Xochitecatl – Ausgrabungen in Tlaxcala

Der kleinste mexikanische Bundesstaat, Tlaxcala, liegt im Zentrum des Landes, nahe Puebla. Es gibt hier eine berühmte Ausgrabungsstätte: Cacaxtla. Dort waren wir nicht!

Oscars Verwandte schlugen einen Besuch der benachbarten weniger bekannten Pyramide Xochitecatl vor. Wer dort oben steht kann direkt auf die aus Schutzgründen überdachte archäologische Stätte Cacaxtla drauf schauen. Von hier oben war wieder die furchtbare Luftverschmutzung deutlich zu sehen und leider fühlte man sie auch, die Nasenschleimhäute trockneten aus und bluteten.

Im kleinen Museum gibt es wunderschöne Miniaturskulpturen, Symbole der Weiblichkeit und Fruchtbarkeit aus der mesoamerikanischen epiklassischen Periode zwischen den Jahren 650 – 950. Besonders gefielen mir die Gebärenden.

Passend dazu sind draußen Werke zeitgenössischer Kunst zum selben Thema installiert.

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Zum Glück gibt´s heute Kuchen!

Auf dem See vor meinem Fenster stauen sich jede Stunde die großen Boote, weil sie auf die Öffnung der Drehbrücke warten müssen.

Susanne erinnerte mich an eine lang gehegte, schon fast vergessene Idee zum Wochenendamüsement: wollten wir nicht mal mit dem Paddelboot nachmittags Kuchen an die Hausböotler verteilen?
Den regenreichen Samstag nutzen wir, um interessante Kuchenrezepte zu kreieren:
Süßkartoffelkuchen mit Baiser-Haube und Rhabarber-Apfel-Kuchen. Wie auch sonst im Leben sind beide nicht fähig und willens, uns an bewährte Rezepte zu halten… Wir erfinden immer irgendwas neu oder dazu. Den ganz normalen Erdbeerboden aßen wir selbst. John prüfte unsere innovativen Kuchen als Vorkoster. Er gab grünes Licht für unseren Plan und für die nächste Backaktion gute Ideen, um die Köstlichkeit noch zu erhöhen.
Am frühen Sonntag Nachmittag stachen wir samt Kuchenblech mit meinem Paddelboot in See. Den ganzen Vormittag über hatten wir noch viele lustige und einige tiefsinnige Gedanken zum Thema „Glück“ auf kleine Zettelchen geschrieben, die wir mit Zahnstochern als kleine Segel auf die Kuchenstücke setzten. Schließlich waren ja diese für die Boat people bestimmt.
Wir hatten die Brückenschließzeit verpasst, kein Boot ankerte. Deshalb begannen wir bei den Nachbarn in ihrem Wassergrundstücken. Mit den in Liegestühlen Sitzenden und den Anglern gestaltete es sich schwierig, niemand wollte unseren Kuchen haben. Ja, ich hatte gar das Gefühl dass sie uns misstrauisch beäugten! Wir bekamen lauter Absagen: Wir haben selbst gebacken… Ich bin schon zu dick… grade Eis gegessen… Bier passt nicht zu Kuchen….

Eine Oma hätte gern was gegessen, traute sich aber nicht ein Stück Kuchen anzunehmen, weil ihre Kinder schon abgelehnt hatten…

Die in ihren Gärten Arbeitenden zeigten sich zugänglicher, vermutlich hatten sie schon einige Kalorien verbraucht. Auch unsere direkten Nachbarn und ein paar Urlauber konnten wir beglücken.
Auf einer Bank am gegenüberliegenden Ufer, nahe der Klinik, saß eine alte Frau, die hocherfreut über den geschenkten Kuchen und das Glücksversprechen war. „Glück brauche ich“ sagte sie, „ich hab ein künstliches Kniegelenk bekommen und das will und will nicht heilen!“ Sie strahlte über das ganze Gesicht als wir ihr versicherten, dass sich das nun ganz sicher ändern wird. Von der Freude der Oma beflügelt paddelten wir weiter und nun lief es super. Vor der Brücke stauten sich inzwischen schon einige Wohnboote. „Hier kommt das Kuchenboot!“ schriehen wir und präsentierten unser Backwerk. Nach zwei Stunden war alles verschenkt und wir hatten unter den Urlaubern einige Fans gewonnen und sogar Spenden erhalten, soviel, dass sich der Kuchen zweimal amortisiert hatte. Aber das war ja nicht das Ziel gewesen. Vor allem hatten wir jede Menge Spaß!

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Geisterstunde am Großen Pätschsee

Geister gibt’s nicht nur in Mexiko, sondern auch in Mecklenburg.
Nicht ich habe sie entdeckt sondern Berliner Freundinnen!
Susanne zeigte mir den Waldgeisterweg, der von Zislow aus um den Großen Pätschsee führt. Mehr wird jetzt aber nicht verraten
Ich war voll be-Geistert! Ähnlich wie beim Pilze suchen verlangsamen sich die Schritte, die Blicke schweifen in alle Richtungen und wir freuten uns wenn wir wieder einen Geist entdeckt hatten. Als der Weg schließlich endete verschwanden die Waldgeister nicht etwa! Jedes Astloch erschuf in unserer Phantasie ein neues Geistgesicht.
Im Unterschied zum Sombrerón, der in in Mexiko die Menschen im Wald zu Tode erschreckt, sind die Waldgeister um den Pätschsee ausnahmslos freundlich gesinnt.

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Willkommen in Berlin – Dörfliche Piefigkeit auf dem Flughafen

Das Beste am „neuen“ BER Berlin Brandenburg Airport ist, dass man mit S-Bahn und Vorortzug ruck zuck von der Innenstadt aus direkt am Terminal ist. Ansonsten beeindruckt dieser Hauptstadtflughafen peinlich durch seine Provinzialität und die liebenswerte Berliner Motzigkeit seiner MitarbeiterInnen.
Ich kam ohne Euro-Kleingeld mit Kiloschwerem Gepäck aus Mexiko zurück und wollte mir einen Kofferwagen nehmen. Pech gehabt, die Wagen werden nur gegen Münzpfand freigegeben. Dies erklärt sich wenn man die Ankunftstafel betrachtet: Hier landet kaum ein Flieger der nicht aus der EU kommt. Wer aus den unbedeutenden Teilen der restlichen Welt über Paris, Madrid, Amsterdam oder Sonstwo Hippiemässig mit Rucksack eingereist ist, schleppt eben. Selber schuld, wozu gibt es schließlich Rollkoffer! Willkommen in Deutschland!


3 Wochen später erwartete ich Máximo. Vor Aufregung war ich viel zu früh am Flughafen und hatte daher Gelegenheit, mein schnelles negatives Urteil über den BER zu überprüfen.

Der Flughafen ist wirklich winzig – was ich angenehm finde. Tegel und sogar der ehemalige Flughafen Schönefeld wirkten dagegen mondän.
Es gibt einen „Raum der Stille“ – an sich eine gute Idee. Ich saß da eine Weile. Allerdings hört man ständig Türen knallen, das Piepen einer Fahrstuhltüre und klackernde Hackenschuhe. Und es riecht unangenehm nach Schweißfüßen. Offensichtlich gibt es Besichtigungstouren durch den Flughafen, die auch durch den Raum der Stille geführt werden. Dann ist es gar nicht mehr still.
Mehr Ruhe findet man auf der Besucherterrasse. Mit Visacard lässt sich für 3 Euro ein Ticket erwerben, während – wenn man endlich den Verkaufsschalter gefunden hat – bar 3,50 verlangt werden. Weil ich mich deshalb doch zum Kartenkauf entschloss meckerte die Verkäuferin mich an, dass sie jetzt die Stornotaste drücken muss.

Grad als ich die Karte zückte kam eine Familie heraus, die mir einstimmig riet das Geld zu sparen. „Das lohnt nicht, wir haben kein einziges Flugzeug gesehen!“ Weil sie mir ihre noch gültige Karte schenkten ging ich aber dennoch hoch.
Gähnende Leere auf der Terrasse und auch auf dem Rollfeld. Ich setzte mich eine Weile in die Sonne, das einzige was vorbeiflog waren ein paar Vögel. Weit in der Ferne immerhin die Skyline von Berlin.
Mehr gab es beim besten Willen weder hier noch im Gebäude selbst zu sehen. Sitzen kann man übrigens auf dem Fußboden. Außer man geht zu Starbucks und trinkt da teuer Kaffee oder setzt sich in den stinkigen Raum der Stille.
Wer jemanden abholt muss gar nicht suchen. Ankunft für alle Flüge ist in der Kelleretage, entweder links oder rechts vom Eingang. Wen man da auf seine Lieben wartet kann man sich die Zeit vertreiben und in den Boden geklebte Münzen angucken.
Gleich eine Etage tiefer fährt die S-Bahn für 3,80 Euro direkt ins Zentrum. Wirklich, das ist das Beste!

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Bahareque – die Neuerfindung der traditionellen Lehmbauweise

Wie in vielen Regionen der Erde existiert(e) in Chiapas die Lehmbauweise.

In der kolonialen Architektur findet man Adobehäuser – diese sind aus Lehm- Bausteinen konstruiert. Dann gibt es noch die Bahareque- Methode: Man baut ein doppelwandiges Gerüst aus Bambus oder Holzleisten und schmiert da hinein lehmhaltige Erde, die mit getrockneten Piniennadeln oder Stroh vermischt ist. Diese Bauweise wurde schon in vorkolonialer Zeit angewandt und war zugunsten der Betonbauten in Vergessenheit geraten. In den letzten Jahrzehnten wurde der Lehmbau als ökologisch wertvoll wieder neu entdeckt. Viele der alternativen Lebensweise Zugeneigte haben sich Lehmhäuser gebaut und dabei – ungebremst von Vorschriften und Baugenehmigungen – ihre ganze Kreativität ausgelebt.
In der Region von Zitim werden noch heute die temazcals, die Schwitzhütten, traditioneller Weise mit Lehmbautechnik konstruiert, aber nicht die Häuser, die sind aus Brettern, oder wer es sich leisten kann baut mit Betonsteinen.
Das einzige Lehmhaus das ich in der Gegend kenne ist unser Küchenhaus. Abgesehen vom Schönheitsaspekt und der Erdbebensicherheit gibt es den thermischen Vorteil. Das Haus speichert Wärme wenn es draußen kalt ist und bleibt schön kühl wenn (selten) heißes Wetter herrscht.
Da man alle Materialien an Ort und Stelle findet, ist diese Bauweise sehr preiswert. Gerade ist mein Compadre dabei, eine weitere Mauer zu bauen, was mir Gelegenheit bot diese tolle Arbeit auszuprobieren. Es macht Spaß, ist aber sehr zeitaufwändig.
Wie geht es:
Lehmhaltige Erde wird mit Wasser vermischt und – in unserem Fall, denn wir wohnen im Wald – trockene Piniennadeln reingeknetet. Dann schmiert man diese Masse zwischen die Leisten. Beliebt ist es, farbige Flaschen mit einzubauen, durch die das Licht scheint.
Wenn nach ein paar Wochen die Wände getrocknet sind werden sie mit einer Mischung aus Sand und Lehmwasser verputzt. Man kann dann nach Lust und Laune das Haus mit Reliefs verzieren.
Oberhalb des Ortes Teopisca gibt es eine kleine Kommune von „Aussteigerinnen“ aus verschiedenen Ländern, die ihre Häuser in Lehmbauweise gebaut haben. Gerdi und Oscar werden zusammen mit Freunden ihr Landhäuschen hier errichten. Wir fuhren mit Andrés hin, um die Grundsteinlegung zu bewundern und die Lehmhäuser anzuschauen.
Der Nachbar, ein älterer Einheimischer, hat sich von den „Hippies“ inspirieren lassen und seinen Sohn gebeten, ihm auch so ein Haus zu bauen. Sein von der Regierung gesponserter Betonbau ist bei Kälte ein Gefrierschrank und bei Hitze ein Brutkasten, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Der Sohn ist jetzt mit Begeisterung samt seiner ganzen Familie dabei, den Eltern ihr neues Haus zu errichten. Sie erklärten uns alles und es war ihnen anzumerken, dass sie große Freude an der Sache haben.

„Ist es nicht eine Schande, dass wir diese Tradition verloren haben und erst die „Gringos“ kommen mussten, damit wir das wieder lernen?!“ Die „Hippies“ sind happy, dass der Nachbar ihren Enthusiasmus teilt. Es ist schön zu erleben, dass hier verschiedene Kulturen in gegenseitiger Wertschätzung eine gute Nachbarschaft pflegen.




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