “Vierbeinige Freunde” oder Schosstiere gibt es hier nicht. Die Tiere gehoeren zum Hof und haben ihre Aufgaben: Die Hunde bewachen uns und schlagen an sobald ein Fremder sich von weitem naehert. Die Katzen sollen Maeuse und Ratten fangen, die Huehner und Puten Eier legen, brueten und der Suppe einen guten Geschmack geben. Die Ziegen werden als Barbacoa gegessen. Die Stiere arbeiten auf dem Feld und irgendwann landen sie ebenfalls in der Suppe. Die Kuh soll Kaelbchen gebaeren. Kuehe und Ziegen werden nicht gemolken; Milch und Milchprodukte gehoeren nicht zu den Ernaehrungsgewohnheiten der indigenen Bevoelkerung. Das Pferd traegt Lasten und wird geritten, aber niemals als Freizeitvergnuegen. Abgesehen von den Hunden und Katzen die nicht viel Aufwand erfordern kostet es viel Arbeit alle Tiere zu versorgen. Arbeit von der ich bislang keine Ahnung hatte…Den Hof mal fuer einen Tag oder gar ein Wochenende allein zu lassen ist nicht drin. Mindestens zwei Personen muessen immer da sein um alle Tiere zu versorgen. Natuerlich auch wegen der Patienten und damit nichts geklaut wird.

Zu vielen Tieren koennte ich Geschichten erzaehlen, aber ich beschraenke mich jetzt mal auf die Huehner!
Frueh um 3.30 Uhr erwache ich vom ersten Hahnenschrei. Dem folgt wenig spaeter das unablaessige Gepiepse der Kuecken die mit ihren Muettern auf Futtersuche gehn. Wie alle Babys brauchen sie staendig was zu essen und bekommen mindestens 2 stuendlich gekochten und gemahlenen Mais zugefuettert, das ist die Aufgabe der 7 jaehrigen Juana.
Ich wusste nicht, dass eine Henne so etwa 2 Wochen lang taeglich ein Ei legt und sich erst dann zum Brueten darauf niederlaesst. Man muss aufpassen es mitzubekommen, damit die Hunde die frisch gelegten Eier nicht fressen. Wir sammeln sie deshalb ein und geben sie den Hennen wieder wenn sie zu brueten beginnen. Zum Glueck machen die meisten ein grosses Spektakel wenn ein Ei gelegt ist. Brueten tun sie genau auf demselben Platz den sie vorher zum Eier legen gewaehlt und nach und nach mit ihren eigenen Flaumfedern ausgepolstert haben. Die Henne sitzt aber nicht etwa nur so auf den Eiern herum, nein, sie dreht und wendet sie staendig unter sich, vermutlich um sie immer gleichmaessig warm zu halten. Wenn sie das nicht tut, dann sterben die Kuecken noch im Ei. Nach drei Wochen schluepfen die Kuecken. Sie bekommen eine Kerze auf den Hausaltar gestellt und werden mit Weihrauch abgeraeuchert, damit sie gut gedeihen. Aus demselben Grund werden die Eierschalen ueber die Zweige eines Baumes gestuelpt. Die Huehnermutter hat jetzt viel zu tun. Sie muss auf etwa 7 bis 10 Kuecken oder mehr achtgeben und alle unter ihre Fittiche bringen um sie zu waermen, denn sie sind sehr kaelteempfindlich. Sie laeuft jetzt fuer ein paar Wochen staendig mit aufgeplusterten Federn herum und laesst alle unterkriechen. Meistens sterben dennoch ein bis zwei Kuecken in den ersten Wochen.

Huehner sind schlau und es gibt einige Individualisten unter ihnen. Da ist zum Beispiel das Huhn das sich immer in die Kueche schleicht um Futter zu stehlen. Oder eines was ich gar nicht mochte, weil es sich immer unter dem Spuelbecken versteckte und mir beim Abwaschen in die Zehen pickte. Eines Tages fing es an zu husten und 3 Tage spaeter fanden wir es morgens tot, das fand ich richtig traurig, denn mittlerweile hatte ich schon eine richtige Hassliebe zu dem Huhn entwickelt!

Tagsueber hatte ich immer Fenster und Tuer meines Hauses offenstehn. Ein Huhn spazierte hinein und inspizierte alles gruendlich, es huepfte sogar die Treppe hoch in die obere Etage,befand schliesslich, dass mein Bett der geeignetste Platz zum Kinderkriegen sei und legte dort taeglich ein Ei. Trotz Huehnerscheisse im Haus war ich irgendwie geruehrt. Meine sentimentalen Anwandlungen verfluechtigten sich jedoch rasch, denn Huehnerfloehe im Bett sind nicht angenehm… Ich verspruehte giftiges Insektenspray im Haus, das bei selbst mir eine Art Asthmaanfaelle hervorruft, wusch alle Decken und Bettwaesche und verschloss der Henne die Tuer. Sie beharrte auf ihr Gewohnheitsrecht, flog durchs Fenster hinein und bescheerte mir ein weiteres Ei und neue Floehe. Ich wiederholte die Vergasungsaktion und wusch wieder Bettwaesche. Auf dem Klo fand ich meine Henne im Ascheneimer, wir erschraken beide, die Henne suchte spektakelnd das Weite. Als ich Asche ins Trockenklo geben wollte entdeckte ich im Eimer ein Ei! Ich stellte eine Kiste mit Piniennadeln ins Klo, normalerweise akzeptieren die Huehner dies als geeignete Brutstaette. Die eigensinnige Henne legte aber weiterhin taeglich ihr Ei in den Ascheneimer und begann in Vorbereitung aufs Brueten ihre Flaumfedern auf der Asche zu drapieren. Um sie dabei nicht zu stoeren blieb uns nichts weiter uebrig als wieder zum ehemaligen Klohaeuschen zu wandern… Seit drei Tagen hat sie mit dem Eierlegen aufgehoert und den Eimer nur immer kurz verlassen um sich etwas die Beine zu vertreten und zu fressen. Sie bruetet jetzt auf 10 Eieren. Wir koennen auch wieder aufs Klo gehen, denn es scheint als waere die Henne beim Brueten in einer Art Trancezustand in dem sie nichts und niemand mehr stoert.

Unsere Huehner fuehren ein paradiesisches freilaufendes Leben ( Huehnerscheisse!…) und scharren den ganzen Tag ueberall herum um sich ihr Futter zusammenzusuchen und sie lieben zartes Gruen! Das bedeutet den Tod jedes neuen Pflaenzchens um das man nicht eine Mauer gezogen hat! Da es staendig Kuecken gibt die durch jedes noch so kleine Loechlein passen ist mein Haus von einigen Mini- Hochsicherheitstrackten umgeben. Das sieht nicht besonders aesthetisch aus, aber anders geht es nicht wenn man den Geschmack eines “pollo del rancho” dem eines mit Mais gemaesteten Huhnes vorzieht. Es ist tatsaechlich ein Himmelweiter Unterschied, so ein Huhn gibt der Suppe einen viel besseren Geschmack! Das Fleisch ist allerdings fest und zaeh, sicherlich weil die Huehner durchtrainiert sind und ein viel hoeheres Alter erreichen als ein Masthuhn. Uebrigens trifft das fuer alle “artgerecht” gehaltenen Tiere hier zu, alle zaeh und kaum zu beissen. Mal darueber nachzudenken wie es kommt, dass ein Steak, ein Huhn oder welches Fleisch auch immer “aus deutschen Landen” so schoen zart und saftig ueberlasse ich jetzt mal dem Scharfsinn jedes einzelnen.
Ich mache mir wenig aus Fleisch, aber weil ich keine vegetarische Extrawurst braten will esse ich mindestens zwanzigmal soviel wie in Deutschland. Niemand kann hier verstehen, dass es Menschen gibt, die freiwillig auf Fleisch verzichten. Allerdings arbeiten die Leute koerperlich sehr schwer und sind im Durchschnitt viel muskuloeser als mitteleuropaeische Stadtmenschen deren Bewegungsdrang sich im Auto oder in der U-Bahn auf dem Weg zu ihrem Buerosessel erschoepft. Und bekanntlich ist es auch einfacher Muskulatur aufzubauen wenn man Fleisch isst. Allerdings muss ich erwaehnen, dass unser Fleischkonsum (2 bis dreimal in der Woche) absolut nicht dem Durchschnitt entspricht! Eine normale indigene Bauernfamilie ernaehrt sich fast ausschliesslich von Mais (Tortillas und Pozol = gemahlener Mais mit Wasser gemischt) und schwarzen Bohnen. Zwei bis dreimal die Woche gibt es Eier dazu, ein bis zweimal Kartoffeln oder Chayote, eine kartoffelaehnliche Frucht, oder Zuchini, ein bis zweimal im Monat Fleisch. Damit erschoepft sich die Vielfalt. Getrunken wird Wasser, Kraeutertee und Kaffee. Fehl- und Mangelernaehrung ist ein grosses Thema.

Neulich haben wir einen jungen Hahn geschenkt bekommen, der alte Hahn war aber gar nicht damit einverstanden seinen Huehner-Harem zu teilen! Der junge fristete daher ein einsames Dasein und hielt sich abseits. Logischer Schluss: ein Hahn muss in die Suppe! Der 11jaehrige Leo frohlockt, denn Huehnersuppe ist sein Leibgericht. Es wird eifrig diskutiert, beide Haehne sind sehr schoen … Da der Ehemann der Huehnerschar – bisher ganzer Stolz der Hausfrau – aelter ist als der neue Hahn plaediert sie dafuer, dem alten den Hals umzudrehn. Da gibt es aber Gegenstimmen! Da sie sich nicht einigen koennen, soll ich entscheiden wen wir essen!!! “Ich will keinen Toten auf dem Gewissen haben, wegen mir muss es gar keine Huehnersuppe geben.” sage ich. Leo macht ein langes Gesicht. Luisa erklaert mir, dass zwei Haehne auf dem Hof nicht gehn, weil entweder der eine den anderen umbringt oder ihn staendig verjagt, so dass er schliesslich immer mickriger wird. “Meine Freundin Gerdi hat aber zwei Haehne und die leben noch, vielleicht gewoehnen sie sich aneinander… “
Schliesslich faehrt Josue ins naechste Dorf um dort einen dritten Hahn fuer die Suppe zu kaufen. Der alte Hahn attakiert den neuen und besteigt ein Huhn. Dann erwische ich ihn wie er meinem neu gepflanzten Zuckerrohr den Garaus macht. Ich verjage ihn. Alter, wenn Du wuesstest…
Sein Nebenbuhler macht sich unterdessen an eins der Huehner heran. Besonders oft kommt er allerdings nicht zum Zuge, deshalb versucht er die drei Wochen alten Putenkuecken zu besteigen und weil das irgendwie nicht funktioniert packt er sie mit seinem Schnabel im Genick und schuettelt sie wuetend hin und her! Dermassen misshandelt sterben zwei Kuecken. So landete der Hahn vor drei Tagen also doch im Kochtopf. Wir haben ihn in Mole (Schokoladen- Chili- Sosse) gegessen.

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Rauchfrei leben

Vor 8 Wochen ist der neue Kuechenherd fertig geworden: mit der Lagerfeuerromantik ist es nun vorbei, dafuer werden wir aber kuenftig rauchfrei leben!

Der neue Herd!

Der neue Herd!


Allerdings tut sich ein neues Problem auf: der geschlossene Herd strahlt lange nicht soviel Waerme ab wie ein offenes Feuer und es scheint, als muesste nun ein neues, Kuechenhaus um den Herd herum gebaut werden damit wir in der kalten Jahreszeit nicht erfrieren! (Die Kuechenhaeuser sind sehr offen, damit man nicht an Rauchvergiftung stirbt.) Ausserdem beklagen alle, dass nun kein Fleisch mehr ueber dem Feuer geraeuchert werden kann…
zum Raeuchern uebers Feuer gehaengtes Fleisch

zum Raeuchern uebers Feuer gehaengtes Fleisch

Die Kochflaeche ist kleiner, denn die bauchigen Tontoepfe, in denen das Essen auch dann kocht wenn sie nur am Rand des Feuers stehen haben keinen Zweck mehr.
Tontopf am Feuer

Tontopf am Feuer

Dies ist ein gutes Beispiel dafuer, dass der grosse Widerstand gegen Neues der mir oft unueberwindlich erscheint erst nachvollziehbar wird, wenn man selbst hier lebt! Aussenstehende sehen den Rauch, die voellig verrusste Kueche, die Atemwegs- und Augenerkrankungen und die Menge an Holz die verfeuert wird und verstehen nicht, warum sich die Leute gegen einen sauberen Herd wehren, der Holz spart und die Gesundheit schuetzt! Der Herd kostet an Material etwa 100 Euro, das ist hier sehr viel Geld und fuer viele Familien schwer aufzubringen und dafuer dann zu frieren, weil sie sich ein neues Haus schon gleich gar nicht leisten koennen?… Mittlerweile, nach einigen Wochen ist der ganze Russ der sich jahrelang am Wellblechdach gesammelt hat trocken geworden und rieselte pausenlos herunter, so dass staendig alles mit schwarzem Russ ueberzogen ist. Heute haben wir deshalb die ganze Kueche ausgeraumt und versucht den Russ vom Dach zu klopfen. Ich sah aus wie ein Schornsteinfeger und wir fegten kiloweise den Dreck zusammen. Es erscheint mir wie ein Wunder, dass hier nicht jeder zweite mit 40 an Lungenkrebs stirbt.
Beim Russ entfernen

Beim Russ entfernen

Tortillas werden gfebacken - noch auf dem feuer...

Tortillas werden gfebacken – noch auf dem feuer…


Uebergangszeit... noch kann sich keiner von der alten Feuerstelle trennen ;-)

Uebergangszeit… noch kann sich keiner von der alten Feuerstelle trennen😉

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